Haesler und Garnison

Beim Museumsflohmarkt in Vergangenheit stöbern

Das wollten sich viele Celler nicht entgehen lassen: Zwei Celler Museen hatten am Wochenende ihre Schatzkisten geöffnet – für einen Flohmarkt.

  • Von Simon Ziegler
  • 04. Dez. 2022 | 17:38 Uhr
  • 04. Dez. 2022
Heiko Wolff vom Garnison-Museum im Gespräch mit Sabine Schöllchen, Martina Wertheimer-Ehlers und Peter Wertheimer. 
  • Von Simon Ziegler
  • 04. Dez. 2022 | 17:38 Uhr
  • 04. Dez. 2022
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Reinhard Konow schaut sich ein altes Schulbuch an.
Neuenhäusen.

Für zwei Tage war der Museumsflohmarkt am Wochenende angesetzt, doch das meiste war schon nach zwei Stunden weg. "Schon am Morgen standen 70 Leute vor der Tür", sagte Rudolf Becker, Geschäftsführer der Otto-Haesler-Stiftung. Der gemeinsame Flohmarkt von Haesler- und Garnison-Museum in den Stadtwerke-Depots an der Fuhsestraße kam richtig gut an.

Drei Schränkchen für 40 Euro

Glück hatten Urte und Norbert Claßen, die am Samstagmittag noch drei Schränkchen ergatterten, "die passen gut in unser altes Fachwerkhaus", wie sie sagten. 40 Euro haben sie dafür bezahlt. Die drei kleinen Möbelstücke wollen sie nun etwas bearbeiten, also abschleifen und vielleicht neu lackieren.

Norbert und Urte Claßen.

Nur zum Stöbern waren Reinhard und Lore Konow da, "wir haben ja selbst den ganzen Dachboden voll". Reinhard Konow hatte ein Biologie-Schulbuch aus dem Jahr 1918 entdeckt, "leider in desolatem Zustand". Und bei den Militärsachen war eine alte Marine-Uniform dabei – ein Modell, das er in seiner Zeit beim Militär Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre selbst getragen hatte. "Da schwelgt man in Erinnerungen."

Birgit Bruderek fährt Probe bei den Radrettern.

In den Räumen hatten die Organisatoren aus dem Fundus des Haesler-Museums Möbelstücke, Bilder, Bücher, Porzellan und vieles mehr auf den Tischen verteilt und "alles für den kleinen Preis" angeboten, wie Becker sagte. Der dritte Raum war schließlich den Militär-Utensilien des Garnison-Museums vorbehalten. Heiko Wolff, der Vorsitzende des Fördervereins, zeigte Uniformen, Stahlhelme und Mützen aus der Zeit des Ersten und Zweiten Weltkrieges. Material sowohl von der Nationalen Volksarmee als auch der Bundeswehr war dabei. "Besonders gefragt waren drei Militärsättel, die an einen Kavallerie-Verein in Gera gehen", erklärte Wolff.

Aus dem Fundus des Garnison-Museums.

Ein paar Meter weiter hatten sich die "Radretter" beteiligt. Der Fahrradladen ist seit Anfang des Jahres an der Fuhsestraße. "Wir kaufen gebrauchte Räder, reparieren sie und verkaufen sie weiter", sagte Gründer Hans Lilie. Und sie verleihen Räder. Die "Radretter" hatten vor ein paar Jahren ehrenamtlich eine Werkstatt an der Kreuzkirche in Neuenhäusen betrieben. Ali Alboushi (34), als Flüchtling aus Syrien gekommen, ist seit einigen Jahren dabei. "Das Handwerk habe ich mir selbst beigebracht", sagte er und schraubte an einem Fahrrad weiter. Inzwischen sind die "Radretter" nicht mehr ehrenamtlich unterwegs. Lilie, Alboushi und eine Handvoll Mitarbeiter und Helfer wollen von ihrem Job auch leben können.

Fahrradmarkt mit sozialem Anspruch

"Wobei es schon auch soziale Arbeit ist", meint Lilie. Der 70-Jährige hat früher als Erzieher gearbeitet, dann war er Rentner und jetzt ist er eben Fahrradhändler. Die Radretter seien günstiger als Fachgeschäfte. Und wenn ein Kunde oder eine Kundin sich eine Reparatur nicht leisten könne, dann finde man schon eine Lösung, deutet Lilie an. Jeden ersten Samstag im Monat laden sie auf dem Stadtwerke-Gelände an der Fuhsestraße zum Fahrradmarkt ein. Jetzt im Winter sei es aber ein bisschen zu kalt für gute Geschäfte. Immerhin sechs, sieben Räder haben sie am Samstag verkauft.

Zurück zum Flohmarkt. Am frühen Nachmittag leeren sich die Räume immer mehr. Die Veranstalter sind zufrieden. Die Einnahmen fließen ins Otto-Haesler-Museum und ins BauhausSchauhaus im Rektorenhaus. Das Depot wird von den Celler Museen zum Jahresende aufgegeben.