Wort zum Sonntag

Gelassen ins neue Jahr

In seinem "Wort zum Sonntag" beschreibt Simon Volkmar, Pastor der Großen Kreuzgemeinde in Hermannsburg, seinen Start ins neue Jahr, der etwas anders verlaufen ist als geplant.
  • Von Cellesche Zeitung
  • 22. Jan. 2023 | 10:00 Uhr
  • 22. Jan. 2023
Simon Volkmar
  • Von Cellesche Zeitung
  • 22. Jan. 2023 | 10:00 Uhr
  • 22. Jan. 2023
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Hermannsburg.

Sind Sie gut ins neue Jahr gestartet? Ich hatte mir für den Jahreswechsel vorgenommen, einen Topstart hinzulegen. Noch liegengebliebene Aufgaben aus 2022 abarbeiten, Ziele für 2023 festlegen, die Termine der nächsten Monate planen und dann mit klarem Kopf und aufgeräumtem Schreibtisch ins neue Jahr starten. Aber es kam anders.

Papierstapel wurde höher und höher

Erst wurde ich krank, dann unsere Kinder und zuletzt meine Frau. Wir alle lagen schniefend und hustend im Bett. Um uns herum ein Meer von gebrauchten Taschentüchern. Und der Papierstapel auf meinem Schreibtisch wurde in der Zwischenzeit höher und höher.

Schon wieder im Stress

Alle guten Vorsätze für den Jahreswechsel sind dahin. Und ich merke, wie ich nach wenigen Wochen schon wieder komplett im Stress bin. Wie soll da erst der Rest von 2023 werden?

Praktischen Tipp gefunden

Aber hier habe ich einen praktischen Tipp bei dem Liederdichter Paul Gerhardt (1607–1676) gefunden. Er schreibt in seinem Lied „Befiehl du deine Wege“: „Auf, auf, gib deinem Schmerze / und Sorgen gute Nacht, / lass fahren, was das Herze / betrübt und traurig macht; / bist du doch nicht Regente, / der alles führen soll, / Gott sitzt im Regimente / und führet alles wohl.“ Das hier beschriebene Problem ist inzwischen wissenschaftlich gut erforscht.

Gedanke setzt sich fest

Negative Gedanken haben die Eigenschaft, sich in unserem Kopf festzusetzen und sich gegenseitig zu verstärken. Wenn uns ein negativer Gedanke durch den Kopf schießt, speichert unser Gehirn diesen und verknüpft ihn automatisch mit ähnlichen Erlebnissen. Plötzlich fallen uns all die Momente aus unserem Leben ein, wo etwas nicht geglückt ist. Dadurch entsteht der Eindruck: So wird das immer weitergehen.

Von Sorgen verabschieden

Aber hier gibt Paul Gerhardt den hilfreichen Rat: Stopp! Verabschiede dich von deinen Sorgen. Schiebe die Gedanken, die dir das Herz schwer machen, für einen Moment beiseite. Du musst nicht für alles eine Lösung haben. Überlass das mal ruhig Gott. Der hat die ganze Welt und dein persönliches Chaos im Griff. Er passt auf dich und deine Lieben auf und sorgt dafür, dass es gut endet.

Gelassener bleiben

Ich habe darum jetzt einen neuen Vorsatz: Ich will versuchen, 2023 gelassener zu bleiben. Und so mache ich mich nun – immer noch leicht hustend – daran, den Stapel auf meinem Schreibtisch abzuarbeiten.

Von Simon Volkmar