Radfahren in Celle

Fahrradstraße bewegt Gemüter

Radfahrer finden es toll, Anwohner sind bedient: Die erste Fahrradhauptroute in Celle sorgt immer noch für Diskussionsstoff.
  • Von Gunther Meinrenken
  • 30. Juni 2022 | 19:00 Uhr
  • 30. Juni 2022
  • Von Gunther Meinrenken
  • 30. Juni 2022 | 19:00 Uhr
  • 30. Juni 2022
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Hehlentor.

Sie haben Vorrang, wo früher eine andere Vorfahrtregelung galt, sie dürfen nebeneinander fahren und ziehen sich damit den Unmut von Autofahrern zu und ihretwegen sind Parkplätze weggefallen – die Rede ist von den Radfahrern, für die die Stadt Celle zwischen der Wittinger Straße und Altenhagen die erste Fahrradhauptroute eingerichtet hat. Fast hätte man es schon vorhersehen können: Die Bevorzugung des Radverkehrs schmeckt vor allem vielen Autofahrern, aber auch Anwohnern nicht. Das wurde bei der jüngsten Sitzung des Ortsrats Hehlentor am Mittwochabend deutlich, bei der die Fahrradstraße das beherrschende Thema war.

Stadt Celle richtet absolutes Halteverbot ein

Gleich zu Anfang der Sitzung kamen bei der Einwohnerfragestunde die gegensätzlichen Haltungen deutlich zum Ausdruck. Richtig bedient sind im Augenblick diejenigen, die an der Spangenbergstraße wohnen und keinen Parkplatz auf dem eigenen Grundstück haben. Denn die Stadt hat Schilder mit absolutem Halteverbot für die gesamte Straße aufgestellt. Stellplätze im öffentlichen Straßenraum gibt es nicht mehr.

Radfahrerin und Anwohnerin mit gegensätzlicher Meinung

"Ich bin Besitzerin eines Mehrfamilienhauses für sechs Parteien. Das Haus wurde 1912 gebaut. Der Zuschnitt des Grundstücks erlaubt es nicht, Parkplätze dort unterzubringen. Für viele ist das nicht akzeptabel. Mieter und Handwerker wissen nicht, wo sie jetzt ihren Wagen abstellen sollen", sagte die Hauseigentümerin. Diese Äußerung rief sofort eine Radfahrerin auf den Plan: "Ich bin froh, dass es in Celle endlich eine Straße gibt, auf der Radfahrer Vorrang haben. Der öffentliche Raum ist per se nicht dafür vorgesehen, dort privates Eigentum abzustellen", erwiderte sie und fügte hinzu: "In Zeiten des Klimawandels kann es nicht sein, dass Autos weiterhin Vorrang haben."

Die Stadt sieht das ähnlich. Nach Meinung von Verkehrsplaner Jörg Frohnert sei die Fahrradroute nach Altenhagen eine der wichtigsten und am stärksten befahrenen Strecken, bei der "das Zusammenspiel zwischen Radverkehr und ruhenden Verkehr zu beachten" sei. Im Einklang mit der Gesetzeslage sei deshalb ein absolutes Halteverbot angeordnet worden, damit für den Fahrradverkehr ausreichender Verkehrsraum zur Verfügung stehe. Es bestehe "kein Rechtsanspruch auf öffentliche Parkplätze in Wohnungsnähe", so Frohnert. Gleichwohl gebe es einen nachvollziehbaren Bedarf für Handwerker und Pflegedienste. Daher werde die Stadt noch einmal sechs oder sieben Stellplätze einrichten.

Krach, Abgase und erhöhte Unfallgefahr

Weitere Kritik richtete sich gegen die neue Vorfahrtregel am Prinzengarten und der Dörnbergstraße. Das "Stoppen und Anfahren" sei wegen der Abgase "auch nicht so grün", merkte ein Bürger an. Und ein anderer, der am Prinzengarten/Spangenbergstraße ein Eckgrundstück bewohnt, kritisierte: "Wir kriegen jetzt den Krach und die Abgase aus allererster Hand", so der Anwohner, der auch auf die Unfallgefahr hinwies: "Die Autofahrer brettern da durch, da möchte ich nicht der Radfahrer sein."

Eingewöhnungsphase von einem halben Jahr

Fachbereichsleiter Jens Hanssen appellierte, "den Teufel nicht immer an die Wand zu malen. Das Stoppen und Anfahren ist dann halt so". Die Stadt habe bisher an den angesprochenen Punkten keine gravierenden Probleme festgestellt. "Warten Sie es ab, das wird sich alles einpendeln", so Hanssen, der von einer Eingewöhnungsphase von einem halben Jahr ausgeht.