Stuten beschlagnahmt

Celler ist sauer: "Die stehlen meine Pferde"

Dass der Landkreis Celle ihm seine Pferde wegen angeblich schlechter Haltung weggenommen hat, möchte Johann Stegmüller so nicht hinnehmen. Muss er aber wohl.

  • Von Michael Ende
  • 24. Jan. 2023 | 19:00 Uhr
  • 27. Jan. 2023
"Alles war vorschriftsmäßig, ich hab sie gut gepflegt": Johann Stegmüller vermisst seine seine Achal-Tekkiner "Enay", "Jeltchy" und "Kanatai".
  • Von Michael Ende
  • 24. Jan. 2023 | 19:00 Uhr
  • 27. Jan. 2023
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Garßen.

Johann Stegmüller kann es immer noch nicht fassen: "Die haben mir meine Pferde weggenommen – einfach so. Die stehlen meine Pferde." Mit "die" meint der 76-Jährige das Veterinäramt des Landkreises Celle. Die Behörde hatte seine drei Stuten, die in Garßen auf einer Weide standen, wegen angeblich unsachgemäßer Haltung beschlagnahmt und will die Tiere nun gegen Höchstgebot verkaufen. Gegen diese seiner Ansicht nach "Willkür" will Stegmüller kämpfen. "Ich gebe nicht auf – und wenn ich bis vor das Bundesverwaltungsgericht ziehen muss."

Landkreis durchkreuzt Ungarn-Pläne

Er züchte bereits seit 60 Jahren erfolgreich Pferde und seine Achal-Tekkiner "Enay", "Jeltchy" und "Kanatai", seien wertvolle Zuchtstuten, sagt Stegmüller, der mit den Tieren einiges vorhatte: "Die müssen im Frühjahr zum Hengst nach Ungarn." Die Reisepläne hat der Landkreis massiv durchkreuzt. "Aufgrund diverser tierschutzrechtlicher, aber auch tiergesundheits- und tierarzneimittelrechtlicher Verstöße gegen die gesetzlichen Bestimmungen mussten die Pferde dem Halter Ende November nach vorheriger Androhung fortgenommen und anderweitig untergebracht werden", sagt Landkreis-Sprecher Tore Harmening.

Eines der beschlagnahmten Pferde.

Huf-Deformierungen Indiz für schlechte Haltung

Die Mängelliste des Landkreises ist lang. Die Weide habe für die Pferde keinen angemessenen Witterungsschutz für den Winter geboten und die Einzäunung sei nicht hoch genug und wiederholt ohne Strom gewesen, so Harmening: "Bei einer Stute waren die Hufe wiederholt stark ausgebrochen und dringend pflegebedürftig. Futter lag für die Pferde nicht vor." "Alles Quatsch", sagt Stegmüller, der sämtliche Vorwürfe bestreitet. Die Pferde seien top versorgt gewesen. Die Huf-Fotos, die die Landkreis-Veterinäre angefertigt haben, sagen etwas anderes. Hochgebogen, verwachsen und ausgebrochen – so sehen Hufe von vernachlässigten Pferden aus. Und das passiert auch nicht von einen Tag auf den anderen.

So soll es nicht aussehen: Vernachlässigte Hufe lassen auf schlechte Haltungsbedingungen der Pferde schließen.

Pferdebesitzer soll Landkreis-Mitarbeitern gedroht haben

Stegmüller wischt das alles vom Tisch: "Ich habe mich intensiv um meine Pferde gekümmert. Und genau an dem Tag, als der Landkreis sie abholte, hatte ich den Hufschied bestellt." Harmening zeichnet ein anderes Bild vom Pferdehalter: "Er wurde im Rahmen von Hinweisschreiben, Telefonaten und letztendlich entsprechenden schriftlichen Anordnungen zur Umsetzung der gesetzlichen Anforderungen mehrfach aufgefordert." Stegmüller sei nicht bereit gewesen, die gesetzlichen Mindestanforderungen anzuerkennen und umzusetzen und habe sogar mehrfach Drohungen gegen Mitarbeiter des Landkreises ausgesprochen.

So soll es nicht aussehen: Vernachlässigte Hufe lassen auf schlechte Haltungsbedingungen der Pferde schließen.

Angeblicher "Verkauf" ändert nichts an Sachlage

Stegmüller sagt, er habe die Tiere, die der Landkreis nun für ein Mindestgebot von jeweils 500 Euro öffentlich versteigert, unterdessen für insgesamt 24.500 Euro an einen Mann aus Bremerhaven verkauft: "Das ist doch Unterschlagung und Betrug, was der Landkreis jetzt macht." Stegmüller hat das Verwaltungsgericht Lüneburg angerufen, will notfalls "bis zum höchsten deutschen Gericht klagen". Das Verfahren sei noch anhängig, so Harmening, der sagt, dass die Kaufverträge "nicht belastbar" seien. "Das Gericht hat aber in einer ersten Entscheidung zur Prozesskostenhilfe erkennen lassen, dass es einer Klage im Hauptsacheverfahren wenig Chancen einräumt."

Versteigerung läuft bis Ende Januar

Und Stegmüller – könnte der seine Tiere vielleicht zurück-ersteigern? Harmening schüttelt den Kopf: "Aufgrund des zwischenzeitlich erlassenen Pferdehaltungsverbotes ist eine Rückführung in seine Hände nicht möglich." Die Abgabe der Tiere stehe unter dem Vorbehalt einer vorherigen tierschutzrechtlichen Überprüfung des Interessenten und seiner Haltungseinrichtung. Unter www.landkreis-celle.de hat das Veterinäramt Steckbriefe veröffentlicht. Ein schriftliches Angebot ist bis zum 31. Januar zusammen mit einer Interessentenauskunft beim Landkreis Celle, Amt für Veterinärangelegenheiten und Verbraucherschutz, Alte Grenze 7, 29221 Celle, Stichwort: „Pferdeverkauf“ abzugeben.