Zu Grün: FDP sieht rot

Angst vor Celler Aller als "Sumpfgebiet"

Die FDP warnt vor einer "Versumpfung" der Aller - zu Unrecht, wie Experten meinen.
  • Von Michael Ende
  • 04. Aug. 2022 | 07:00 Uhr
  • 04. Aug. 2022
  • Von Michael Ende
  • 04. Aug. 2022 | 07:00 Uhr
  • 04. Aug. 2022
Anzeige
Celle.

Während die Aller unterhalb des Celler Wehres immer noch das leicht irreführend an Rhein oder Donau erinnernde Prädikat "Bundeswasserstraße" trägt, droht der Fluss im Oberlauf mehr und mehr zur Fußgängerzone zu werden: Auf immer weiter anwachsenden Sandbänken siedeln sich Pflanzen an, an manchen Stellen haben es Ruderer schwer, angesichts der Verkrautung noch voran zu kommen. Der durch die Dürre immer weiter sinkende Wasserstand verschärft den Effekt: Wird die Celler Aller etwa zum "Sumpfgebiet"? Diese Angst treibt jedenfalls die örtliche FDP um. Fachleute hingegen winken ab: "Kein akuter Handlungsbedarf."

FDP war gegen Naturschutzgebiet

Die Liberalen im Celler Rat hatten sich vehement dagegen ausgesprochen, die Aller im Stadtgebiet als Naturschutzgebiet auszuweisen. So handele man sich nur Probleme ein, meinte die FDP und sieht sich durch den Wildwuchs im Fluss nun bestätigt: In einem Naturschutzgebiet dürfen Wasserpflanzen nämlich nicht einfach so beseitigt werden – schließlich haben hier Biber, Otter, Lachs, Libellen und Co. Vorfahrt vor den Menschen.

Was, wenn das Wasser noch weniger wird?

„Und wieder ein noch weitergehender Grünaufwuchs in der Aller, wo man hinschaut. So stark war er in den vergangenen Jahren noch nie“, so FDP-Ratsherr Ralf Blidon, nach einer "Überprüfung" des Allerlaufes zwischen Altencelle und Wehranlage. Grund dafür war die bereits in den vergangenen beiden Sommern von der FDP geäußerte Sorge, dass die Mittelaller ihren bisherigen Charakter und ihre hydraulischen Fähigkeiten mit der Zeit verlieren und bei höheren Hochwasserständen schneller über die Ufer treten könnte. „Man hat uns erklärt, dass es im Flusslauf durch die niedrigen Wasserstände der letzten Jahre zu der veränderten Gestaltung des Flussgebietes gekommen ist und es sich um eine natürliche Reaktion des Gewässers handelt. Der Hinweis darauf, dass es bei zukünftigen Hochwassern wieder zu einer Verlagerung der Sedimentanlandungen kommen wird, ist uns angesichts der klimatischen Veränderungen zu ungewiss“, meint Blidon, den die Sorge umtreibt, „dass aus der Aller ein Sumpf mit einer zunehmend verlandeten Fläche wird.“

Wann werden Anwohner informiert?

Blidon fragt, welche Folgen es haben werde, wenn die natürliche Flussreinigung durch Hochwasser nicht mehr funktioniere: "Wir wollen daher, dass weitere Rückhaltemaßnahmen oberhalb von Celle zeitnah geprüft, geplant und umgesetzt werden, dass die Morphologie des Betts der Mittelaller dauerhaft den für den Hochwasserabfluss erforderlichen hydraulischen Fähigkeiten entspricht und dass weiterhin ein guter Kompromiss zwischen dem Schutz vor Hochwasser und den berechtigten naturschutzfachlichen Belangen gefunden wird." Es müsse jetzt alles getan werden, um den Hochwasserschutz oberhalb des Allerwehrs voranzubringen und die Einwohner in die Maßnahmen endlich einzubinden: "Das ist trotz Zusagen der Verwaltung bisher nicht geschehen."

Aller im September auf politischer Tagesordnung

Aus dem Rathaus heißt es dazu, dass die Anwohner sehr wohl in die Planungen einbezogen werden sollten. "Anfang September werden wir die Anlieger informieren und mit ihnen in den Dialog gehen, und danach gehen die Planungen in die politischen Gremien," so der zuständige Fachbereichsleiter Jens Hanssen. Für die Unterhaltung der Aller sei der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) zuständig.

Hochwasser soll Sedimente wegspülen

"Die trockene Wetterlage und die entsprechend unzureichenden Niederschläge haben auch an der Aller zu aktuell sehr niedrigen Wasserständen geführt, sodass der in der Aller gegebene natürliche Bewuchs derzeit besonders stark sichtbar ist", sagt NLWKN-Sprecher Carsten Lippe. Insgesamt habe sich durch die tendenziell niedrigen Wasserstände der letzten Jahre ein verändertes Erscheinungsbild der Flussgebiete mit entsprechenden Sedimentanlandungen und Bewuchs eingestellt: "Der NLWKN geht nach aktueller Einschätzung davon aus, dass es bei zukünftigen Hochwasserereignissen wieder zu einer Verlagerung dieser Sedimentanlandungen kommt." Ausbaggerungen und Krautungen stellten immer einen großen Eingriff in das natürliche Gewässergefüge dar und kämen daher nur in Ausnahmefällen zum Einsatz." Zuletzt geschah dies im September 2021, um die Benefizregatta "Rudern gegen Krebs" zu ermöglichen.

Keine Krautungen oder Ausbaggerungen geplant

Entlang der Aller werden Maßnahmen wie diese in regelmäßigen Abständen nur im Bereich der Altarme vorgenommen, um die ökologisch wichtige Anbindung zwischen Hauptgewässer und Altarmen zu erhalten, so Lippe. "Auch wenn sich das aktuelle Erscheinungsbild von den bekannten Verhältnissen unterscheidet, besteht aus hydrologischer Sicht derzeit keine Notwendigkeit Krautungen oder Baggerungen vorzunehmen."