Wort zum Sonntag

Garten Eden

Der Theologe und Autor Peter Kuhlmann spricht in seinem Wort zum Sonntag darüber, wie Kinder früher Gärten erlebt haben und wie sie es heute tun.
  • Von Cellesche Zeitung
  • 02. Okt. 2022 | 10:05 Uhr
  • 02. Okt. 2022
Peter Kuhlmann
  • Von Cellesche Zeitung
  • 02. Okt. 2022 | 10:05 Uhr
  • 02. Okt. 2022
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Celle.

Es wird Sie vielleicht verwundern: In den Schöpfungsgeschichten ist nicht vom Paradies die Rede. Vielmehr wird der Mensch in den Garten Eden gesetzt, nachdem es geregnet hatte, eine Vielzahl von Bäumen und Pflanzen gewachsen sind, die den Garten gebildet haben. Zudem ist der Mensch nicht die „Krone der Schöpfung“. Den Abschluss der Schöpfung bildet der Ruhetag und die Feststellung: Alles hat seine Ordnung, alles ist gut. Es bedarf keiner Versuche, die Natur zu verbessern, zu manipulieren oder vielleicht sogar zu optimieren.

Erinnerung an Gaumenfreuden

Bei „Garten Eden“ stellt sich für mich die Frage, welche Beziehung wir zu Gärten haben. In meiner Kindheit war der Garten meiner Eltern eine bunte Vielfalt aus Gemüsepflanzen, Apfel- und Birnenbäumen, Kirsch- und Pflaumenbaum, Büschen mit Stachel- und Johannesbeeren. Im Sommer war unsere Küche immer mit Dampfschwaden geschwängert von all dem Einkochen und Entsaften. Ich kann mich noch gut an die Gaumenfreuden erinnern: den ersten frischen Spinat, Eintopf aus jungen Erbsen und zarten Möhren, der erste Kartoffelpuffer aus selbst gerodeten Kartoffeln, der Biss ins Brötchen mit warmer Erdbeermarmelade. Mit den Jahren musste ich jedoch erleben, wie ein Beet nach dem anderen mit Rasen eingesät wurde, der Hand-Rasenmäher wurde dagegen größer.

Nackte Rasenflächen und Schotter

Heutzutage muss Kindern erklärt werden, dass Milch nicht aus dem Tetrapack kommt, sondern von der Kuh. Was fällt jedoch dem Nachwuchs ein, wenn er in einem Neubaugebiet aufwächst und das Wort „Garten“ hört? Welch einen Garten hat er vor Augen, wenn er aus dem Fenster schaut? Vielfach eine nackte Rasenfläche, ein mit grauem Schotter abgedeckter Vorgarten, wenn es hochkommt mit einer Schale mit Nadelgehölz. Welche Beziehung zeigt sich darin zu Garten oder Natur? Die paar Quadratmeter Grün scheinen nur notwendige Last zu sein.

Garten Eden ist zu bewahren

Immer noch höre ich in dem Zusammenhang das Wort „Umwelt“, als sei die Welt um den Menschen herum geschaffen und nur für ihn da. Nein! Die Natur kommt ganz gut ohne uns klar. Vielmehr sollten wir uns als Teil der Natur begreifen, als Mensch, der Verantwortung gegenüber all den Mitgeschöpfen hat. Der Garten Eden ist zu bebauen und zu bewahren. Versiegeln wir ihn mit Gebäuden, Straßen oder Schotter, so reagieren Klima und Natur mit Dürren und Extremwetter.

Also: Erntedank braucht „Haltung“. Wir sind Teil von etwas Größerem!

Von Peter Kuhlmann