Wort zum Sonntag

Es wäre so schön

Diemo Rollert, Pastor in der Johannesgemeinde Celle, befasst sich in seinem "Wort zum Sonntag" mit der Wichtigkeit des Volkstrauertages.
  • Von Cellesche Zeitung
  • 13. Nov. 2022 | 10:05 Uhr
  • 13. Nov. 2022
Diemo Rollert, Pastor in der Johannesgemeinde Celle
  • Von Cellesche Zeitung
  • 13. Nov. 2022 | 10:05 Uhr
  • 13. Nov. 2022
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Celle.

Es wäre ja so schön, wenn wir den Volkstrauertag einfach nicht mehr bräuchten. Oder höchstens noch als Gedenktag an längst vergangene Zeit. Es wäre ja so schön, wenn der letzte große Krieg wirklich schon 77 Jahre her wäre.

Unerträgliche Bilder

Es wäre so schön, wenn die unerträglichen Bilder der sterbenden Soldaten, der auf der Flucht verhungernden Kinder und Alten, der in Ruinen weinenden Frauen, sich für immer in das Gedächtnis der Menschheit eingeprägt hätten und wir als Menschheitsfamilie längst mit einer Stimme gesagt hätten: Nie wieder!

Gegenwart zeigt uns Kriegsbilder

Die Gegenwart lässt Familien und ganze Völker trauern. Die Gegenwart zeigt uns die ungebremste Zerstörung in der Ukraine, im Jemen, zeigt uns zerbombte syrische Flüchtlingslager und überhaupt keine Bilder aus Äthiopiens Region Tigray und uigurischen Umerziehungslagern. Die Gegenwart zeigt uns gescheiterte Militäreinsätze Deutschlands und der Nato in Afghanistan und Mali. Auch wenn sie mit viel gutem Willen zum Frieden begonnen wurden, was bleibt? Ja, man könnte heulen anhand all der Kriege und Toten. Vielleicht müsste man es!

Es bleibt Angst vor hohen Gaspreisen

Es ist nicht zu ertragen, auch nur in die Augen eines einzigen Kindes zu schauen, dass gerade Vater und Mutter verloren hat. Vielleicht irre ich, aber ich habe das Gefühl, zusehends vermeiden wir diesen Blick, ducken uns weg. So bleibt vom Ukrainekrieg nur die Angst vor zu hohen Gaspreisen. In unserer Johannes-Kirche zumindest haben wir längst kein Friedensgebet mehr, die Fürbitte am Sonntag muss reichen.

Aufruf zu Versöhnung, Verständigung und Frieden

Leider brauchen wir einen Tag wie den Volkstrauertag dringender denn je, einen Tag des Innehaltens, des Gedenkens, aber auch des Sich-Aussetzens all der Verzweiflung, die die Kriege in die Welt bringen. Einen Tag, an dem wir laut rufen: Nie wieder! Wir brauchen diesen Tag als Aufruf zu Versöhnung, Verständigung und Frieden. Wir brauchen diesen Tag als Tag der Hoffnung. Denn ohne die Hoffnung, dass Gott uns nicht verlassen wird, sondern „alle Tränen abwischen wird“ und „Leid, Geschrei und Schmerz“ ein En-de setzen wird, könnten wir nicht weiterleben.

Von Diemo Rollert