Workshop mit Zeitzeugen

Bewusst die Demokratie leben

Zwei DDR-Zeitzeugen luden zu einem Diskurs über die Demokratie ein. Sie berichten von ihren Erfahrungen.
  • Von Cellesche Zeitung
  • 18. Aug. 2022 | 09:00 Uhr
  • 18. Aug. 2022
  • Von Cellesche Zeitung
  • 18. Aug. 2022 | 09:00 Uhr
  • 18. Aug. 2022
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Celle.

Wirklich strukturiert war dieser Workshop nicht – stattdessen erlebte man einen lebhaften Diskurs zwischen den Teilnehmenden. Zwei Zeitzeugen der DDR-Diktatur starteten am Dienstagvormittag im Mehrgenerationenhaus Celle einen Demokratie-Workshop. Buchautor und Referent für politische Bildung Gerd Keil und seine Ehefrau Manuela, ebenfalls Buchautorin, strukturierten den Workshop entlang ihrer eigenen, durch die DDR-Zeit geprägten Lebensbiografie. Ihnen ist es ein Bedürfnis, ihre Erlebnisse zu teilen und eine Diskussion über den Wert der Demokratie anzuregen.

In einer gegenseitigen Vorstellung der Leiterin und des Leiters wurde klar: Die Zeit in der DDR hinterließ bei beiden Spuren. Manuela Keil war früher bei der Kriminalpolizei tätig und erfuhr nach dem Mauerfall eine Sinnkrise. Das System, das für sie logisch schien und zuvor noch intakt war, ging mit einem Mal verloren. Ihr ganzes Weltbild änderte sich schlagartig. Hingegen nahm Gerd vermehrt Missstände wahr: Er war Fluchthelfer, wurde verraten, verfolgt und inhaftiert. Heute leidet er unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung. „Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht“, resümiert Gerd.

Eine Vielzahl der Anwesenden konnte sich mit diesen Erlebnissen identifizieren und beteiligte sich rege an dem Austausch. Angesprochen wurde zudem die „finstere DDR“ durch eine Workshop-Teilnehmerin, welche auf die Ahnungslosigkeit und die Ängste vor Verrat und Bedrohung hinwies. Durch die Vorstellungsrunde wurde deutlich: Jeder war damals in einer anderen Rolle und nahm die Welt dementsprechend anders wahr. So glaubten Manuela und Gerd verschieden stark an die Propaganda sowie die Ideologie und waren unterschiedlich angepasst.

„Demokratie fällt nicht wie Regen vom Himmel“, sagt Gerd Keil und verweist auf die heutige Zeit, er wünscht sich gegenseitiges Verständnis und mehr Selbstreflexion für ein gesundes Miteinander. Der Workshop lief vor allem auf eines hinaus: Man wünscht sich keinen Radikalismus, keine Ängste oder gar Vorurteile. Die Demokratie, welche Freiheiten in Presse, Meinung und Wahl beinhaltet, solle man wertschätzen und nicht als selbstverständlich ansehen. So beendete Gerd den Workshop mit den Worten: „Wenn man in einer Demokratie schläft, wacht man in einer Diktatur auf.“

Von Lara-Malin Blazek, Paula Schipper