Woran liegt's?

Mysteriös: Celler Park-Nutrias sind abgetaucht

Und niemand kann oder mag sagen, warum: Die Nutrias verschwinden aus den Celler Parks.
  • Von Michael Ende
  • 05. Aug. 2022 | 18:00 Uhr
  • 05. Aug. 2022
  • Von Michael Ende
  • 05. Aug. 2022 | 18:00 Uhr
  • 05. Aug. 2022
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Celle.

Diejenigen Celler, die sich am Anblick der Nutrias in den Celler Parks erfreuen, stehen vor einem Rätsel: Die aus Südamerika eingeschleppten, behördlicherseits als schädliche Neozoen eingestuften Nager, werden immer weniger. Im Schlosspark sinkt ihre Zahl rapide, und im Französischen Garten sind die "Sumpfbiber" komplett abgetaucht. Was steckt dahinter? Die Stadt Celle schweigt sich dazu aus. Hintergrund des Nutria-Schwunds dürfte die Bejagung der Tiere, die nicht hierher gehören, sein. Früher wurde offen über die "Entnahme" der Nutrias gesprochen, doch heute will man offenbar Shitstorms von Enten- und Nagerfütterern in den sozialen Medien umschiffen. Vermutlich deshalb wird dazu jetzt offiziell nichts mehr gesagt. Die verschwundenen Nutrias – ein Mysterium.

Wo sind sie hin?

"Wo sind die Nutrias des Französischen Gartens geblieben?", fragt Hans-Jörg Heydecke. "Ich passiere den Französischen Garten mehrmals in der Woche und hatte meine Freude an den herumwuselnden Nutrias. Dieser Tage fiel mir auf, dass nicht eine einzige mehr im Park vorhanden ist. Im Schlosspark konnte ich gestern gerade mal zwei Tierchen fotografieren." Heydecke fragt sich: "Hat in Celle mal wieder still und heimlich eine Tierentnahme wie bei den Maulwürfen im Französischen Garten stattgefunden?"

Die Sache mit den Maulwürfen

Dirk-Ulrich Mende (SPD) hatte 2017 als Vorgänger des jetzigen Oberbürgermeisters Jörg Nigge (CDU) zu verantworten, dass die streng geschützten Maulwürfe zur Tötung freigegeben wurden. Nachdem Nigge 2019 von dieser Praxis, bei der die Tiere mit Gas getötet wurden, erfahren hatte, ließ er sie wegen "ethischer Bedenken" stoppen. Aus der Jagd auf die Nutrias in den städtischen Grünanlagen hatten man hingegen im Rathaus bisher kein Geheimnis gemacht.

Nutria-Jäger im Auftrag der Stadt

Als Maßnahme gegen das ungebremste Wachstum der Nutria-Population habe die Stadt Celle einen ausgebildeten Jäger mit der Erlaubnis zur Fallenjagd beauftragt, hatte Stadtsprecherin Myriam Meißner 2019 auf CZ-Anfrage berichtet: „Im Bereich der Parkanlagen wurden in 2018 zehn Tiere gefangen." Darüber, dass die Nutrias dann nicht etwa zurück auf ihren Heimat-Kontinent repatriiert werden, sondern getötet werden und als Zahl in der amtlichen Jagdstatistik auftauchen müssten, wird nicht gerne geredet. Ob die Nutrias immer noch bejagt würden oder nicht und wie hoch die Strecke der vergangenen Jahre war? Auf derlei Fragen geht man heute im Rathaus nicht mehr ein. Meißner: "Städtischerseits haben wir jedenfalls keinerlei Maßnahmen in unseren Parks und Gärten ergriffen."

Strecken-Zahlen sinken

Meißners Tipp: Zur Zahl der bisher von Jägern im Auftrag der Stadt erlegten Nutrias könne bestimmt die Kreisjägerschaft etwas sagen. Ihr Streckenbericht weist für das Jahr 2019 genau 1593 im Landkreis Celle erlegte Nutrias aus. 2020 waren es noch 1139 und 2021 nur noch 854 erlegte Tiere. Offen ist, ob die sinkenden Zahlen tatsächlich etwas mit einem Rückgang der Population zu tun haben oder damit, dass sich nicht mehr so viele Jäger die Mühe mit der Nager-Jagd machen wollen.

Keine Zahlen für Celle

Kreisjägermeister Helge John liegen nach eigenen Angaben keine Zahlen für die Nutria-Strecke im Celler Stadtgebiet vor. Der Landkreis zahlt eine "Schwanzprämie" von sechs Euro pro erlegter Nutria. Weiß man in der Jagdbehörde an der Trift, wie viele dieser labbrigen Trophäen aus den Celler Parks stammen? Landkreis-Pressesprecher Lukas Kloth muss passen: "Der Französische Garten und der Schlosspark stellen keinen Jagdbezirk dar, der in der Statistik gesondert auftauchen würde. Die untere Jagdbehörde kann zum jetzigen Zeitpunkt keine spezifischen Angaben zu den Zahlen machen." So verliert sich die Spur mancher Celler Nutrias – bis sie vielleicht woanders wieder auftauchen.