Weltblutspendetag

Blutkonserven werden dringend gebraucht

10.000 Dosen Spenderblut werden in jeder Woche verbraucht, und das allein in Niedersachsen. Gerade einmal die Hälfte ist vorrätig. So ist der Stand in Celle.
  • Von Jana Wollenberg
  • 14. Juni 2022 | 19:19 Uhr
  • 15. Juni 2022
  • Von Jana Wollenberg
  • 14. Juni 2022 | 19:19 Uhr
  • 15. Juni 2022
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Celle.

Anmeldung, Fragebogen, Blutabnahme, Arztgespräch: Die nötigen Schritte, bevor er Blut spenden kann, kennt Wilhelm Lilje genau. Kein Wunder, schließlich ist der Escheder bei Weitem nicht zum ersten Mal bei der Spende in der CD-Kaserne. Am heutigen Dienstag – dem Weltblutspendetag – wird er sich zum 129. Mal auf eine der Liegen niederlassen und sein Blut geben, um anderen Menschen eine möglicherweise lebensrettende Transfusion zu ermöglichen.

"Wir brauchen ungefähr 10.000 Konserven", sagt Silke Neundorf, Gebietsreferentin beim Blutspendedienst des Deutschen Roten Kreuzes. So viel Blut wird allein in Niedersachsen gebraucht, und zwar jede Woche. "Im Moment haben wir ungefähr 5000 bis 5800", meint sie – also lange nicht genug, um den Bedarf zu decken.

Ministerin ruft zur Spende auf

Nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) werden täglich 15.000 Blutspenden benötigt, unter anderem für Krebstherapien, die Versorgung von Unfallopfern und bei Operationen. "Deshalb sind wir in großer Sorge, auch weil jetzt viele Eingriffe nachgeholt werden, die wegen Corona verschoben wurden", sagt Neundorf. Es sind dringend mehr Spender nötig, betont sie, auch, damit wichtige Operationen weiterhin stattfinden können.

Anlässlich des Weltblutspendetags am 14. Juni appellierte auch Niedersachsens Gesundheitsministerin Daniela Behrens, Blut und Plasma zu spenden: „Jede und jeder von uns kann unverhofft in eine Situation kommen, wo es einer lebensrettenden Blutkonserve bedarf", betonte sie. In den Sommermonaten gingen die Zahlen der Blutspenden regelmäßig noch einmal zurück.

Zudem drohe beim Blutspenden ein „Generationswechsel“, so die BZgA. Bereits heute liege das Durchschnittsalter der Spenderinnen und Spender in vielen Einrichtungen bei über 50 Jahren. Ebenso komme es durch die geringe Haltbarkeit der Blutkonserven immer wieder zu Kapazitätsengpässen. Innerhalb von 14 Tagen müssen diese genutzt werden, es braucht also regelmäßige Spender wie Lilje, um die Versorgung aufrecht zu erhalten.

Spendenbereitschaft in Celle ungebrochen

Schon seine Blutgruppe würde ihn anspornen, alle zwei Monate zu kommen, meint der Escheder – die ist besonders selten und kann für Transfusionen für alle Menschen eingesetzt werden. Dies ist vor allem bei Notfällen nützlich, wenn keine Zeit zum Testen der Blutgruppe ist. "Noch ein größerer Ansporn ist es, zu sehen und zu hören, wo überall Blut gebraucht wird", sagt Lilje. Überwindung koste ihn der Piks mit der Nadel nicht, meint er, weder beim ersten Mal noch bei den 128 Spenden darauf.

Mit ihm warten an diesem Nachmittag schon zu Beginn der Aktion zahlreiche weitere Spender darauf, dass eine der Liegen zur Blutabnahme frei wird. "Die Spendenbereitschaft in Celle ist sehr gut", sagt Jürgen Evermann, ehrenamtlicher Leiter des Sozialdienstes des DRK-Ortsvereins Celle. "Das ist sie schon immer gewesen. Einen Einbruch bei der Spendenbereitschaft habe die Ortsgruppe bemerkt, als die Termine vorübergehend nicht in der CD-Kaserne stattfinden konnten, weil dort das Impfzentrum der Stadt eingezogen war. Inzwischen lägen die Zahlen wieder auf dem gleichen Niveau wie vorher. An diesem Tag erwartet Evermann weit über 100 Spender. 50 hätten sich vorher angemeldet, viele kämen aber auch spontan vorbei.

Termine zur Blutspende bietet der DRK Celle in der Regel an jedem 1. Dienstag im Monat an, jeweils von 15 bis 20 Uhr in der CD-Kaserne. Mindestalter ist 18 Jahre. Der DRK-Ortsverein Garßen bietet zudem einen Termin am Donnerstag, 18. August, 15 bis 19 Uhr, im Evangelischen Gemeindehaus in Garßen (Quellweg 10a) an.