Wegen Klage aus Goslar

Stadtpalais darf Weihnachtsmarkt nicht "Weihnachtswald" nennen

Weil der Name "Weihnachtswald" offiziell geschützt ist, muss Markus Wehmeier, Betreiber vom Celler Stadtpalais, nun tausende Flyer und Plakate vernichten.

  • Von Marie Nehrenberg-Leppin
  • 11. Nov. 2022 | 17:05 Uhr
  • 11. Nov. 2022
Die Flyer landen nun alle im Müll.
  • Von Marie Nehrenberg-Leppin
  • 11. Nov. 2022 | 17:05 Uhr
  • 11. Nov. 2022
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Markus Wehmeier ist fassungslos. Mehrer tausend Flyer wandern in den Müll, Plakate müssen vernichtet werden. „Das ist in diesen Zeiten doch eine Katastrophe“, findet der Stadtpalais-Betreiber.
Celle.

Als Markus Wehmeier in der vergangenen Woche seine Post durchschaute und einen Brief aus Goslar entdeckte, traf ihn fast der Schlag. "Mich erreichte eine Unterlassungserklärung", erzählt der Betreiber des Celler Stadtpalais'. "Unser Weihnachtsmarkt dürfe nicht unter dem Namen 'Weihnachtswald' laufen und ich müsse sämtliche Werbung umgehend vernichten."

"Weihnachtswald" ein geschützter Begriff

Und tatsächlich, ein Blick auf die Webseite des Deutschen Patent- und Markenamts zeigt, dass die Goslar Marketing GmbH bereits 2006 den Namen "Weihnachtswald" offiziell als Marke hat eintragen lassen. "Da wäre ich im Leben nicht drauf gekommen, dass ein solcher Alltagsbegriff geschützt ist", sagt Wehmeier. "Natürlich geht das auf meine Kappe, ich hätte mich besser informieren müssen. Aber ich habe einfach keine Sekunde darüber nachgedacht, dass ich Probleme bekommen könnte, weil ich unsere Veranstaltung mit 'Weihnachtswald' betitele."

Nutzungsverbot wegen räumlicher Nähe zu Goslar

Was auf die Zustellung der Unterlassungserklärung folgte, kann Wehmeier dagegen nicht verstehen. "Ich habe alles versucht. Ich habe Kontakt aufgenommen mit der Goslarer Marketingagentur und habe ihnen meine Situation geschildert", erzählt er. "Ich habe zunächst gefragt, ob ich die Lizenz für den Namen nachträglich erwerben kann, da ich ja keine böse Absicht verfolgt habe." Die Antwort: Normalerweise geht das, aber nicht in Celle. Die Entfernung zu Goslar sei zu gering. Ein "Celler Weihnachtswald" würde zu sehr in Konkurrenz zum Harzer Original stehen. Eine Farce für Wehmeier: "Das ist doch völliger Blödsinn. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass unser kleiner Markt am Stadtpalais irgendjemanden mit dem Plan nach Goslar zu fahren, davon abhält."

Nicht die erste Klage der Goslar Marketing GmbH

Dass es nicht das erste Mal sein dürfte, dass die Goslar Marketing GmbH eine Unterlassungserklärung rausgegeben hat, liegt auf der Hand. "Ich hab ja im Vorfeld gegoogelt und bin auf viele Weihnachtswälder in ganz Deutschland gestoßen", sagt Wehmeier. "Die müssen sie ja alle verklagt haben." Die Goslar Marketing GmbH selbst bestätigt, dass man bislang "in jeglichem Rechtsverkehr die Marke durchgesetzt hat und dabei keinerlei Probleme hatte".

"Das geht in den fünfstelligen Bereich und tut mir in der aktuellen Zeit sehr, sehr weh, gerade weil ich ja auch erst in meinem ersten Jahr bin."

Markus Wehmeier, Betreiber Stadtpalais

Keine Bereitschaft zu Kompromiss aus Goslar

Wehmeier selbst kommt sein Fehler nun teuer zu stehen. Er muss sämtliche Werbematerialien vernichten und alle anfallenden Anwaltskosten übernehmen. "Das geht in den fünfstelligen Bereich und tut mir in der aktuellen Zeit sehr, sehr weh, gerade weil ich ja auch erst in meinem ersten Jahr bin", sagt er. Auf einen Kompromiss haben sich die Goslarer nicht eingelassen. "Ich habe sie gebeten, dass ich meine Werbung dieses Jahr so lassen kann, ich hätte für die Zukunft sämtliche Verzichterklärungen unterschrieben und im Nachhinein natürlich für die Lizenz gezahlt. Meine Ansprechpartnerin war zwar sehr nett und verständnisvoll, aber auch knallhart. Recht muss Recht bleiben, meinte sie."

Aus "Weihnachtswald" wir in Celle nun Weihnachtsmarkt am Stadtpalais

Den Kopf in den Sand stecken wird Wehmeier trotzdem nicht. "Ich habe nun sehr viel Lehrgeld bezahlt, das wird mir nie wieder passieren", betont er. Aus dem Weihnachtswald wird nun der "Weihnachtsmarkt am Stadtpalais". "Mal abgesehen vom Namen bleibt alles so, wie wir es geplant haben. Am 24. November geht es los."