Vorsichtsmaßnahme

Celler Klärwerk rüstet sich für Blackout

Celle wappnet sich für den Fall der Fälle - zum Beispiel für ein Blackout-Szenario im Abwasser-Bereich.

  • Von Michael Ende
  • 15. Nov. 2022 | 18:05 Uhr
  • 16. Nov. 2022
Hier muss der Betrieb auch bei einem Stromausfall rund um die Uhr weiter gehen – sonst wird‘s problematisch: das Celler Klärwerk.
  • Von Michael Ende
  • 15. Nov. 2022 | 18:05 Uhr
  • 16. Nov. 2022
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Celle.

Was wäre, wenn es plötzlich keinen Strom mehr gäbe? Die Anschläge auf Nord Stream, Stromausfall auf der strategisch wichtigen dänischen Insel Bornholm, russische Hackerangriffe, Drohnen über Bundeswehrstandorten, Unterbrechung des Schienenverkehrs und Stromausfälle in Norddeutschland – all das zeigt, dass Deutschland noch nicht auf die veränderte Sicherheitslage eingestellt ist. "Ein Blackout ist ein realistisches Szenario", warnt der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Helmut Dedy. Träfe ein Blackout zum Beispiel das Celler Klärwerk Knall auf Fall und völlig unvorbereitet, dann wären dort die Fäkalien schlimmstenfalls auch im übertragenen Sinne am Dampfen. Um derlei Klär-Katastrophen auszuschließen, will die Stadt Celle jetzt kräftig investieren: Für 280.000 Euro sollen kurzfristig Notstromaggregate besorgt und die Treibstoffversorgung- und -bevorratung organisiert werden.

"Unangenehm, aber nicht tragisch"

Mit Blackout werde häufig der Extremfall bezeichnet, bei dem flächendeckend das Stromnetz in bestimmten Bereichen für längere Zeit zusammenbreche, so der Vorsitzende des Betriebsausschusses Stadtentwässerung, Bernd Zobel (Grüne), in einer aktuellen Ratsvorlage: "Dieses Szenario kann in einem kalten Winter, ohne Wind für die Windkraftanlagen, ohne Sonne für die Photovoltaikanlagen und bei gleichzeitiger Verwendung vieler elektrisch betriebener Heizgeräte vorkommen. Wenn regional oder lokal der Strom für ein paar Stunden ausfällt, dann ist das zwar unangenehm, aber nicht tragisch und für die Abwasserentsorgung der Stadt Celle nicht kritisch."

Gerüstet für 48 Stunden

Richtig gut stehe man im Falle eines längeren Blackouts aber auch nicht da, so Zobel. Denn im Kanalsystem, das zum Klärwerk führe, seien 52 stromabhängige Pumpwerke dafür verantwortlich, dass das Schmutzwasser auch wirklich fließe. Um einem örtlich begrenzten Stromausfall zu begegnen, stünden aktuell lediglich zwei mobile, dieselbetriebene Notstromaggregate aus dem Hochwasserschutz zur Verfügung, mit denen man auch nur zwei Pumpwerke betreiben könnte. Zusätzlich müssten Abwässer rund um die Uhr per Lkw-Pendelverkehr transportiert werden – zum Klärwerk, dessen Abwasserreinigung durch diverse elektrisch betriebene Pumpen und Aggregate gewährleistet werde, so Zobel: "Diese Pumpen und Aggregate werden durch zwei Blockheizkraftwerke, die mit Klärgas gespeist werden, angetrieben. Bei einem Stromausfall schalten sich die Blockheizkraftwerke aus und ein Diesel-Notstromaggregat springt ein." Die komplette Abwasserentsorgung könne aktuell für 48 Stunden gewährleistet werden. Danach müssten Notstromaggregate und alle Fahrzeuge betankt werden.

Stillstand wäre hier fatal: Im Belebungsbecken wird dem Abwasser Sauerstoff zugeführt

Angst vor dem Blackout

Sprit-Vorrat und neue Stromaggregate

Um hier einen Vorrat zu schaffen, will die Stadt Celle jetzt eine 30.000-Liter-Diesel-Tankstelle auf dem Gelände der Stadtentwässerung anlegen. Zusätzlich sollen zwei mobile Tankstellen zur Betankung der mobilen Notstromaggregate sowie vier zusätzliche Stromaggregate angeschafft werden. Außerdem sollen die Blockheizkraftwerke im Klärwerk so modernisiert werden, dass sie im Fall eines Blackouts problemlos weiter laufen können. 280.000 Euro, die beim Ausbau des Baugebiets "Im Tale" übrig geblieben sind, will die Stadt hier jetzt kurzfristig anlegen.

Stadt wappnet sich

Im Rathaus rüste man sich für einen Blackout, so die städtische Pressesprecherin Myriam Meißner: "Die Stadtverwaltung erreichen dazu fortlaufend Fragen aus der Bevölkerung. Katastrophenschutz ist ursächlich Aufgabe des Landkreises Celle, die Stadtverwaltung trifft dennoch die nötigen Vorkehrungen für die Celler Bürger." Welche das sind und wie Bürger selbst Vorsorge treffen können, will Oberbürgermeister Jörg Nigge am Donnerstag der Öffentlichkeit vorstellen.