Volkstrauertag in Celle

"Darüber sprechen und Solidarität zeigen"

Schüler des Ernestinum gestalteten die Gedenkfeier zum Volkstrauertag am Neuen Rathaus. Sie erinnerten an die Menschen, die aktuell in Kriegsgebieten leben.
  • Von Marie Nehrenberg-Leppin
  • 13. Nov. 2022 | 18:34 Uhr
  • 13. Nov. 2022
Vertreter aus Stadt und Landkreis legten Kränze am Ehrenmal am Neuen Rathaus nieder.
  • Von Marie Nehrenberg-Leppin
  • 13. Nov. 2022 | 18:34 Uhr
  • 13. Nov. 2022
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Celle.

Trotz nebligem, tristem Novemberwetter kamen am gestrigen Volkstrauertag rund 200 Menschen zusammen, um vor dem Ehrenmal am Neuen Rathaus in Celle an Kriegsopfer zu erinnern und ihner zu gedenken.

Schüler des Celler Ernestinum gestalten Gedenkfeier

Im Zentrum der Feier des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge stand an diesem zweiten Sonntag im November aktuelles Kriegsgeschehen in der Welt. Bereits seit einigen Jahren gestalten Celler Schüler die Gedenkfeier, dieses Mal waren Gymnasiasten vom Ernestinum an der Reihe. Die schuleigene Bläsergruppe sorgte dabei für die musikalische Untermalung.

Solidarität ist in diesen Zeiten besonders wichtig

"Ich kenne keinen Krieg, ich kenne nur Frieden. Ich musste nie fliehen, bin immer geblieben. Ich hatte nie Hunger, bin immer schon satt. Ich musste nie schießen, weil man‘s mir befohlen hat." – Mit einem Ausschnitt des Gedichts von Janina Bodi begannen die Schüler ihre Ansprache. Hinter jedem "Ich kenne keinen Krieg"-Vers, folgte eine Schilderung eines möglicherweise gleichaltrigen Ukrainers, der am eigenen Leib spüren muss, wie sich Krieg anfühlt. "Wir jungen Menschen in Deutschland kennen das Gefühl, im Krieg zu leben zum Glück nicht. Aber es geht vielen anders, auch in unserer heutigen Welt", betonten die Schüler. "Wir können nicht viel helfen, aber wir können darüber reden, immer wieder und Solidarität zeigen und an die Menschen in Krisengebieten denken."

Schüler erinnern an Menschen in Krisengebieten

Die Schüler erinnerten an verschiedene Krisengebiete auf dieser Erde: Die Menschen in Katar, die wegen einer Fußball-WM ihr Leben verloren haben und jeden Tag Menschenrechtsverletzungen erleben müssen. Die Menschen im Irak, die seit über zehn Jahren im Bürgerkrieg leben, jeden Tag in Angst und Schrecken. Die Menschen im Iran, die täglicher Unterdrückung und Verfolgung ausgesetzt sind. Und nicht zuletzt die Menschen in der Ukraine, für die seit Februar diesen Jahres nichts mehr so ist, wie zuvor. Die durch den russischen Angriffskrieg ihr Zuhause verloren haben, plötzlich mit Waffen in der Hand kämpfen müssen und fernab der Heimat ausharren, und sich um diejenigen sorgen, die nicht fliehen durften oder wollten.

Rechtsextremismus in Deutschland wieder größeres Problem

"All dieser Menschen möchten wir gedenken, aber wir sollten auch nicht vergessen, dass es auch bei uns direkt vor der Haustür immer wieder zu schlimmen Vorfällen kommt", schließen die Schüler. "Es gibt vielleicht keinen Krieg bei uns, aber es kommt beispielsweise immer öfter zu rechtsextreme Vorfälle. Allein in diesem Jahr sind 20 Menschen in Folge dessen gestorben. Und die Dunkelziffer ist vermutlich noch deutlich höher."

Vertreter von Stadt und Landkreis legen Kränze am Ehrenmal nieder

Nach den eindrucksvollen Redebeiträgen hielten zwei Schülerinnen eine Fürbitte und baten Gott um Frieden und Hoffnung. Im Anschluss legten Vertreter unter anderem von Stadt, Landkreis und Bundeswehr Kränze vor dem Ehrenmal nieder. Die Bläsergruppe stimmte danach die deutsche Nationalhymne an, eh Oberbürgermeister Jörg Nigge noch das Wort ergriff. "Es ist schön, dass so viele von Ihnen gekommen sind", sagte er abschließend.