Verkehrswende

SPD will Celles Großen Plan für Autos sperren

Wird die Celler Altstadt bald noch autofreier? Neben der "Gruppe für Nachhaltigkeit und Vielfalt" setzt sich auch die SPD im Stadtrat dafür ein. Als nächstes Ziel ins Auge gefasst hat sie den Großen Plan. Das gibt Streit im Rat.

  • Von Michael Ende
  • 19. Jan. 2023 | 16:10 Uhr
  • 19. Jan. 2023
Muss das sein? Autoverkehr auf dem Großen Plan.
  • Von Michael Ende
  • 19. Jan. 2023 | 16:10 Uhr
  • 19. Jan. 2023
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Celle.

Die Celler City nach und nach und bis 2024 komplett autofrei gestalten – das ist der große Plan, den die "Gruppe für Nachhaltigkeit und Vielfalt" (Grüne, WG, Die Partei, Die Linke, Zukunft Celle) jetzt im Celler Stadtrat angeschoben hat. Auch die SPD macht sich auf diesen Weg – und will auf dem Großen Plan damit anfangen.

"Sofort handeln"

Die Sozialdemokraten haben jetzt beantragt, die Fußgängerzone zu erweitern, indem Großer Plan und Bergstraße für den Autoverkehr gesperrt werden. "Wir sind der Meinung, dass jetzt sofort gehandelt werden muss und auch kann", so SPD-Fraktionsvorsitzender Patrick Brammer. Ob eine gänzlich autofreie Innenstadt möglich ist, sei dahingestellt. "Wir haben eine attraktive Fußgängerzone, die kurzfristig im Sinne des Klimaschutzes für die Bürger noch größer und schöner werden kann. Das erhöht auch die Sicherheit und macht den Aufenthalt in der Innenstadt angenehmer."

Sozialdemokraten wollen Autoverkehr eindämmen: (von links) Ortsbürgermeister Christoph Engelen, Fraktionsvorsitzender Patrick Brammer, Katja Hufschmidt-Bergmann und Jürgen Rentsch.

"Man muss es nur wollen"

Die Diskussion über eine Ausweitung der Fußgängerzone laufe ja schon länger, so Brammer: "Auch die Verwaltung hatte bereits Ideen vorgestellt, die in die Richtung unserer Anträge laufen." Gemeint ist hier zum Beispiel die geplante Umgestaltung des Kleinen Plans, den Stadtbaurätin Elena Kuhls zum "Grünen Plan" ohne geparkte Autos machen will." Brammer drängt zu raschem Handeln: "Die von uns vorgeschlagenen Maßnahmen sind ohne großen Aufwand und hohe Kosten sofort umsetzbar, man muss es nur wollen. Schon in den nächsten Monaten könnten sich die Celler Bürger und Besucher auf eine Innenstadt freuen, die sich von der Autoqualität zur Aufenthaltsqualität verbessert hat."

Höhere Umsätze durch weniger Autos?

Es sei nicht nur der jüngste Unfall auf dem Großen Plan, der die SPD dazu bringe, die Forderungen zu erheben, so Brammer: "Wer bei schönen Wetter zum Beispiel mal in der Schuhstraße gesessen hat, der weiß, wie lästig und unangenehm die durchfahrenden Autos sind." Die Pkw seien außerdem eine Gefahr für Radfahrer und Fußgänger. Die seitens der konservativen Ratsmehrheit immer wieder geäußerte Meinung, dass Autoverkehr die Wirtschaft ankurbele, hält Brammer für überholt: "Wir können uns nicht vorstellen, dass durch eine autofreie Schuh- oder Bergstraße die Umsätze des Handels oder der Gastronomie einbrechen. Vielmehr können diese durch die erhöhte Aufenthaltsqualität sogar gesteigert werden. Das ist bereits anderenorts so geschehen. Celle sollte da keine Ausnahme sein."

Autos nicht "vertreufeln"

"Ständiges Wiederholen von falschen Ideen macht diese nicht richtig", sagt dazu Unabhängigen-Fraktionschef Udo Hörstmann: "Die Innenstadt autofrei zu machen, ist deswegen falsch, weil ein wichtiger Punkt dabei übersehen wird: Nämlich die Menschen und die Geschäfte, die mit ihrem Handel die Innenstadt am Leben halten." Die Altstadt solle mit Leben erfüllt sein und nicht zu einem "Museum" werden: "Der Bürger soll sich in der Innenstadt treffen, wohnen und einkaufen können. Das kann ich aber nicht erreichen, indem ich das Auto verteufele."

Stetig ergießt sich ein nicht endender Fahrzeugstrom auf den Großen Plan.

"Todesstoß" für Innenstadt

AfD-Fraktionsvorsitzender Anatoli Trenkenschu wehrt sich gegen "grünen Populismus": "Auf keinen Fall wird die AfD die Forderung der Grünen und auch nicht die der SPD zum Teilsperrung der Innenstadt unterstützen. Eine autofreie Innenstadt würde für viele Geschäfte dort das Aus bedeuten und der Innenstadt den Todesstoß geben."

"Vorschläge aus der Mottenkiste"

„Wenn SPD und Grünen nichts mehr einfällt, dann holen sie immer die alten Vorschläge aus der Mottenkiste", meint Björn Espe (FDP): "Was in Berlin und Hannover längst gescheitert ist, ja sogar wieder zurückgebaut wird, das möchten sie uns nun als großartige Idee verkaufen. Und da sie sich bisher mit ihrer Ideologie gegenüber Autofahrern nicht durchsetzen konnten, soll nun der Klimaschutz als Grund herhalten, die Altstadt autofrei zu bekommen."

Intelligente Verkehrssteuerung als Ausweg?

Das rot-grüne Festhalten an "alten Ideen" sei kein Qualitätsmerkmal für eine fortschrittliche Politik, sagt CDU-Fraktionsvorsitzender Alexander Wille. Für die CDU stehe weiterhin fest, dass die Innenstadt für alle Menschen zugänglich bleiben müsse: "Wir wollen diese weiter beleben und Wohnen, Verweilen, Genießen für alle Bevölkerungsgruppen attraktiver gestalten." Der Autoverkehr lasse sich mit moderner Verkehrstechnik besser steuern: "Auf diesem Weg kann man etwa den Parkplatzsuchverkehr zielgerichtet reduzieren. Eine solche intelligente, technische Lösung erarbeitet die Stadtverwaltung gemeinsam mit den Stadtwerken. Dies muss eingebettet werden in ein Gesamtkonzept zur weiteren Attraktivierung unserer Innenstadt."