Verkaufsoffener Sonntag

So ist die Stimmung bei Celler Händlern

Dringend benötigter Umsatz-Bringer oder kein Mittel gegen die steigenden Kosten? Das sagen Celler Einzelhändler zum Verkaufsoffenen Sonntag am 25. September.

  • Von Benjamin Behrens
  • 21. Sept. 2022 | 17:49 Uhr
  • 21. Sept. 2022
  • Von Benjamin Behrens
  • 21. Sept. 2022 | 17:49 Uhr
  • 21. Sept. 2022
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Celle.

"Der Sonntag gehört der Familie und darum bietet das Programm des verkaufsoffenen Sonntags in Celle auch für jede Altersgruppe etwas!" – so vollmundig kündigt die Stadt Celle den kommenden verkaufsoffenen Sonntag am 25. September an. Das Rahmenprogramm des ersten Celler Street und Art Festivals lässt die Shoppingtour endgültig verführerisch klingen: Walking Acts in den Gassen, rockige Live-Musik, Laser-Kunst, Leckereien vom Foodtruck und mehr. Man könnte meinen, wer da nicht mit zwei vollen Einkaufstüten im siebten Himmel schwebt, dem ist eh nicht zu helfen. Viel Aufwand, viel guter Wille, viel Einsatz – doch schweben auch Celles Einzelhändler auf Shopping-Wolke sieben?

 

"Ich hab gar keine Vorfreude. Wir hatten zwar schon länger keinen verkaufsoffenen Sonntag, aber ich glaube, es wird eine große Flaute sein."

Dimitri Gubenko, Geschäftsführer der Celler Intersportfiliale

Keine Vorfreude auf den Shopping-Sonntag

"Ich hab gar keine Vorfreude. Wir hatten zwar schon länger keinen verkaufsoffenen Sonntag, aber ich glaube, es wird eine große Flaute sein", befürchtet Dimitri Gubenko, Geschäftsführer der Celler Intersportfiliale. "Natürlich beteiligen wir uns daran, aber ich vermute, es wird nicht so gut sein", so Gubenko. Die Gründe sind für ihn klar: "Schauen sie sich doch nur einmal um. Die Leute haben Angst, die Heizung anzumachen. Da glaube ich nicht, dass jemand sagt: 'Für den Sonntag gebe ich noch 100 Euro mehr aus.'"

Verkaufsoffener Sonntag verschiebt Umsatz nur

Die Sonderöffnung bedeute lediglich eine Verschiebung des Umsatzes, keine Steigerung. "Es wird am Samstag nichts los sein, dafür am Sonntag ein bisschen, Montag wird tote Hose sein. Ich hoffe, es ist gut, aber ich befürchte nicht, dass es der Brüller wird." Auch das Rahmenprogramm passe nicht immer, etwa mit für den am 6. November geplanten Tag der Sicherheit. "Ich glaube nicht, dass es zieht. Wenn dann noch früher zugemacht wird, hat der Kunde auch keinen Anreiz. Wenn, dann müssen alle an einem Strang ziehen", bekräftigt Gubenko.

"Ich bin mir noch nicht ganz sicher, muss ich ehrlich gestehen. Wir haben sehr gemischte Erfahrungen gemacht mit den verkaufsoffenen Sonntagen. Es ist schön, wenn gleichzeitig ein attraktives Programm in der Stadt ist, dann kommen auch Menschen. Das muss man anerkennen, dass sich die Stadt da engagiert."

Stefan Jakubik, Inhaber der Buchhandlung Sternkopf und Hübel

Verhalten optimistisch und mit Lob für Stadt

Stefan Jakubik, Inhaber der Buchhandlung Sternkopf und Hübel ist auch eher skeptisch. "Ich bin mir noch nicht ganz sicher, muss ich ehrlich gestehen. Wir haben sehr gemischte Erfahrungen gemacht mit den verkaufsoffenen Sonntagen. Es ist schön, wenn gleichzeitig ein attraktives Programm in der Stadt ist, dann kommen auch Menschen. Das muss man anerkennen, dass sich die Stadt da engagiert", so Jakubik. "Man muss es genau abwägen. Wir haben ja auch Personal- und andere -kosten. Das hat sich nicht immer gelohnt. Das ist keine jüngere Entwicklung, sondern generell so", erläutert der Buchhändler. "Ich werde das alleine machen, das funktioniert nur unter konsequenter Selbstausbeutung. Ich bin vorsichtig optimistisch, dass es sich lohnt", sagt Jakubik.

Kaufverhalten wird vorsichtiger

Das Kaufverhalten sei vorsichtiger geworden. "Ich merke immer dann eine Änderung, wenn auf der CZ-Titelseite steht: 'Gasrechnung steigt stärker als erwartet', dann merke ich sofort einen Rückgang. Die Kunden gucken sehr genau auf den Euro."

"Ich bin guter Hoffnung"

Petra Kriegerowski vom Spirituosen- und Feinkostgeschäft "Zapfhahn" ist optimistischer. "Ich hoffe, das es ganz gut ist, es gab ja länger keinen verkaufsoffenen Sonntag. Im Moment ist ja die Lage bei den Coronauflagen entspannter. Ich ganz guter Hoffnung", sagt Kriegerowski.

Zu viele verkaufsoffene Sonntage entwerten den Tag

Frederik Neumann, Inhaber des Bekleidungsgeschäfts "Herrenzimmer" ist eher verhalten. "Ich denke ich werde mitmachen, meine Nachbarschaft macht mit, dann bin ich so ein bisschen gezwungen. Es ist eher ein Umsatz-Verschieben", so Neumann. "Ich finde, es sind deutlich zu viele verkaufsoffene Sonntage. Ich bin da so ein bisschen alte Schule: Der Sonntag ist eigentlich nicht zum Einkaufen gedacht.

Die Organisation finde ich mittelmäßig, aber da sind die Händler im Kontakt mit der Stadt." Durch die Häufigkeit werde die Sonderöffnung entwertet, auch das Rahmenprogramm passe nicht immer. "Man merkt auch auf jeden Fall, die Zurückhaltung bei den Kunden. Früher hat man eine Jacke dann einfach mitgenommen, heute wird da öfter mal eine Nacht drüber geschlafen."