Unterstützung für Engelen

Ministerin will Fokus auf Sozialwohnungen legen

Der Landtagswahlkampf nimmt Fahrt auf: Am Freitag war Bauministerin Klara Geywitz in Celle. Es ging ums Klima und Sozialwohnungen. Und um die Strabs.
  • Von Simon Ziegler
  • 13. Aug. 2022 | 14:06 Uhr
  • 13. Aug. 2022
  • Von Simon Ziegler
  • 13. Aug. 2022 | 14:06 Uhr
  • 13. Aug. 2022
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Celle.

Themen gibt es für Klara Geywitz (SPD) genug: Zum Beispiel weniger CO2-Ausstoß beim Bauen, die Klimakrise in den Innenstädten, Förderprogramme für mehr Solarkraft auf den Dächern. Am Freitagabend war die Bundesbauministerin in Celle. Vor rund 25 Interessierten sprach sie auf der Terrasse des Strandhauses über die großen Fragen rund ums Wohnen und Bauen.

In Niedersachsen nimmt der Wahlkampf allmählich Fahrt auf. Knapp zwei Monate vor der Wahl gibt es die ersten Podiumsdiskussionen, die Kandidaten bringen sich in Stellung. Die Potsdamerin Geywitz, die vor drei Jahren mit dem heutigen Kanzler Olaf Scholz Parteivorsitzende werden wollte, kam auf Einladung von Christoph Engelen an die Aller. Der SPD-Ortsvereinsvorsitzende will am 9. Oktober das Direktmandat im Wahlkreis Celle-Hambühren-Wietze gewinnen. Da kommt der Besuch einer Ministerin aus Berlin gerade recht.

Pläne auf der Allerinsel

"Hier haben wir viel vor", erklärte Engelen seinem Gast. "Auf der Allerinsel soll ein ganz neues Stadtquartier entstehen", sagte der Celler Sozialdemokrat, ehe er die alten SPD-Evergreens in den Vordergrund schob. Er freue sich, dass auf der Allerinsel mehr Sozialwohnungen gebaut würden als gesetzlich vorgeschrieben. "Auch eine Kita und eine neue Jugendherberge sollen hier entstehen."

Geywitz, die mit Celle bisher wenig zu tun hatte, erinnerte daran, dass es bis zu ihrem Vorgänger Horst Seehofer seit 1998 im Bund überhaupt keinen Bauminister mehr gab. "Man war der Meinung, Bauen hat sich erledigt. Auch beim sozialen Wohnungsbau dachte man, das brauchen wir nicht mehr", sagte sie. Doch man habe die Rechnung ohne den demografischen Wandel gemacht. "Jetzt gibt es unglaublich viel Druck, mehr zu bauen."

Fokus auf sozialen Wohnraum legen

Die Probleme sind gleichwohl unübersehbar. Kam die Baubranche noch gut durch die Coronakrise, weil die Auftragslage stabil war, haben sich die Vorzeichen deutlich geändert. Die Inflation und die Zinsen steigen, Bauen wird immer teurer. Dazu kommt der enorme Fachkräftemangel. "Unser Ministerium hat ein Bündnis für soziales Bauen geschaffen", sagte die Ministerin. "Es ist wichtig, den Fokus auf sozialen Wohnraum zu legen. Wir hatten mal drei Millionen Sozialwohnungen in Deutschland. Jetzt haben wir noch eine Million."

Ministerin kündigt viel an

Überhaupt kündigte Geywitz viel an. "Wir haben eine große Wohngeldreform vor", sagte sie zum Beispiel. Auch eine Novelle des Baugesetzes sei in Planung. "Und wir machen einen Aktionsplan zur Bekämpfung der Obdachlosigkeit."

Den Gästen, darunter mehrere Kommunalpolitiker der SPD sowie Celler Geschäftsleute, ging es besonders um die Folgen der Klimakrise. "Welche Programme zur Förderung von Solaranlagen habt Ihr auf dem Zettel? Schließlich kann sich nicht jeder ein Windrad in den Garten stellen", wollte Kreistagsfraktionschefin Angela Hohmann wissen. Ob sie "Balkonkraftwerke", also Mini-Solaranlagen für Mieter und Eigentümer empfehle, wollte Geywitz im CZ-Gespräch nicht pauschal beantworten. Das müsse vor Ort im Gespräch mit Energieberatern geklärt werden.

Siemsglüß spricht Klartext

Schließlich kam aus den Reihen der Zuhörer noch der Klassiker der Straßenausbaubeiträge auf den Tisch. "Diese schöne Debatte überlasse ich dem Landtagswahlkampf", sagte Geywitz mit einem Lächeln. "Den Ball wollte ich jetzt gar nicht haben", erwiderte Engelen. Ros-Marie Siemsglüß, SPD-Kandidatin im Wahlkreis Bergen, sprach Klartext: "Die Straßen werden von allen genutzt. Also müssen sie auch von der Allgemeinheit finanziert werden."