Trotz Personalmangel

Stadt Celle baut Kitas weiter aus

Die Fachkräfte sind rar, dennoch hält die Stadt Celle an ihren Plänen zum Ausbau der Kita-Plätze fest.

  • Von Gunther Meinrenken
  • 24. Nov. 2022 | 18:05 Uhr
  • 25. Nov. 2022
Die Stadt Celle will noch mehr Kita-Plätze schaffen, um dem Fachkräftemangel zu begegnen, setzt das Neue Rathaus nun auf finanzielle Anreize.
  • Von Gunther Meinrenken
  • 24. Nov. 2022 | 18:05 Uhr
  • 25. Nov. 2022
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Celle.

Der Personalmangel in den Kitas im Landkreis Celle wird immer gravierender. Das zeigen die aktuellen Betreuungsprobleme in Hambühren und Winsen. Die Stadt hält ungeachtet dieser Situation an ihren Ausbauplänen für Kitas fest. Bis Ende März werden 185 neue Plätze geschaffen, weitere Einrichtungen sollen folgen.

Kita-Plätze sind Standortfaktor

„Ausreichend Kita-Plätze vorzuhalten und zu schaffen, das ist heutzutage ein absolutes Alleinstellungsmerkmal. Mit unserer vor fünf Jahren gestarteten Kita-Offensive sind wir da sehr, sehr gut aufgestellt und werden es mit den Neubauten und Erweiterungen künftig noch mehr sein“, betont Oberbürgermeister Jörg Nigge, der dabei an wirtschaftliche Standortvorteile wie Personalgewinnung denkt. "Für Mitarbeiter wird es immer wichtiger, ob es sich in ihrem Arbeitsumfeld angenehm leben lässt und dazu gehört eben auch eine komfortable Kita-Ausstattung", sagt Nigge.

"Ausreichend Kita-Plätze vorzuhalten und zu schaffen, das ist heutzutage ein absolutes Alleinstellungsmerkmal."

Jörg Nigge, Oberbürgermeister

Allerland baut zwei Kitas in Celle

Aktuell steht die Fertigstellung der Kitas "Im Tale" und in Altenhagen kurz bevor. Beide werden von der Allerland mit Gründächern, Photovoltaikanlagen und Batteriespeicher sowie Luft-Wärmepumpen nach KfW-55-Standard gebaut. Damit sind die Gebäude völlig unabhängig von fossilen Brennstoffen.

8 Millionen Euro Investitionen

Die Investitionskosten betragen 4,55 Millionen Euro für "Im Tale" und 3,4 Millionen Euro für Altenhagen. Die Kita im Neubaugebiet in Groß Hehlen soll Mitte Januar starten, betrieben wird sie von der AWO. Die Eröffnung der Kita Altenhagen ist für Mitte/Ende Februar geplant. Zudem erhält die Kita Neustädter Holz bis Ende März 2023 einen Anbau mit 40 weiteren Plätzen für je eine Krippen- und eine Kitagruppe.

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Weitere Kitas in Planung

Doch damit soll noch lange nicht Schluss sein. "Wir haben wieder mehr Kinder in Celle und die Eltern geben ihren Nachwuchs immer früher in die Betreuung", sagte Stefan Nerreter, Fachbereichsleiter Bildung und Kultur, im jüngsten Ausschuss für Schule, Kinder und Jugend. Zum Stichtag 1. August, hätten in Celle 340 Kita-Plätze gefehlt, die Tagespflege sei dabei nicht eingerechnet. Mit den 185 neuen Plätzen "werden wir tatsächlich alle Kita-Wünsche erfüllen können. Wir liegen deutlich besser als andere Kommunen", so Nerreter. Der Ausbau werde konsequent fortgeführt. Weitere Kitas sollen auf der Allerinsel, der Neustadt und im Bereich Klein Hehlen/Boye entstehen.

Kritik im Ausschuss

Im Ausschuss blieben die weiteren Ausbaupläne nicht unwidersprochen. "Wir haben Personalmangel, es fehlen Vertretungskräfte. Wie kann man denn da planen, neue Kitas zu bauen?", fragte ein Ausschussmitglied. Die zuständige Dezernentin Susanne McDowell hielt dagegen: "Sollen wir deswegen darauf verzichten, neue Kitas zu bauen? Das kann es nicht sein."

"Die praktische Ausbildung soll in Voll- oder Teilzeit in unseren Kindertagesstätten stattfinden, für den schulischen Teil würde eine vergütete Freistellung erfolgen."

Christoph Schlote, Fachdienstleiter Kinderbetreuung

Personalsuche nicht einfach

Die Personalsuche für die neuen Einrichtungen ist längst angelaufen. Eine Leiterin für die Kita in Altenhagen sei bereits gefunden worden. Die anderen freien Stellen seien noch nicht alle besetzt worden. "Wir haben die Ausschreibung verlängert. Wir haben Bewerbungen und bekommen auch neue Bewerbungen", sagt Christoph Schlote, Fachdienstleiter Kinderbetreuung. Bewerben würden sich zum Beispiel Fachkräfte, die wechseln wollten oder bisher bei Personalausfällen unterstützt haben.

Stadt Celle setzt finanzielle Anreize

Mit einem neuen Modell möchte die Stadt den Beruf attraktiver machen. Das Problem: Die Ausbildung ist schulisch, die künftigen Fachkräfte müssen sie selbst bezahlen. Jetzt will das Neue Rathaus finanzielle Anreize für künftige sozialpädagogische Assistentinnen und Erzieherinnen setzen. Schlote: "Die praktische Ausbildung soll in Voll- oder Teilzeit in unseren Kindertagesstätten stattfinden, für den schulischen Teil würde eine vergütete Freistellung erfolgen." Damit sollen Interessentinnen angesprochen werden, die sich bereits im Berufsleben befinden und sich zu einem sozialen Beruf umorientieren wollen. "Die Weiterqualifizierung zur Erzieherin ist im Anschluss ebenfalls berufsbegleitend bei der Stadt Celle möglich", erklärt Schlote.