Stadt muss sparen

Harte Zeiten für Celler Warmduscher

Schwimmbad-Teilschließung, kaltes Wasser aus dem Hahn, Lichtkunst ausgeschaltet: Die Stadt Celle setzt ihren Spar-Kurs fort.

  • Von Michael Ende
  • 19. Aug. 2022 | 15:30 Uhr
  • 19. Aug. 2022
  • Von Michael Ende
  • 19. Aug. 2022 | 15:30 Uhr
  • 19. Aug. 2022
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Celle.

Im Zuge der Energiekrise und des damit verbundenen Sparzwangs müssen sich auch die Celler auf weitere spürbare Einschränkungen einstellen. Im Rathaus hat der "Runde Tisch Energie" getagt. „Mit den Maßnahmen, die wir gestern diskutiert haben, ist die Krise neben den bisherigen privaten Einschränkungen nun leider direkt im Stadtbild und damit bei der Lebensqualität der Celler Bürger angekommen. Das war nie das Ziel von Verwaltung und Politik, erscheint nun aber unumgänglich", so Oberbürgermeister Jörg Nigge (CDU). Beschlossen wurde unter anderem eine Teilschließung des Badelandes und dass die Lichtkunst ausgeknipst wird.

"Politikversagen auf ganzer Linie"

Nigge ist frustriert und teilt in Richtung Bundespolitik aus: "Dies desillusioniert mich und macht mich umso wütender, da die jetzt aufkommenden Härten für die Celler Bevölkerung auf strategische Fehler der Vorgängerregierung zurückzuführen sind, aber auch auf die ideologiebehaftete Haltung der jetzigen Regierung. Jahrelanges Politikversagen auf ganzer Linie hat nun die Celler Stadtgesellschaft auszubaden.“

Badeland-Teilschließung

"Alles was Spaß macht, wird geschlossen" – so fasst Stadtbaurätin Elena Kuhls die Einschnitte beim Badeland zusammen, die ab dem 1. Oktober greifen sollen. Im Rahmen einer Teilschließung sollen dann innen lediglich das Schwimmerbecken und Lehrschwimmbecken geöffnet bleiben. Einsparung: 3.500.000 Kilowattstunden Gas im Zeitraum September bis März. Das sind 30 Prozent des jährlichen Gasverbrauchs des Badelands und das entspricht 12 Prozent des gesamtstädtischen Gasverbrauchs. "Damit Kinder, die während der Pandemie ohnehin viel zu viel gelitten haben, wenigstens Schwimmen lernen können", so Nigge. Ein Teil der Sauna, die ohnehin mit dem Strom beheizt werde, der aus den Blockheizkraftwerken komme, solle weiter betrieben werden: "Im Sommer gibt es sonst keinen weiteren Hallenbetrieb." Der Freibadbetrieb an der 77er Straße solle von Mai bis August laufen – unbeheizt. Einsparung: 2.480.000 Kilowattstunden Gas oder 24 Prozent des jährlichen Badeland-Verbrauchs. Das entspricht 10 Prozent des gesamtstädtischen Gasverbrauchs.

Westercelle bleibt warm

Celler, die in einem beheizten Becken ihre Runden drehen wollten, müssten sich nach Westercelle wenden, so Nigge: "Dort wird der beheizte Freibadbetrieb beibehalten." Der bisherige Einsatz von Solarthermie-Absorbern solle in den nächsten Jahren in Verbindung mit Geothermie, Wärmepumpen und Photovoltaik weiter so ausgebaut werden, dass das Westerceller Bad am Ende energieautark sein werde.

Kalte Dusche

Der Runde Tisch habe sich für ein generelles Abschalten der Warmwasserbereitung in städtischen Sporthallen ausgesprochen, so Nigge. Künftig werde dort kalt geduscht: "Ich gehe davon aus, dass das zu verkraften ist."

Licht aus

Ein kultureller Stromfresser solle abgeschaltet werden, so Nigge. Gemeint ist das Lichtkunstmuseum, das bei seiner Gründung als "Erstes 24-Stunden-Kunstmuseum der Welt" Schlagzeilen machte. Ein großspuriger Werbegag, denn das Museum ist nicht etwa rund um die Uhr geöffnet – lediglich ein paar Exponate leuchten nachts auf menschenleere Straßen. "Die Lichtkunst-Exponate im Kunstmuseum mit der Sammlung Robert Simon werden abgeschaltet. Das Museum bleibt aber geöffnet", so Nigge. Er sei dazu "wild entschlossen": "Das ist mit der Politik vorabgestimmt und muss noch gemeinsam mit den zu beteiligenden Stiftungen besprochen werden: Ich gehe aber davon aus, dass das so kommt." Einsparung: 210.000 Kilowattstunden Strom. Das entspricht 7 bis 8 Prozent des jährlichen Stromverbrauchs aller städtischen Gebäude.

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Tunnel weniger bunt

Ebenfalls mit den Stiftungen abgesprochen werden solle noch das Abschalten der farbigen Beleuchtung der Bahnhofsunterführung, so Nigge: "Es gibt eine weitere Beleuchtung zur Verkehrssicherung – die muss reichen."

Es geht weiter

Nigge sagte, er würde gerne politische Sitzungen lieber bei Tageslicht durchführen, doch das sei am Widerstand der Politik gescheitert. "Nachvollziehbar" nennt er das: "Die Ratsleute müssen ja auch arbeiten." Nachgedacht werde auch über einen "Härtefall-Fonds" für bedürftige Celler: "Da wird was kommen."

Lob von den Grünen

"Der Energietisch, der auch hinreichend Raum für Diskussionen bot, war sehr konstruktiv mit gutem Ergebnissen, die kurzfristig realisiert werden können", so Grünen-Fraktionsvorsitzender Stephan Ohl: "Natürlich ist allen bewusst, dass das punktuelle Schließen von Einrichtungen oder das Reduzieren von Angeboten nur kurzfristig helfen und dass es jetzt Konzepte geben muss, die auch langfristig Energie einsparen und vor allem Unabhängigkeit erzielen müssen. Für mittel- und langfristige Maßnahmen, hin zu einer wirklichen Energie- und vor allem Wärmewende in der Stadt bedarf es eines breiten politischen Willens, den wir nun versuchen zu forcieren und wo wir Grüne uns weiterhin aktiv mit Ideen einbringen."