Stadt ist längst aktiv

Celler Klimaschutz hat schon begonnen

Viel zu schwarz ist nach Ansicht der Stadt Celle das Bild, das die Grünen vom Klimaschutz in der Stadt zeichnen.

  • Von Michael Ende
  • 17. Aug. 2022 | 07:00 Uhr
  • 18. Aug. 2022
  • Von Michael Ende
  • 17. Aug. 2022 | 07:00 Uhr
  • 18. Aug. 2022
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Celle.

„Völlig ambitionslos, ohne Ziele, konzeptionslos und ohne Interesse an praktischem Klimaschutz“ – dieses schlechte Zeugnis, das Grünen-Ratsfraktionsvorsitzende Johanna Thomsen wenige Tage vor dem „Runden Tisch Energie“ am 18. August im Rathaus über Oberbürgermeister Jörg Nigges (CDU) Klimapolitik abgegeben hat, möchte die Stadtverwaltung nicht so im Raum stehen lassen.

Vielzahl an Maßnahmen in die Wege geleitet

Als Neuling im Rat wisse Thomsen vielleicht nicht, was die Stadtverwaltung bislang aktiv getan habe, so Pressesprecherin Myriam Meißner: „Als Reaktion auf die drohende Mangellage haben wir als Stadt selbstverständlich bereits eine Vielzahl an Maßnahmen in die Wege geleitet oder sogar umgesetzt. Es ist etwas verwunderlich, dass ein Ratsmitglied zwar weiß, was in Regensburg passiert, sich vor Äußerungen jedoch nicht über den Sachstand in der eigenen Heimatstadt informiert“, sagt Meißner: „Beim Badeland sparen wir beispielsweise nicht nur durch die bereits begonnene energetische Sanierung, sondern auch durch Absenkung der Wassertemperatur um 1,5 bis 2 Grad, Gas von mehreren hunderttausend Kilowattstunden pro Jahr ein.“

Bauen ohne fossile Energieträger

Auch bei der Wohnungsbaugesellschaft sei Celle „weit vorne dabei“, was Klima- und Umweltschutz anbelange. So unter anderem im „Thaers Quartier“ in der Wittinger Straße, wo neben der Holz-Hybrid-Bauweise und begrünten Dächern auch Geothermie und Photovoltaik zum Einsatz kämen und damit einen Standard für die Zukunft setzten.“ Celle Baugebiet würden künftig ohne fossile Energieträger ausgewiesen. Städtische Neubauten und Sanierungen würden seit längerem bereits so nachhaltig und energieautark wie möglich umgesetzt. „Energieautarkie aller städtischen Gebäude - so lautet die Marschrichtung für die Verwaltung. Das wird natürlich kein Sprint, sondern ganz sicher ein Langstreckenlauf“, sagt Meißner. „Wir wollen langfristig nach und nach alle bestehenden städtischen Gebäude nachhaltig aufstellen und möglichst auf fossile Energieträger verzichten. Bei Neubauten wird ohnehin auf nachhaltige Versorgung gesetzt.“

Wassersparen und LED

Im Neuen und Alten Rathaus, dem Jugend- und Sozialamt, in der Stadtbibliothek und den Museen werde Klima- und Umweltschutz großgeschrieben, so Meißner: „In den Sanitärräumen wird auf warmes Wasser verzichtet, wassersparende Armaturen und Bewegungsmelder, die die Beleuchtung auf das Mindestmaß reduzieren, sind an der Tagesordnung beziehungsweise werden derzeit schrittweise umgesetzt. Zudem wird sukzessive auf LED-Beleuchtung umgerüstet.“

"Festbeleuchtung" wird reduziert

Vor geraumer Zeit sei auf Initiative der Verwaltung beschlossen worden, die Straßenbeleuchtung komplett innerhalb der nächsten zwei Jahre auf LED umzurüsten und damit Strom im siebenstelligen Bereich von rund 2.780.000 Kilowattstunden pro Jahr einzusparen. Auch die Außenbeleuchtung städtischer Gebäude wurde oder werde derzeit auf ein Minimum reduziert. „Ebenso ist angedacht, die Einschaltzeiten der Straßenbeleuchtung zu verringern und damit mehrere hunderttausend Kilowattstunden einzusparen“, so Meißner. In Neubaugebieten und beispielsweise im Westerceller Gewerbegebiet „Auf der Grafft“ sei LED-Technik schon an der Tagesordnung.

Die meisten Ampeln werden nachts abgeschaltet

Nachts, wenn alles schläft, legen auch Celles Ampelanlagen Nachtruhe ein. „Von mehreren hundert Ampeln im Stadtgebiet, die in den vergangenen Jahren ohnehin nach und nach auf LED-Technik umgestellt wurden, waren bislang bereits rund zwei Drittel nachts abgeschaltet“, so Meißner. Nach Prüfung der Verkehrssicherheit mit der Polizei kämen ab sofort weitere hinzu, so dass bis auf 20 Anlagen alle anderen werktags von 20.30 Uhr bis 5.30 Uhr und sonntags von 20.30 Uhr bis 8.30 Uhr dunkel blieben: „An wichtigen Verkehrsknoten – wie zum Beispiel an der Hannoverschen Straße/Wilhelm-Heinichen-Ring – bleiben die Ampeln selbstverständlich in Betrieb.“

Was schlagen die Grünen vor?

Möglichkeiten der Einsparung sollten nun möglichst einvernehmlich am „Runden Tisch Energie“ besprochen werden sollen. In der Einladung an die Fraktionen habe die Verwaltung explizit Vorschläge zu möglichen Einsparungen erbeten. „Bislang haben uns zwar einige Vorschläge erreicht, jedoch keine von Frau Thomsen“, wundert sich Meißner.

Säcke gegen kalte Füße?

Unterdessen hat CZ-Leserin Annelene Korte einen Vorschlag, der Verwaltungsmitarbeitern die Arbeit in künftig weniger beheizten Räumen erträglicher machen und kalten Füßen vorbeugen soll: „Ich sehe schon das spöttische Grinsen, wenn ich jetzt vorschlage, dass auf Fußsäcke und erwärmte Getreidekissen zurückgegriffen werden kann, die super wirksam sind", sagt sie. "Hier könnte man einen Wettbewerb starten, in dem ein schickes und einfach zu benutzendes Utensil entworfen wird. In Zusammenarbeit mit Nähwerkstätten und Initiativen könnte es produziert werden.“