So berichteten wir damals

Grauenvolle Bluttat vor dem Richter

Ein Celler auf den Spuren von Fritz Haarmann? So berichtete die CZ am 14. Februar 1950 über den Gerichtprozess um das mörderische Trio.
  • Von Cellesche Zeitung
  • 29. Juli 2022 | 10:15 Uhr
  • 01. Aug. 2022
  • Von Cellesche Zeitung
  • 29. Juli 2022 | 10:15 Uhr
  • 01. Aug. 2022
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Celle.

Trotz des regnerischen Wetters standen am Montagmorgen über 100 Menschen vor dem Gebäude der Landwirtschaftsschule in der Hannoverschen Straße und
warteten auf Einlaß, um der Schwurgerichtsverhandlung gegen den „Konserven-Meyer und seine beiden Komplicen beizuwohnen. Leider war es aus Raummangel nur wenigen vergönnt, dem Verlauf des sensationellen Prozesses im Gerichtssaal zu folgen.

Opfer in Hinterhalt gelockt und ermordet

Angeklagt sind der als „Konserven-Meyer bekannte Heinrich Meyer aus Celle, der Hamburger Seemann Günther K. und seine ehemalige Braut Hertha T.. Von der
Anklagevertretung wird ihnen zur Last gelegt, den Bauführer Josef Mack im November 1945 vorsätzlich in den Hinterhalt gelockt, ihn überfallen, ausgeraubt und getötet zu haben.

Er ist kein „unbeschriebenes Blatt“

Zu Beginn der Verhandlung machte Heinrich Meyer in seiner braungefärbten Uniformjacke einen äußerst frischen Eindruck und erweckte durch sein mehrfaches Lächeln absolut nicht den Anschein, an diesem Prozeß maßgeblich beteiligt zu sein. Als er vorn Vorsitzenden, Landesgerichtsdirektor Dr. Hengsberger, der die Verhandlung mit viel Umsicht leitet, vernommen wird, antwortet er stockend und mit leiser Stimme. Er erzählte in Stichworten seinen Lebenslauf. Bis zum 14. Lebensjahr besuchte er die Hilfsschule und war bis Ausbruch des Krieges als Laufjunge und Hilfsarbeiter tätig. Während des Krieges ist er Soldat gewesen. Aber gleich nach dem Zusammenbruch kam er mit dem Gesetz in Konflikt. Unter anderem stahl er von einem verunglückten Auto vier Reifen, unterschlug ein Postpaket und war dann in einen Benzindiebstahl und eine Abtreibungssache verwickelt. Für diese Straftaten ging er dreimal ins Gefängnis.

Günther K. wegen Fahnenflucht im Gefägnis

Günther K., der einen weit intelligenteren Eindruck als sein mitangeklagter
Kumpan erweckte, erzählte über sein Leben sachlich und klar. K., der bei der Handelsmarine zur See fuhr, hatte, bis auf einige Wochen Gefängnis wegen Fahnenflucht, keine Vorstrafen. In seinem dunklen Anzug machte er während der Verhandlung einen recht niedergeschlagenen Eindruck, und an seinem blassen Gesicht konnte man es sehen, daß ihm die Angelegenheit ziemlich nahe ging.

Wegen Schwachsinns sterilisiert

Seine ehemalige Braut Hertha T., der Prototyp einer Prostituierten, wirkte während
der Vernehmung zerfahren. Auf die Fragen des Vorsitzenden gab sie nur zögernd und zum Teil unverständliche und unzutreffende Antworten. Auch sie hat schon des öfteren Bekanntschaft mit dem Gericht gemacht. Wegen gewerbsmäßiger Unzucht, Abtreibung und wegen Meineids saß sie hinter „schwedischen Gardinen“. Wegen angeblichen Schwachsinns ist sie sterilisiert worden. „Ich empfinde aber nicht, daß ich schwachsinnig bin“, erklärte sie auf Befragen des Vorsitzenden.

Trio soll plötzlich 45.000 Reichsmark gehabt haben

Else Meyer, die Frau des Heinrich Meyer, hatte in mehreren Vernehmungen, die sie im
Laufe der Jahre teils wiederholte, teils widerrief, ausgesagt, daß ihr Mann, K. und die
T. an jenem Abend, als Mack verschwunden sei, zusammen mit Mack aus dem
Hause gegangen seien, angeblich um ein Bombengeschäft zu machen. Später seien die drei wiedergekommen und hätten 45 000 RM aus den Taschen gezogen, die sie sich zu dritt teilten.

„Die Luft abgelassen“

Ferner seien mehrere hundert Lebensmittel-karten untereinander verteilt worden. K. soll dabei geäußert haben: „Jetzt haben wir dem aber eins ausgewischt, das hat sich gelohnt“. Auf Befragen hätte die T. gesagt, daß sie Mack mit einem Knüppel niedergeschlagen und ihm „die Luft abgelassen“ hätten. In der Verhandlung am Montag wollte die Angeklagte nichts mehr von diesen Geständnissen wissen, obwohl sie in verschiedenen abgefangenen Kassibern die gleichen Aussagen bestätigte.

Leiche des ermordeten in Dosen verarbeitet

Einen eindrucksvollen Einblick in die häuslichen Verhältnisse gab die Angeklagte Meyer,
als sie von dem Schwarzschlachtungsbetrieb im elterlichen Hause erzählte. Groß- und Kleinvieh wurde laufend schwarzgeschlachtet und im Hause auch in Dosen konserviert. Allerdings seien die Konservendosen nur für den eigenen Gebrauch bestimmt gewesen. Diese Aussagen sind von nicht untergeordneter Bedeutung, da der Hauptangeklagte Meyer bereits gestanden haben soll, er habe die Leiche des ermordeten Mack in Dosen konserviert.

Der Text ist am 14. Februar 1950 im Original in der Celleschen Zeitung erschienen. Wir haben lediglich die gefetteten Zwischenzeilen hinzugefügt. 

Von cz