So berichteten wir damals

Acht Jahre Zuchthaus für Meyer

Ein Celler auf den Spuren von Fritz Haarmann? So berichtete die CZ am 18. Februar 1950 über die Urteilverkündung im Fall "Konserven-Meyer".
  • Von Cellesche Zeitung
  • 29. Juli 2022 | 09:50 Uhr
  • 01. Aug. 2022
  • Von Cellesche Zeitung
  • 29. Juli 2022 | 09:50 Uhr
  • 01. Aug. 2022
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Celle.

Die Verteidiger der Angeklagten plädierten sämtlich auf Freispruch. In sehr eingehenden Ausführungen betonten die Rechtsanwälte Götze, Hennecke und Romberg, daß es keinerlei Beweise für einen Mord gebe.

Leiche von Josef Maack nicht gefunden

Der Feuereifer der vernehmenden Kriminalbeamten, die gewillt waren, ein Kriminalverbrechen zu klären, habe nicht immer zwischen Aussagen und Vorhalten unterschieden. Dadurch sei ein Aktstück entstanden, das eine gewisse suggestive Wirkung habe, aber keinerlei Beweise darstelle. Es gebe eine Menge von Unrichtigkeiten: weder der Ort, noch das Datum, noch ein Tatmotiv, noch die Verwertung
der Beute stimme, und vor allem fehle jeder Hinweis über den Verbleib der Leiche des Bauführers Maack. Die Angeklagten hätten sicher alle mehrfach gelogen. Diese erlogenen Geständnisse oder Widerrufe konnten aber nicht als Beweise gelten.

Keine Rückschlüsse aus Vorstrafen ziehen

Das Gericht müsse sich die Praxis der englischen Rechtsprechung zu eigen machen für die von vornherein nur der Mensch, ob vorbestraft oder nicht, zähle. Es durften keine Rückschlüsse aus Vorstrafen aus einer turbulenten Zeit gezogen werden. Außerdem dürfe auf die vielleicht nicht ganz „standesgemäße Arbeit des Angeklagten K. keine Schlüsse gezogen werden, der eine Zeitlang als Trimmer zur See fuhr, trotzdem er aus „besseren Kreisen stamme. Die Verteidiger hielten den Geschworenen sehr eindringlich vor, nur nach den Tatsachen zu gehen, und nicht nach unkontrollierbaren Eindrücken und Werturteilen.

Nicht auf Gefängnisklatsch hören

Die Geschworenen dürften keinesfalls ihr Gewissen mit einem Schuldspruch in einer Sache belasten, die durch Gefängnisklatsch ausgelost sei. Man solle lieber zehn laufen lassen, ehe man einen unschuldig verurteile, Maack könne immer noch wieder kommen. Für das Verschwinden Maacks ließen sich viele Erklärungen finden, die genau so stark oder genau so wenig nur auf Vermutungen beruhten, wie die aktenmäßigen Beweise für die Anklage.

Zuchthaus-Strafe für Heinrich Meyer, Günther K. und Hertha T.

Nach einer Erwiderung des Staatsanwaltes und letzten Worten der Verteidigung, sagten sämtliche Angeklagte in ihrem Schlußwort: „Ich betone, daß ich unschuldig bin.“ Nach zweistündiger Verhandlung verkündete der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Hengsberger, das Urteil: Wegen gemeinsamen Straßenraubs an dem Bauführer Maack im Jahre 1945 verurteile das Lüneburger Schwurgericht Heinrich Meyer und Günther K. zu je acht Jahren Zuchthaus und fünf Jahren für Ehrverlust. Die angeklagte Hertha T. erhielt wegen Beihilfe vier Jahre Zuchthaus und drei Jahre Ehrverlust. Ihr und K. wurden mildernde Umstände wegen verschiedener Geständnisse zugebilligt. Die Ehefrau des Heinrich Meyer wurde von der Anklage der Begünstigten aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Sein Vater erhielt wegen Unterschlagung sechs Monate Gefängnis, die durch die Amnestie als verbüßt gelten. Freigesprochen wurde auch die Mutter Meyers,
die wegen Unterschlagung angeklagt war.

Konservendose-Aussage macht Prozess zur Sensation

Bei der Urteilsbegründung wies der Vorsitzende darauf hin, daß dieser Prozess durch die Aussage des Angeklagten Heinrich Meyer, er habe die Leiche des überfallenen Bauführers in Konservendosen eingemacht, unglücklicherweise als Sensation erschienen sei.

Polizei hat unsauber ermittelt

Bei der Urteilsfindung sei das Gericht von der Wahrscheinlichkeit ausgegangen, daß Maack ohne den Willen der Täter zu Tode gekommen sei. Beweise dafür aber fehlten. Dadurch, daß bis auf die wechselnden Geständnisse und Widerrufe der Angeklagten keinerlei Indizien für eine Mordtat hätten erbracht werden können, sei der Prozeß außerordentlich schwierig gewesen. Wesentlich erschwert sei die Aufklärung des Falles durch die unklar abgefaßten Protokolle der Kriminalpolizei gewesen, aus denen nicht zu erkennen gewesen sei, ob die Angeklagten eigene Aussagen darin bekundeten
oder ihre Aussagen auf Verhalten der Kriminalpolizei gemacht hätten. Der Vorsitzende sprach die Hoffnung aus, daß durch diesen Prozeß belehrt worden sei, in Zukunft solche Verstöße bei der Abfassung von Vernehmungsprotokollen zu vermeiden.

Der Text ist am 18. Februar 1950 im Original in der Celleschen Zeitung erschienen. Wir haben lediglich die gefetteten Zwischenzeilen hinzugefügt. 

Von cz