So berichteten wir damals

Heinrich Meyer wird vernommen

Ein Celler auf den Spuren von Fritz Haarmann? So berichtete die CZ am 14. Februar 1950 über das mörderische Trio um "Konserven-Meyer".
  • Von Cellesche Zeitung
  • 29. Juli 2022 | 10:54 Uhr
  • 01. Aug. 2022
  • Von Cellesche Zeitung
  • 29. Juli 2022 | 10:54 Uhr
  • 01. Aug. 2022
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Celle.

Meyer behauptet, lediglich unter moralischem Druck seitens der Polizei verschiedene Geständnisse gemacht bzw. das ausgesagt zu haben, was ihm die Kriminalbeamten in den Mund legten.

Heinrich Meyer macht verschiedene Geständnisse

Der mehrfach Vorbestrafte versteckte sich im Keller, als er zur Abbüßung einer Strafe abgeholt wurde. Im Gefängnis hat er dann verschiedenes geschwätzt, so daß der Verdacht, den verschwundenen Josef Maack beraubt und ermordet zu haben, auf ihn fiel. Bei den Vernehmungen machte Meyer verschiedene Geständnisse, angeblich um seiner inzwischen verhafteten Frau zur Freiheit zu verhelfen. Deshalb will er alles immer so geschildert haben, wie es grade der Polizei am genehmsten war.

Die Leiche im Keller zerkleinert

Gestern sagte Heinrich Meyer, die Geständnisse seien bloß „Spielereien“ gewesen. Auch
das, in dem er im einzelnen die Ermordung Maacks geschildert Hat, und dasjenige, das die Versenkung der Leiche Maacks in einem Sack im Magnusgraben beschrieb. Auch das furchtbare, detaillierte Geständnis, in dem Meyer alle ekelhaften Einzelheiten angab, wie er Maacks Leiche nachts im Keller zerkleinert und konserviert habe. Die Dosen wollte er für etwa 60 RM auf dem Schwarzmarkt verkauft, die Reste auf dem Schuttplatz und im Walde verstreut haben. Der Vorsitzende erklärte dieses Geständnis für den Beweis eines seelischen Tiefstandes ohnegleichen. Wenn es wahr sei sei es furchtbar. Wenn es nur erdichtet sei, so sei es ungeheuerlich.

Meyer bestreitet Aussage

Lange nach all diesen Geständnissen will Meyer zur Erkenntnis dessen gekommen sein,
was er da erzählt und in welche Lage er sich gebracht habe. Er hat dann plötzlich alles
widerrufen und nunmehr nur noch hartnäckig geleugnet und bestritten. Dabei blieb er auch in der Verhandlung. Meyer will das Verschwinden Maacks erst einen Tag später von
seinen Eltern erfahren haben, und nahm an, daß er — möglicherweise unter einem anderen Namen, denn Maack hatte mehrere Ausweise — durch eine Razzia ins Gefängnis gekommen sei.

Sie wollte „nur“ Zimmer vermieten

Dies nahm angeblich auch der Vater Dietrich Meyer an, der als nächster vernommen wurde. Er hat Maacks Freundin durch unbegründete Angaben von der Nachforschung abzuhalten versucht und vertröstet. Seine Ehefrau, Dora Meyer, wollte nur auch mal durch Zimmer-vermieten Geld verdienen. Und so sagte sie eines Tages zu ihrer Schwiegertochter: Wenn sie mal einen schönen Juden hätte, sollte sie ihn bringen. Statt dessen kam der Rumänien-deutsche Josef Mack, der nur ein Absteigequartier brauchte, ohne polizeiliche Meldung, dafür aber 20 RM im Monat zahlte. Maack erzählte der Mutter Meyer von seinem vielen Geld und den vielen Lebensmittelkarten. Und
zu ihr kam nach seinem Verschwinden eines polnisch wirkender junger Mann, um sich einen Anzug von Maack abzuholen. Das taten Meyers aber nicht. Sie trugen die Sachen nur mal so eben leihweise. Sie öffneten auch die Briefe, die noch an Maack eingingen, und verbrannten sie dann zum Teil.

Tatort am Französischen Garten begutachtet

Besonders tragisch ist es, daß Maack angeblich keinerlei nahestehenden Menschen hatte, außer einem vermißten Sohn, den er durch den Suchdienst suchen ließ. Die Karte mit der Adresse des Sohnes erreichte Maack nicht mehr.

Am Schluß des ersten Verhandlungstages fand noch eine Besichtigung des angeblichen Tatortes im Französischen Garten statt. Die Verhandlung soll acht Tage dauern, so daß mit dem Urteil am Mittwoch zu rechnen ist.

Der Text ist am 14. Februar 1950 im Original in der Celleschen Zeitung erschienen. Wir haben lediglich die gefetteten Zwischenzeilen hinzugefügt. 

Von cz