"Schichtwechsel" in Celle

Neue Perspektive für einen Tag

Beim "Schichtwechsel" konnten Menschen mit und ohne Beeinträchtigung für einen Tag die Arbeitswelt der jeweils anderen kennenlernen.
  • Von Jana Wollenberg
  • 22. Sept. 2022 | 19:00 Uhr
  • 22. Sept. 2022
  • Von Jana Wollenberg
  • 22. Sept. 2022 | 19:00 Uhr
  • 22. Sept. 2022
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Celle.

Bevor es mit der Haarwäsche losgehen kann, legt Danica Kaune ihrer Kundin ein Handtuch um die Schultern und testet die Wassertemperatur: nicht zu kalt und nicht zu heiß, damit das Wasser auf der Kopfhaut nicht unangenehm wird. Diese Schritte hat die 21-Jährige bereits verinnerlicht, als sie erst seit ein paar Stunden im Friseursalon "Haarwerk" an der Mauernstraße mitarbeitet. "Das macht sie wirklich sehr gut", sagt Chefin Manuela Samleit, während sie der jungen Frau bei der Arbeit zusieht.

Danica Kaune gehört zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus den Werkstätten der Celler Lebenshilfe, die an diesem Donnerstag am bundesweiten "Schichtwechsel" teilnehmen, einem Aktionstag der Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen: Für einen Tag hospitieren sie in Betrieben in der Altstadt und lernen die Arbeit im Friseursalon, Café oder im Einzelhandel kennen. Im Gegenzug können zum Beispiel Geschäftsleute oder Menschen aus der Lokalpolitik den Alltag in den Werkstätten kennenlernen, in denen Menschen mit und ohne Beeinträchtigung zusammenarbeiten.

Schritt auf den ersten Arbeitsmarkt

"Der Tag wurde ins Leben gerufen, um auf beiden Seiten die Perspektive zu erweitern", sagt Henning Lanfermann von der Lebenshilfe. Im Idealfall könnten für die Klientinnen und Klienten, die den Schritt auf den ersten Arbeitsmarkt gehen wollen, auch berufliche Perspektiven entstehen. "Der erste Schritt ist das Kennenlernen", sagt Henning Lanfermann. Wenn es sich beide Seiten vorstellen können, würde als Nächstes ein längeres Praktikum folgen und im Idealfall eine Anstellung.

"Es war echt schön, alle waren nett und die Arbeit hat Spaß gemacht", erzählt Danica Kaune gegen Ende ihres Arbeitstags. Ihre Berufung hat sie hier aber nicht gefunden, meint die 21-Jährige. "Ich bin mit Pferden groß geworden", erzählt sie und möchte auch beruflich mit den Tieren zu tun haben. Zuletzt hat sie daher ein zweiwöchiges Praktikum auf einem Pferdehof im Landkreis absolviert.

Anschließendes Praktikum möglich

Anders sieht es bei Sophie Hamann aus, die an diesem Tag direkt gegenüber im Café Marchelle ihren Arbeitsplatz hat. Gemeinsam mit Mitarbeiterin Sandra Schimkewitsch bereitet sie gerade Essen für die Cafégäste zu. "Es macht Spaß hier", sagt die 21-Jährige. "Ich habe zum Beispiel die Tische abgeräumt und das Frühstück mit vorbereitet."

Sie könne sich auch vorstellen, ein längeres Praktikum in dem Café zu absolvieren, erzählt Hamann, die auch langfristig in der Gastronomie tätig sein möchte. Und auch Inhaber Rainer Samleit scheint nicht abgeneigt, dass die junge Frau für ein Praktikum wiederkommen könnte. "Sie macht tolle Arbeit und zeigt uns, wie man mit Freundlichkeit nicht vorhandenes Fachwissen wettmacht", sagt er. Die 21-Jährige habe von Anfang an mit Begeisterung mit angepackt.