Prozessauftakt

19-Jähriger gesteht Überfall auf Celler Wettbüro

Unter Kokaineinfluss hat ein erheblich vorbestrafter 19-Jähriger aus Celle im August ein Wettbüro in der Altstadt überfallen. Zum Prozessauftakt in Lüneburg legte der Angeklagte am Montag ein Geständnis ab.

  • Von Benjamin Reimers
  • 10. Jan. 2023 | 11:00 Uhr
  • 10. Jan. 2023
Am 22. August 2022 wurde das Wettbüro "Tipico" Am Heiligen Kreuz in der Celler Altstadt überfallen.
  • Von Benjamin Reimers
  • 10. Jan. 2023 | 11:00 Uhr
  • 10. Jan. 2023
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Celle.

Mit einer Waffe in der Hand hatte er im vergangenen Sommer ein Wettbüro in Celle überfallen. Am Montag hat der Angeklagte Louis Finn L. vor der 5. Großen Jugendkammer am Landgericht Lüneburg die Tat gestanden. Der 19-Jährige muss sich wegen schwerer räuberischer Erpressung verantworten.

Wettbüro Am Heiligen Kreuz in Celler Altstadt überfallen

Nach Angaben der Staatsanwältin stürmte L. nach dem Konsum von Kokain am 22. August gegen 22.45 Uhr in ein Wettbüro Am Heiligen Kreuz in der Celler Altstadt. Vier Personen bedrohte er im Ladenlokal mit einer Schreckschusspistole und forderte laut brüllend die Herausgabe der Tageseinnahmen. Mit 1150 Euro flüchtete der Räuber.

„Ein Kunde zeigte mir später sein T-Shirt, da war ich geschockt, als ich das Loch sah. Das war durch den Schuss entstanden.“

Wettbüro-Mitarbeiter

Passanten verfolgen Räuber

Lange währte die Freude über das Geld nicht. Kunden und Passanten bekamen den Überfall mit und verfolgten den 19 Jahre alten Schüler Richtung Nordwall. In Höhe eines Hotels endete die Flucht. Ein Gerangel entstand, bei dem der Angeklagte zur Waffe griff. Er schoss zweimal auf einen der Verfolger und verletzte diesen leicht am Oberkörper.

Kurz vor dem Prozessauftakt am Montag hatte Louis Finn L. noch letzte Details mit seinem Verteidiger besprochen. „Mein Mandant räumt den Überfall vollumfänglich ein. Betreffend der weiteren Geschehnisse arbeiten wir derzeit eine Erklärung für die kommenden Verhandlungstage aus“, gab der Anwalt zu Protokoll.

"Ich hab ihm das Geld gegeben"

Ein Mitarbeiter aus dem Wettbüro musste nach dem Verbrechen den Aushilfsjob aufgeben. Derzeit finanziert der angehende Bauingenieur sein Studium als Kurierfahrer. Der 25-Jährige bereitete sich auf den Feierabend vor, als ein Kunde um Hilfe rief. „Ich bin nach vorne – da stand der Typ mit der Waffe und mit der Tüte in der Hand. Ich hab ihm das Geld gegeben, dann haute er ab. Ich wählte den Notruf und sprach mit der Polizei“, berichtete der 25-Jährige. „Ein Kunde zeigte mir später sein T-Shirt, da war ich geschockt, als ich das Loch sah. Das war durch den Schuss entstanden“, hieß es in der Erklärung vor der Strafkammer.

Beleidigung, Brandstiftung, Körperverletzung: Angeklagter mehrfach vorbestraft

Der Lebenslauf des Beschuldigten, den die Vorsitzende Richterin Silja Precht nach der Aussage des Angestellten thematisierte, zeigt viele Brüche. Das polizeiliche Führungszeugnis listet drei Vorstrafen auf. Beleidigung von Polizisten, Brandstiftung und Körperverletzung – ein dickes Brett von Verstößen.

Heimaufenthalte in Hamburg und Stralsund

Louis Finn L. wurde im November 2003 in Stade geboren. Der Kontakt zu seiner Familie riss vor etlichen Jahren ab. Heimaufenthalte in Hamburg und Stralsund schlossen sich an. Seit Mitte 2019 wohnt L. in Celle. Warum es zu dem Überfall gekommen ist, ist für den Betreuer des Angeklagten ein Rätsel. „Das muss eine Kurzschlusshandlung gewesen sein“, sagte der Zeuge vor Gericht. Angekündigt habe sich das Verbrechen nicht. Louis Finn L. hätte Tage und Wochen davor alle Termine wahrgenommen und sich „freundlich und kooperativ“ gezeigt. Der Prozess wird am 20. Januar fortgesetzt.