Prozess nach Razzia

Drogen, ein Waffenarsenal und bockige Zeugen

In seiner Wohnung in Celle fand die Polizei Drogen und ein ganzes Waffenarsenal. Jetzt muss sich ein 41-Jähriger vor Gericht verantworten.

  • Von Benjamin Reimers
  • 09. Nov. 2022 | 07:05 Uhr
  • 09. Nov. 2022
Der Celler wurde mehrmals mit Marihuana von der Polizei erwischt. Jetzt steht er vor Gericht.
  • Von Benjamin Reimers
  • 09. Nov. 2022 | 07:05 Uhr
  • 09. Nov. 2022
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Celle.

Vor dem Landgericht Lüneburg hat am Dienstag der Prozess gegen Michael P. begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 41 Jahre alten Celler unter anderem Drogenhandel und Verstöße gegen das Waffengesetz vor.

Razzia in Wohnung an der Harburger Straße in Celle

Alles begann mit einer Zeugin, die Anfang September 2020 auf dem Polizeirevier an der Jägerstraße erschien und P. des Rauschgiftbesitzes beschuldigte. Am 2. Dezember 2020 erließ das Amtsgericht einen Durchsuchungsbeschluss. Nur Stunden später startete in der Wohnung des Angeklagten an der Harburger Straße die Razzia.

Luftpistole, Dolch, Messer, Wurfsterne: Polizei findet Waffenarsenal

Den Beamten fiel eine Sporttasche neben dem Sofa auf. In den Seitenfächern steckten mehrere Dosen. Drei Behältnisse waren mit Marihuana, eines mit Amphetaminen gefüllt. Daneben stießen die Polizisten auf ein regelrechtes Waffenarsenal. Eine Druckluftpistole lag auf einem Schrank, ein Dolch unweit der Haustür. In verschiedenen Räumen lagen griffbereit mehrere Messer, fünf Wurfsterne und ein Bajonett. „Herrn P. gaben die Waffen ein Gefühl von Sicherheit. Aber nicht nur das, sie zeigen auch seine Überlegenheit“, äußerte die Staatsanwältin bei der Verlesung der Anklage.

Amphetamine und Marihuana bei Dealer bestellt

Nach der Durchsuchung der Wohnung tauchte P. mehr als ein Jahr nicht mehr polizeilich in Erscheinung und lebte von Sozialleistungen. Kurz nach Weihnachten 2021 griff der Celler zum Handy und bestellte bei einem Dealer eine Lieferung Amphetamine und Marihuana. Am 28. Dezember trafen sich die Beteiligten zur Mittagszeit auf dem Parkplatz eines Supermarktes an der Harburger Straße. Aus einem Wagen der Marke Chevrolet reichten zwei Personen den Stoff heraus.

Rauschgift und rund 1000 Euro beschlagnahmt

„Der Angeklagte plante mit den Drogen einen gewinnbringenden Verkauf an Dritte“, so die Staatsanwältin. Den Plan verhinderte eine Zivilstreife, die P. mit der Papiertüte in der Hand bemerkte. Die beiden Kommissare entschlossen sich kurzerhand, den 41-Jährigen vor seiner Wohnung abzufangen und einer Leibesvisitation zu unterziehen. Neben dem Rauschgift in der Tragetasche fischten die Fahnder rund 1000 Euro aus der Bauchtasche und beschlagnahmten das Geld.

„Mein Mandant schweigt“, erklärte der Verteidiger zum Prozessauftakt. Keine schlechte Strategie, wie sich zeigte. Denn zwei Zeugen traten ihre Reise nach Lüneburg nicht an.

Zeugen erscheinen nicht vor Gericht

Die 1. Große Strafkammer fackelte nicht lange. „Wir bestellen ein polizeiliches Sammeltaxi“, umschrieb der Vorsitzende Richter Michael Herrmann seine deutliche Verärgerung. Auch die Frau, die das Verfahren ins Rollen brachte, ist verschwunden. „Das ist alles merkwürdig. Letzte Adresse war Ramstein in Rheinland-Pfalz“, sagte der Richter. Der Prozess wird fortgesetzt. Am Dienstag, 15. November, soll das Urteil fallen.