Politiker diskutieren

Weihnachtsbeleuchtung in Celler Altstadt trotz Energiekrise?

Für viele Celler ist Weihnachten ohne passende Beleuchtung unvorstellbar. Die Stadt will deshalb daran festhalten. Bei einigen stößt das auf Unmut. (mit Kommentar und Umfrage)

  • Von Marie Nehrenberg-Leppin
  • 21. Sept. 2022 | 18:00 Uhr
  • 23. Sept. 2022
  • Von Marie Nehrenberg-Leppin
  • 21. Sept. 2022 | 18:00 Uhr
  • 23. Sept. 2022
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Celle.

In wenigen Wochen beginnt die Adventszeit – für die Stadt Celle der Zeitpunkt, sich ins festliche Gewand zu werfen und sich in eine romantische Weihnachtsstadt mit jeder Menge warmer Lichter zu verwandeln.

Zeitlich beschränkte Beleuchtung als Kompromiss?

"Es wird definitiv auch in diesem Jahr Weihnachtsbeleuchtung geben", versichert Stadtsprecherin Claudia Krause. "Die winterlich-weihnachtliche Atmosphäre steigert die Attraktivität und zieht die Menschen in die Stadt, wovon vor allem die Betriebe und der Weihnachtsmarkt profitieren. Daher wird sich ein Kompromiss finden lassen, wie zum Beispiel eine zeitlich beschränkte Beleuchtung."

"Grundsätzlich wäre ein völliger Verzicht plausibel und konsequent."

Patrick Brammer (SPD)

In Zeiten der Energiekrise kommt da allerdings die Frage auf, ob es nicht sinnvoller wäre, die Lichter in diesem Jahr auszulassen – das diskutiert zumindest die Celler Politik. "Wir haben einvernehmlich beim Runden Tisch schmerzhafte, aber im Ergebnis sinnvolle Energieeinsparmaßnahmen beschlossen. Folgerichtig muss auch das Konzept der bisherigen Weihnachtsbeleuchtung neu betrachtet werden", so Patrick Brammer (SPD). "Grundsätzlich wäre ein völliger Verzicht plausibel und konsequent. Ich könnte mich aber mit einem Kompromiss anfreunden: Die Weihnachtsbeleuchtung sollte ausschließlich mit LED-Lampen ausgestattet sein und lediglich an ausgewählten Punkten aufgehängt werden."

Nur LED-Lampen an ausgewählten Stellen

Ein Gedanke, der aus Sicht der Grünen das Mindeste sein sollte: "Es wäre begrüßenswert, wenn ein stark reduziertes Beleuchtungskonzept sich an die schon getroffenen Maßnahmen anschließt", sagt der Fraktionsvorsitzende Stephan Ohl.

"Ich freue mich, dass die Stadtverwaltung die Weihnachtsmarktbeleuchtung sicherstellen wird."

Alexander Wille CDU

Die Lichter nicht groß reduzieren möchte unterdessen die CDU. "Unser Weihnachtsmarkt ist ohne die festliche Beleuchtung kaum vorstellbar", findet Alexander Wille. "Ich freue mich, dass die Stadtverwaltung die Weihnachtsmarktbeleuchtung sicherstellen wird." Finanziert werden soll dies unter anderem durch eine EU-Mittel-Förderung von rund 200.000 Euro für die Herbst- und Winterbeleuchtung in der Innenstadt. "Diese Förderung ist eine starke zusätzliche Unterstützung, um die gewohnte festliche, weihnachtliche Beleuchtung zu ermöglichen", so Wille. Darüber hinaus finanziere sich die Beleuchtung laut Stadtsprecherin Krause wie seit Jahren durch Spenden und Sponsoring im Rahmen der Aktion „Celle leuchtet“.

AfD will nicht auf Lichter verzichten

Ebenfalls pro Weihnachtsbeleuchtung äußerte sich die AfD. "Ich möchte auf keinen Fall auf die Weihnachtsbeleuchtung verzichten – die ist für mich untrennbar mit Weihnachtsmarkt und Weihnachtsatmosphäre verbunden", sagt Anatoli Trenkenschu. Man könne durch den Verzicht "die fehlerhafte Energiepolitik der Altparteien damit ohnehin nicht korrigieren."

"Wie sollen wir eigentlich unseren Kindern erklären, dass in der Wohnung beim Licht gespart werden muss, auf der anderen Seite aber die Altstadt festlich beleuchtet wird?"

Joachim Falkenhagen (FDP)

Hartmut Cewe von den Unabhängigen glaubt, dass fehlende Weihnachtsbeleuchtung der Innenstadt schaden würde. "In der Vorweihnachtszeit ist der Andrang der Besucher hoch. Wir betrachten daher die Beleuchtung als einen äußerst wichtigen Bestandteil zum Erhalt der Altstadt", sagt er. Sparen könne man trotzdem: "Celle hat bereits 2008 als eine der ersten Städte auf LED-Beleuchtung umgestellt und damit den Stromverbrauch erheblich verringert." Dennoch gebe es Möglichkeiten, den Stromverbrauch weiter zu reduzieren, zum Beispiel die Brenndauer auf die Zeit mit den höchsten Besucherzahlen anzupassen und statt bisher am 10. Januar bereits früher abzuschalten.

Weihnachtsmarkt als starker Tourismusmagnet und Wirtschaftsfaktor

Zustimmung erhält Cewe diesbezüglich von Torsten Schoeps von der Wählergemeinschaft: "Zeitliche Einschränkungen sollten geprüft werden dürfen. Energieeinsparungsmaßnahmen müssen dort, wo möglich, flächendeckend und ohne Ausnahme ergriffen werden."

Sonnenenergie und Batterien als Alternative?

Noch andere Möglichkeiten sieht Joachim Falkenhagen: "In Notsituationen werden wir auf manches, was wir als selbstverständlich betrachten, verzichten müssen. Meine Überzeugung ist allerdings, dass sich dieses Problem mit zeitgemäßen Techniken auch lösen lässt. Sonnenenergie und Batteriespeicher könnten eine gute Alternative sein, die Beleuchtung auch in kritischer Zeit möglich macht." Einfach wie gewohnt weiterzumachen hält der FDP-Fraktionsvorsitzende für unangebracht und fragt: "Wie sollen wir eigentlich unseren Kindern erklären, dass in der Wohnung beim Licht gespart werden muss, auf der anderen Seite aber die Altstadt festlich beleuchtet wird?"

Umfrage in der Altstadt: Das sagen die Celler zur Weihnachtsbeleuchtung

Kommentar von Andreas Babel

Umdenken

Wir alle müssen umdenken! Weihnachten ist nicht das Fest, zu dem es leider in den jüngsten Jahrzehnten verkommen ist. Es ist nicht das Fest des Konsums und nicht das Fest der Weihnachtsmärkte, auf denen gegessen, getrunken und allerlei zur winterlichen Jahreszeit Passendes, aber auch völlig Unpassendes ver- und gekauft wird. Weihnachten ist das Fest, an dem wir Christen uns darauf besinnen, was unsere Religion ausmacht. Wir feiern die Geburt Jesu Christi. Dessen Eltern fanden übrigens in dunkler Zeit keine Herberge, die sie hätten bezahlen können, sondern Maria musste ihr Kind in einem Stall zur Welt bringen.

Was lernen wir aus der Geschichte? Dass es eben nicht auf Haben und Äußerliches ankommt, sondern darum geht, einander beizustehen und zu helfen. Ans Gute zu glauben, versetzt Berge. Dazu bedarf es keiner Weihnachtsbeleuchtung. Sie gaukelt uns nur eine heile Welt vor, die es nicht mehr gibt. Nur jetzt erfahren wir es am eigenen Leib. Und es wäre nur konsequent, Energie für Lebensnotwendiges zu verwenden – so viel Licht brauchen wir alle nicht!