Neuer Ortsbeauftrager

Das beschäftigt Celles neuen THW-Chef derzeit

Mit Detlef Reiß hat der Celler THW-Ortsverband einen neuen Ortsbeauftragten. Das sind die wichtigsten Projekte beim Zivil- und Katastrophenschutz derzeit.

  • Von Benjamin Behrens
  • 15. Nov. 2022 | 11:05 Uhr
  • 15. Nov. 2022
Detlef Reiß hat den Posten des Ortsbeauftragen des THW Ortsverbands Celle übernommen. Umstrukturierung im Katastrophenschutz, alte und zu kleine Garagen in der CD-Kaserne, steigende Strom- und Heizkosten. Das beschäftigt Reiß und sein Helfer-Team.
  • Von Benjamin Behrens
  • 15. Nov. 2022 | 11:05 Uhr
  • 15. Nov. 2022
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Celle.

Viel musste sich nicht ändern im Büro von Detlef Reiß: Das Schild an der Tür wurde ausgetauscht, als er im Oktober vom stellvertretenden Ortsbeauftragten zum Ortsbeauftragten wurde. Die Sammlung an blauen THW-Modellautos auf dem Regal blieb, das Bild von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auch. Nur der Stiel eines Vorschlaghammers muss noch ins Materiallager. Wenn beim Technischen Hilfswerk aufgeräumt wird, dann sortiert man nun mal nicht nur Akten.

Die THW-Modellautos in Reiß Büro sind geblieben.

Es gibt viel zu tun – nicht nur für Reiß, sondern für alle Helfer, so die Bezeichnung für ehren- und hauptamtliche THW-Leute. Das verheerende Hochwasser von Ahrweiler hat überdeutlich gezeigt, wie wichtig der Zivil- und Katastrophenschutz ist.

"Celler Urgestein" im THW

Reiß ist am 21. Dezember 1962 in Alvern geboren. „Ich habe den Landkreis nie verlassen, ich bin ein Celler Urgestein.“ Bei der damaligen Volksbank Eschede lernte er Bankkaufmann, heute ist er Prokurist der Volksbank Südheide – Isernhagener Land – Altmark. „Die Frage Bundeswehr stellte sich nicht wirklich. Ich habe gesagt: ‚Ich werde nicht auf jemanden schießen, nur weil mir ein System das vorgibt‘“, so Reiß. Das Technische Hilfswerk wurde zur Alternative. 1986 machte er seine Grundausbildung und blieb dabei. Kraftfahrer, Gruppenführer bis hin zum Zugführer – bis 2000 hatte er einige Funktionen innen. Dann zog Reiß sich etwas zurück, wurde Reservehelfer. Bis 2004 machte er ehrenamtlich Telefonseelsorge. 2010 kehrte er in den aktiven Dienst zurück, wurde Ausbildungsbeauftragter bis 2017. Ab Juli 2018 war er stellvertretender Ortsbeauftragter und auch Prüfer für die Grundausbildung.

Rund 100 Helfer hat der Celler Ortsverband, 40 bis 60 von ihnen sind aktiv, die übrigen Reservehelfer.

Mitte der 90er rückte der Zivilschutz in den Hintergrund. Heute ist er fast gar nicht mehr da, heute machen wir Katastrophenschutz.

Detlef Reiß, THW-Ortsbeauftragter Celle

„Mitte der 90er rückte der Zivilschutz in den Hintergrund. Heute ist er fast gar nicht mehr da, heute machen wir Katastrophenschutz“, erläutert Reiß. „Es funktioniert überall ganz gut, das THW aufzustocken. Wir haben von der Zahl der Helfer keine Nachwuchssorgen“, freut sich der 59-Jährige. Im Bundesfreiwilligendienst gibt es in Großstädten sogar Wartelisten. „Es gibt ein bisschen die Probleme, dass wir Führungsaufgaben nicht besetzt bekommen, das ist nicht ganz so einfach“, so Reiß. Beim Nachwuchs helfen auch Aktionen wie zuletzt der Tag der Sicherheit.

Rund 100 Helfer im Celler THW-Ortsverband

Rund 100 Helfer umfasst der Celler Ortsverband, zwischen 40 und 60 sind aktiv. Die Grundorganisation ist überall einheitlich: Ein technischer Zug ist aufgeteilt in den Zugtrupp, die Führung und zwei Gruppen: die Bergungsgruppe und die Gruppe N, die Notversorgung und Notinstandsetzung.

Die Aufgaben sind vielfältig. Beim Moorbrand in Meppen 2018 waren auch Celler Kräfte dabei. Die Flutkatastrophe im Ahrtal ließ alle Organisationen zusammenwachsen. „Da war egal, welche Farbe die Einsatzfahrzeuge haben“, sagt Reiß. Die Celler waren mit für das Feldlager auf dem Nürburgring zuständig, geschlafen wurde auf Feldbetten in der Boxengasse. Vergangene Woche holten sie für Notunterkünfte in Hannover Duschcontainer aus Neuruppin ab.

Detlef Reiß hat den Posten des Ortsbeauftragen beim THW-Ortsverband Celle übernommen. Oft arbeitet das THW Hand in Hand mit anderen Organisationen: Als im vergangenen Dezember der ehemalige Späti abbrannte, waren sie mit im Einsatz und sicherten später die Ruine ab. 

Was jetzt ansteht? „Was uns ein bisschen beschäftigt, ist: Wie geht es weiter mit der Energieversorgung in Deutschland? Stehen wir tatsächlich vor einem Blackout?“ Der Zivilschutz wird wieder wichtiger werden: Notstromversorgung, Herstellen von Freileitungen und Hausanschlüssen sowie Gas- und Wasseranschlüsse. „Also klassisch: Durch kriegerische Handlungen oder Terroranschläge wird Infrastruktur zerstört, wir können sie wieder herstellen“, erläutert Reiß.

Zivilschutz wird Projekt für die Zukunft

„Das sieht im Moment nicht so aus. Diese Möglichkeit und das Gerät dazu haben wir gar nicht mehr. Da gibt es nur Komponenten.“ Der Verwaltungstrakt in den THW-Gebäuden auf dem Gelände ist viel zu groß, die Fahrzeughallen zu klein, ein paar Fahrzeuge stehen draußen.

Allein angehen wird der Celler THW-Chef die Probleme nicht. Sondern gemeinsam mit allen Helfern.