Nach tödlichem Unfall

Kerzen und Blumen für verstorbenen Vierjährigen

Mit Kerzen und Blumen gedenken Trauernde des Vierjährigen, der am Montag bei einem tragischen Unfall auf dem Wilhelm-Heinichen-Ring sein Leben verloren hat.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 16. Aug. 2022 | 17:49 Uhr
  • 26. Aug. 2022
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  • 16. Aug. 2022 | 17:49 Uhr
  • 26. Aug. 2022
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Celle.

Blumen, Kerzen, Kinderzeichnungen und eine bunte Spielfigur (ein Playmobil-Ritter mit einem Schild) zeugen am Rand der Baustelle auf dem Wilhelm-Heinichen-Ring von der Tragödie, die sich dort am Montagmittag abgespielt hat. Ein Vierjähriger war beim Überqueren der Straße von einer Teerwalze erfasst und tödlich verletzt worden. Sein Vater und sein drei Jahre älterer Bruder hatten das Unglück mit ansehen müssen. Bereits kurze Zeit später hatten sich zahlreiche Menschen am Unfallort versammelt - sie wollten den Familienangehörigen beistehen, die in ihrer Trauer und Verzweiflung laut weinend Ausdruck verliehen. Weniger als 24 Stunden später ist es an der Kreuzung still. Auch der Baustellenbetrieb ruht, nur wenige Arbeiter sind auf der Kreuzung zu sehen.

Was war passiert? Laut Polizei war der Junge gemeinsam mit seinem Vater und seinem Bruder gegen 12.40 Uhr in der in den Wilhelm-Heinichen-Ring mündenden Haydnstraße unterwegs. Die beiden Kinder fuhren mit ihren Fahrrädern vorweg, ihr Vater joggte hinterher. Während der ältere Bruder den Wilhelm-Heinichen-Ring bereits überquert hatte, folgte der Fünfjährige seinem Bruder auf dem Rad und wurde dabei von dem zurücksetzenden Baustellenfahrzeug erfasst. Für ihn kam jede Hilfe zu spät. Das Kind verstarb noch am Unfallort.

Kreuzung wird von vielen Anwohnern regelmäßig genutzt

Nach Auskunft von Martin Lienau, erster Staatsanwalt der Staatsanwaltschaft Lüneburg, wurde nach dem Unfall ein Ermittlungsverfahren eingeleitet: "Dieses richtet sich zunächst gegen den Fahrer der Walze wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung." Gegenstand des Verfahrens sei allgemein die umfassende Prüfung, ob bei Personen Sorgfaltspflichtverstöße vorgelegen haben, die ursächlich für das Unfallgeschehen gewesen sein könnten. "Diese Ermittlungen befinden sich gerade im Anfangsstadium", so der Staatsanwalt.

Seit dem 14. Juli wird auf dem Wilhelm-Heinichen-Ring die Fahrbahndecke saniert, die Straße ist nur von Norden aus befahrbar. Die Kreuzung ist auf einer Strecke von gut 1,5 Kilometern die einzige Möglichkeit, die Straße in Richtung der nahegelegenen Einkaufsmöglichkeiten an der Witzlebenstraße zu überqueren. Das berichten zwei Anwohner, die die dortige Baustellenampel für Fußgänger in den vergangenen Wochen selbst regelmäßig benutzt haben. "Mit einem Knopfdruck wurde sie grün", erzählt einer von ihnen. Am Montag zeigte sie nach Auskunft der Polizei dauerhaft rot - an diesem Vormittag ist sie, während die Baustelle ruht, ausgeschaltet.

Ermittlungen gegen den Fahrer der Bauwalze

Innerhalb weniger Minuten überqueren dort dutzende Menschen die Fahrbahn, direkt vorbei an dem Ort, wo weniger als 24 Stunden zuvor der tragische Unfall passiert ist. Welche Regeln dort generell für Fußgänger und Radfahrer gelten, ist offen, ebenso wie die Antwort auf die Frage, wie die beiden Kinder in den gefährlichen Bereich gelangen konnten. Mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen will die Stadtverwaltung dazu, wie die Baustelle zum Zeitpunkt des Unfalls abgesichert war, aktuell keine Stellung nehmen.

Unterdessen hält eine junge Frau kurz an und stellt eine weitere Kerze zu denen, die am Rand der Baustelle bereits an den verstorbenen Vierjährigen erinnern. Sprechen möchte sie über das Unglück nicht. Und auch anderen Passantinnen und Passanten, die hier vorbeikommen, verlieren nur wenige Worte über das Geschehene. Die Betroffenheit ist vielen von ihnen deutlich anzusehen. "Ich würde meine Kinder hier nicht mehr allein rübergehen lassen", sagt einer der beiden Anwohner, die auf der anderen Straßenseite kurz angehalten haben. "Es ist furchtbar", sagt er und schüttelt den Kopf. Die Familie des Jungen kenne er, aber nur flüchtig. "Man grüßt sich eben", sagt er.

Von Jana Wollenberg und Marie Nehrenberg-Leppin