Nach Coronakrise

So läuft die Tourismus-Saison in Celle

Nach zwei schwierigen Jahren scheint es aufwärts zu gehen. Gastwirte und Touristen sind zufrieden. Ein paar kleine Kritikpunkte gibt es aber doch.
  • Von Marie Nehrenberg-Leppin
  • 18. Aug. 2022 | 10:00 Uhr
  • 18. Aug. 2022
  • Von Marie Nehrenberg-Leppin
  • 18. Aug. 2022 | 10:00 Uhr
  • 18. Aug. 2022
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Celle.

Eigentlich wollten Brigitte und Klaus Weichart gar nicht so viel Zeit in Celle verbringen. Ein kurzer Stopp, ein bisschen die Altstadt anschauen und dann das Wohnmobil auf dem Wohnmobilstellplatz an der 77er-Straße abstellen und mit dem Zug nach Lüneburg fahren. „Daraus wurde nichts“, sagen sie. „So wunderschön Celle auch ist, aber der Bahnhof ist eine mittelschwere Katastrophe.“

Mit dem Neun-Euro-Ticket von Celle nach Lüneburg

Was war passiert? „Wir wollten mit dem Neun-Euro-Ticket nach Lüneburg, doch irgendwie fielen alle Regionalzüge aus“, schildert das Paar. „Wir haben uns dann auf die Suche gemacht, nach irgendwem, der uns weiterhelfen kann. Aber da ist ja niemand. Keine Information, nichts. Der Ausflug fiel also ins Wasser.“ Stattdessen haben die Weicharts nun ihre Campingstühle vorm Wohnmobil aufgebaut. Der einzige schattige Platz an diesem Vormittag. Mit einer Landkarte, Stift und Papier bewaffnet, überlegen sie nun, was sie stattdessen machen. „Leider können wir nicht mehr nördlicher reisen, da wir in ein paar Tagen zurück in der Steiermark sein müssen. Wir würden uns hier gern noch weiter umsehen, aber wir kommen kommendes Jahr wieder. Celle und Umgebung gefallen uns sehr gut“, betonen sie und fügen lachend hinzu: „Mal abgesehen vom Bahnhof.“

Ausflüge mit dem Rad in Celler Umland

Neben den Weicharts nutzen viele weitere Camper den Stellplatz als Ausgangspunkt für Ausflüge. So auch Rosemarie und Wilhelm Bodmann aus Emden. Sie haben ihren Aufenthalt gerade eben verlängert. "Wir sind schon seit fünf Tagen hier, uns gefällt es total gut. Der Platz hier ist großartig, sauber und hat eine tolle Lage“, finden sie. Mit ihren E-Bikes erkunden sie jeden Tag eine andere Ecke des Landkreises. „Wir waren schon in Wienhausen und wollen heute nach Winsen. Die Gegend ist wunderschön.“ Eine Sache haben allerdings auch die Bodmanns auszusetzen: „Die Beschilderung der Fahrradwege ist schlecht“, sagen sie. „Den Aller-Radweg haben wir zunächst gar nicht gefunden.“

Stadt Celle mit Tourismus-Saison zufrieden

Abseits vom Wohnmobilplatz erholt sich auch der Tourismus in Celle im Allgemeinen nach zwei schwierigen Corona-Jahren im ersten halben Jahr 2022 gut. Das bestätigt Stadtsprecherin Claudia Krause: „Es sind deutlich positive Entwicklungen zu erkennen. Die Hotels sind gut ausgelastet und auch die Touristeninformation meldet sehr viele Besucher, wie üblich viele aus Holland und Skandinavien.“

Übernachtungsgäste aus Skandinavien und den Niederlanden

Man bewege sich aktuell zwar noch nicht auf dem Niveau von 2019, sei aber auf einem guten Weg dorthin. So verbucht das niedersächsische Landesamt für Statistik im Mai insgesamt 25.971 touristische Übernachtungen im Celler Stadtgebiet. Im gleichen Zeitraum 2019 waren es 31.088, 2021 aufgrund der Pandemie-Einschränkungen nur 5364. Erfasst werden in dieser Statistik alle Übernachtungen in geöffneten Beherbergungsstätten mit mindestens zehn Betten und geöffneten Campingplätzen mit mindestens zehn Stellplätzen.

Beim Hotel Heidekönig ist man zufrieden

Dass es wieder bergauf geht, das kann auch Carsten Schleinitz, Geschäftsführer des Hotels „Heidekönig“ am Bremer Weg, bestätigen. „Ich bin soweit zufrieden mit dem derzeitigen Sommer und dass wir endlich wieder Gäste haben“, sagt er. „Wir gehen an sich auch optimistisch in den Winter, zumindest wenn wir als Vergleichswert 2020 und 2021 nehmen. So wie 2019 oder davor wird es trotzdem ganz sicher nicht werden.“ Er befürchtet, dass neue Auflagen der Regierung wieder Gäste abschrecken könnten.

Neubau von Hilton und B&B in Celle Problem für Hoteliers

Noch mehr Sorge machen Schleinitz allerdings zwei Bauprojekte. „Das neue Hilton und B&B am Nordwall werden sehr viele Zimmer nach Celle bringen. Beide Hotels sind außerdem in bester Lage“, sagt er. „Das wird für uns und einige Kollegen das größte Problem und eine riesige Herausforderung in den kommenden Jahren werden.“