Morgens halb zehn

Beim Paddeln auf Aller lässt es sich aushalten

Paddeln ist bei dem sommerlichen Wetter eine willkommene Abkühlung. Doch bald könnte Schluss damit sein, da der Pegel der Aller immer mehr absinkt.

  • Von Marie Nehrenberg-Leppin
  • 14. Aug. 2022 | 09:30 Uhr
  • 14. Aug. 2022
  • Von Marie Nehrenberg-Leppin
  • 14. Aug. 2022 | 09:30 Uhr
  • 14. Aug. 2022
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Celle.

"Habt ihr alle eure Sonnenhüte?" Eine Frage, die in Anbetracht der sommerlichen Temperaturen und den Plänen für den Tag vermutlich die wichtigste ist. Morgens um halb zehn zeigt das Thermometer bereits 27 Grad. Eine Gruppe von sechs Cellern hat sich deswegen am Parkplatz vorm Bahnhof versammelt, um in See zu stechen. "Wir müssen da nur einmal an der Mauer entlang zur Aller runter laufen und bekommen da unsere Paddelboote", berichtet Petra Hoffmann. "Es ist sehr warm, aber wir haben Sonnenschutz und genug Getränke dabei. Wir sind bereit. Am Wasser lässt es sich doch aushalten."

Mit dem Kanu von Celle bis nach Winsen

Die Freunde unternehmen regelmäßig gemeinsam etwas. Die Kanutour ist allerdings eine Premiere. "Das haben wir noch nie zusammen gemacht", sagen sie. Der Plan: In viereinhalb Stunden über die Aller bis nach Winsen schippern. "Hören Sie aufmerksam Radio, wenn Sie etwas von einer Rettungsaktion auf der Aller hören, dann sind wir vermutlich gekentert."

Pegelstände von Örtze und Aller besorgniserregend

Ob ihre Paddeltour tatsächlich stattfinden kann, das wussten die Freunde bis Mittwoch gar nicht so genau. "Wenn man sich die Pegelstände der ganzen Flüsse ansieht, macht man sich Sorgen. Natürlich nicht nur um unsere Tour, es ist generell erschreckend", sagt Karin Thiem. "Ich habe im Vorfeld aber noch einmal beim Kanuverleih angerufen und sie haben für diesen Teil der Strecke grünes Licht gegeben. Wir müssen zwischendurch nicht aufs Wattwandern umsteigen."

Wasserstand der Aller reicht noch zum Paddeln

Das Go für den Paddelausflug gab der Gruppe Irmhild Siemering. Sie betreibt den Kanu-Verleih "Kanu-Feeling auf Aller und Örtze" und beobachtet die anhaltende Trockenheit mit großer Sorge. "Auf der Örtze ist aktuell fast nichts mehr möglich, man kann gerade nur noch von Baven nach Oldendorf fahren. Aber das macht kaum einer, da es nur ungefähr eineinhalb Stunden dauert und das den meisten Kunden zu kurz ist", sagt Siemering. "Auf der Aller sieht es noch ein bisschen besser aus. Von Celle bis nach Winsen gibt es zum Glück noch keine größeren Probleme mit den Wasserständen."

Der Traum von einer Kanufahrt

Während die Expertin der Gruppe, die als nächstes losfährt, noch Tipps gibt, sitzt der kleine Elian zum ersten Mal in einem Kanu. Und kann es kaum erwarten, dass die Tour mit seinem Vater Paul Rahm und Patentante Sonja Rotermund endlich losgeht. "Ich bin gespannt wie es klappt", sagt Papa Paul. "Wir beide saßen neulich mal gemeinsam an der Aller und haben aufs Wasser geguckt. Da kam das eine oder andere Kanu vorbei und Elian war total begeistert. 'Papa, Kanu kaufen!' hat er nur gesagt. Da dachten wir, dass wir das nun erst einmal ausprobieren. Wir wollen bis Oldau fahren, das sollte so um die drei Stunden dauern." Während die Erwachsenen noch die letzten Details besprechen, übt Elian schon einmal den richtigen Paddelschlag. "Los komm, wir tragen das Boot jetzt ins Wasser", ruft Rahm. "Du kannst helfen, du bist doch stark."

Müll vom Vorabend stört Idylle

Fürs Geschäftliche ist unterdessen an diesem Vormittag Christoph Buchmüller ans Allerufer gekommen. Er will sein Boot verkaufen und ist mit dem potentiellen Käufer verabredet. Während er wartet, mustert er unzufrieden den kleinen Sandstrand auf der gegenüberliegenden Seite. "Das kann ich echt nicht mit ansehen", murmelt er und dreht sich zu Irmhild Siemering um. "Kann ich mal eben eines deiner Boote haben?", fragt er. "Ich muss da drüben aufräumen." Der Grund seines Ärgers: Irgendjemand hat den vorigen Abend ein Picknick am Strand gemacht und es für unnötig erachtet, den Müll am Ende wieder mitzunehmen. Da Aufregen alleine nicht bringt, macht sich Buchmüller also kurzentschlossen auf den Weg, bewaffnet mit einer Greifzange und einem großen Müllsack.

Erfahrung von Paddeltouren auf Pegnitz und Leine

Auf der anderen Seite der Aller erklärt Kanu-Fachfrau Siemering derweil den Neuankömmlingen Beatrice und Michael Runte, worauf sie bei ihrer Tour achten müssen. Das Paar aus Schwarmstedt hat zwar schon Paddel-Erfahrung, die Aller ist aber ein noch ein bislang unbekanntes Gewässer. "Wir waren schon auf der Pegnitz und in Hannover auf der Leine unterwegs. Das hat immer viel Spaß gemacht, deswegen haben wir uns spontan entschlossen, jetzt die Aller zu erkunden."

Vorsicht bei Naturschutzgebieten rund um Celle

"Wichtigste Frage: Habt ihr genug zu trinken dabei?", will Siemering von den beiden wissen. Emsiges Nicken. "Gut, dann achtet darauf, dass ihr locker und bequem sitzt. Aussteigen könnt ihr bis nach Boye nicht, da ihr durchs Naturschutzgebiet fahrt", erklärt sie. "Danach geht es ins Landschaftsschutzgebiet, da könnt ihr lediglich an den Sandständen anlegen. Irgendwann kann es sein, dass von hinten die 'Wappen von Celle' kommt, da müsst ihr aufpassen. Ansonsten, gute Fahrt und Ahoi."