Morgens halb 10

Hochbetrieb auf Weinmarkt schon vor erstem Gast

Alles Putzen, Wein-Vorräte auffüllen, Gläser ersetzen, Vorbereiten – Standbetreiber haben am besucherstärksten Tag schon in aller Frühe viel zu tun.

  • Von Benjamin Behrens
  • 31. Juli 2022 | 10:15 Uhr
  • 31. Juli 2022
  • Von Benjamin Behrens
  • 31. Juli 2022 | 10:15 Uhr
  • 31. Juli 2022
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Celle.

So wuselig und voll es spätestens ab Mittag auf dem Weinmarkt ist, morgens um halb zehn ist er verschlafen. Die Security ist vor Ort, die auf Stände, Tische und Technik aufpasst. Aber sonst … viele Menschen sind nicht unterwegs.

 

Seit 9 Uhr bei der Arbeit

Nur Liesel und Heinz-Friedrich Kost vom gleichnamigen Weingut sind schon seit einer halben Stunde fleißig. In aller Frühe hat der Winzer den Firmen-Lkw vom Schützenplatz umgeparkt. „Es gibt viel zu tun“, sagt Liesel Kost. Die Tische waren über Nacht hochgestellt, trotzdem wurden sie vom Regen feucht. Also wird alles noch einmal abgewischt nach dem Umräumen. Was noch? „Leergut raus, volle rein“, sagt die 71-Jährige. Und natürlich den Gläserbestand auffüllen. Nicht, dass so viel zu Bruch ginge, aber: „Die Leute nehmen sie gerne mit oder lassen sie irgendwo stehen“, sagt die Winzerin.

 

Weinstand kommt mit allem Drum und Dran per Lkw

„Nachordern können wir nicht, wir sind ja einige hundert Kilometer entfernt“, so Kost. Das Familienweingut liegt im rheinhessischen Horrweiler bei Bingen am Rhein. Also muss alles mit in den Lkw, was irgendwie benötig werden wird, auch der Schankwagen wird mitgebracht. „Wir müssen leider zum Schützenplatz zum Parken, in der Stadt darf man mit einem Auto dieser Größe nicht parken.“ Heinz-Friedrich Kost macht sich auf den Weg, um den Lastwagen wieder abzustellen.

„Wir sind die Senioren der Familie“, sagt die 71-Jährige. Warum tun sie sich die Strapazen noch an? „Aus Leidenschaft. Wir machen schon fast 50 Jahre Weinstände“, sagt sie. Der erste war noch selbst gezimmert. Die Erfahrung hilft auch, um einzuschätzen, welche Weine wohl besonders gut gehen werden und sie entsprechend zu bevorraten. Rosé, Riesling und Grauburgunder gingen dieses Jahr besonders gut.

 

Liebe auf den ersten Schluck

Und manchmal vergucken, verschmecken, verschnuppern sich die Gäste dann richtig. So wie zwei junge Eltern, die extra früh beim Stadtbummel einen Schlenker über den Weinmarkt machen. „Moin, hallo! Wir waren gestern hier und haben einen so leckeren Rosé getrunken. Ist Sonntag erst der Abverkauf? Ich wollte mal nachfragen“, fragt der Vater. Ja, erst Sonntag, ab 18 Uhr. Sie wollen wiederkommen und sich eine Flasche besorgen. „Er war sehr sommerlich-leicht und total ausgewogen“, so der Celler. Quasi Liebe auf den ersten Schluck.

 

Vorbereitungen bis kurz vor Eröffnung

Die Öffnung des Marktes um 12 Uhr rückt näher, die letzten Handgriffe laufen. An einem Flammkuchenstand ist der braune Rollladen noch fast ganz geschlossen. Durch den Spalt sind ein paar Hände sichtbar, die emsig Zutaten für das flache Gebäck aus Frankreich schnippeln.

Was so am Stand des Weinguts Pfleger-Karr los ist? „Arbeit ist los. Bude aufräumen, putzen, alles abtrocken vom Regen“, sagt Betreiber Helge Fichtelmann. Und die Wein-Vorräte auffüllen natürlich. So ganz lasse sich nicht vorausplanen, was besonders viel getrunken werde. „Das variiert. Es ist immer etwas unterschiedlich, auch bei den Jahrgängen“, so Fichtelmann, bevor es wieder an die Arbeit geht. Er ist in Eile.

 

Samstag ist für Servicekräfte der Hauptkampftag

Servicekräfte Jennifer König, Kiara Schütte und Nadine Mahdjoub vom Stand des Weinguts Schmitt-Peitz haben alles erledigt und können jetzt einen Augenblick durchatmen und in Ruhe einen Cappuccino trinken, bevor es in die Vollen geht.

„Samstag ist schon immer viel“, sagt König. „Gestern war auch schon sehr gut, dafür dass es unter der Woche war“, ergänzt Mahdjoub. Ein Mann mit Sonnenbrille und hellrotem Hemd nährt sich der Gruppe – der erste Gast? „Guten Tag, ich habe eine Frage, kann ich bei Ihnen einen Tisch reservieren“, fragt Torsten Bartels. Der Wathlinger würde gerne zusammen mit sieben Freunden kommen und hat Sorge, dass nicht alle zusammensitzen können. Eigentlich wird nicht reserviert, doch es gibt eine Ausnahme.

 

Von Wein zu Bier, das rat ich dir

„Das ist der erste Tag und auch der einzige. Morgen geht es in den Urlaub nach Oberbayern“, so Bartels. Vom Weinmarkt ins Land der Biertrinker. „Ich bin da kreativ und kann mich umstellen“, scherzt er.