Mordfall Ruth Buchelt

Scheuen: Polizei sucht in Garten nach Spuren

Die Mordkommission "Torso" durchsucht einen Garten in Scheuen, in dem Olaf W. viel Zeit verbracht hat. Die Beamten finden aber nur Tierknochen. So berichtete die CZ am 17. März 1999 darüber. 

  • Von Cellesche Zeitung
  • 17. März 1999 | 18:27 Uhr
  • 01. Sept. 2022
  • Von Cellesche Zeitung
  • 17. März 1999 | 18:27 Uhr
  • 01. Sept. 2022
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Celle.

Bei der Suche nach Leichenteilen im Zusammenhang mit dem Mordfall Ruth Buchelt hat die Polizei gestern ein Grundstück in Scheuen durchsucht. Leichenspürhunde entdeckten ein zirka zehn Zentimeter langes Knochenstück im Garten der ehemaligen Lebensgefährtin des mutmaßlichen Täters Olav W. - allerdings von einem Tier, wie die Analysen im Laufe des Tages ergaben.

Gegen 11.20 Uhr rücken Beamte der Celler Polizei und der Gifhorner Mordkommission (Moko) „Torso" mit zwei Polizeihundeführern und ihren beiden Leichen-, Spür- und Rettungshunden aus Hameln und Göttingen an. Bei der Suche im Garten schlagen beide Vierbeiner unabhängig voneinander an der gleichen Stelle an. Peter Haehnel, Diensthundeführer aus Göttingen, bestätigt wenig später, daß sein dreijähriger Hund „Junior“ ein Knochenstück gefunden hat.

Polizei findet Knoch in Scheuener Garten – "Fehlanzeige"

„Beide Hunde haben leicht angeschlagen“, erklärt der Beamte. „Eigentlich zeigen die Hunde nur Menschliches an. Darauf sind sie trainiert. Aber sie können sich auch irren.“ Wenig später treffen weitere Beamte ein, darunter die Spezialisten der Celler Spurensicherung. Unter den Augen zahlreicher Fernsehteams, die auf Nachbargrundstücken ihre Kameras aufgebaut haben, beginnen die Polizisten an drei Stellen mit ihren Grabungen auf dem Grundstück. Das Knochenstück ist zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem Weg in die Medizinische Hochschule nach Hannover und wird dort untersucht.

„Fehlanzeige“ heißt es Stunden später. „Das gefundene Knochenstück ist eindeutig ein Tierknochen. Es handelt sich um ein Stück Wirbelknochen, vermutlich von einer Kuh“, sagt Kriminalhauptkommissar Norbert Feldmann, Pressesprecher der Gifhorner Polizei am späten Nachmittag auf Nachfrage.

Mordfall Ruth Buchelt: Nachbarn von Olaf W. sind fassungslos

Die Nachbarn können die Tat kaum begreifen. 1997 soll Olav W. die Besitzerin des Scheuener Grundstückes in der Agnes-Miegel-Straße kennengelernt haben. Ab April war er häufig dort zu sehen. Sie alle bestätigen, daß der mutmaßliche Mörder ein hilfsbereiter und freundlicher Mann gewesen sei. „Er hat das Gartenhäuschen und eine Sauna gebaut“, erzählt eine Nachbarin, „und ist mit seiner Freundin ganz zärtlich umgegangen.“ Auch andere Nachbarn bestätigen, daß W. ein sehr fleißiger und patenter Heimwerker war. „Und mit seiner kleinen Tochter ist er sehr liebevoll umgegangen“ berichtet eine andere Frau. Sie weiß, daß eine Bekannte dem „gutaussehenden Olav W. die Wohnung in der Echtestraße vermittelt hat“.

Ein Mann meint: „Dem brauchte man fast nichts zu sagen, da war er schon da.“ Er sagt allerdings auch, daß W. den Garten häufiger umgegraben habe. Dabei galt sein Interesse weniger an die Aussaat von Nutzpflanzen oder Blumen. Vielmehr hat er größere Mengen an Bauschutt und asbesthaltigen Eternitplatten unter der Erde entsorgt. Auf diesen Schutt treffen auch die Beamten bei ihrer Suche nach möglichen Knochenteilen. Immer wieder landen Reste der Eternitplatten auf dem Sieb der Beamten. Verdächtige Erdstücke werden dort gesichtet, genau betrachtet. Doch die Suche nach weiteren Knochenstückchen bleibt erfolglos.

Polizei durchsucht auch Wohnung in der Echtestraße

Auch bei Probebohrungen in einem ehemaligen Brunnen, den W. mit überschüssigem Zement verfüllt hat, finden die Polizisten keine Hinweise. Im Haus der ehemaligen Bekannten, so Norbert Feldmann, haben Beamte der „Moko“ nach weiteren Spuren gesucht. Ob die Ermittler für den Fall relevantes Material gefunden oder zusätzliche Informationen erhalten haben, kann der Pressesprecher noch nicht sagen.

Die Suche nach neuen Spuren beschränkt sich gestern allerdings nicht allein auf das Areal in Scheuen. Auch in der Echtestraße im Celler Heesegebiet fahren gestern morgen Beamte vor. Dabei handelt es sich um Spezialisten eines Spurensicherungsteams des Bundeskriminalamtes (BKA) aus Wiesbaden. Gegen 9.30 Uhr beginnen die Männer ihren Einsatz am Tatort des grausamen Verbrechens.

Steht Olaf W. noch mit anderen Delikten in Verbindung?

Erneut werden Aufnahmen gemacht, vom Treppenhaus und in der Wohnung. In ihren weißen Anzügen, die verhindern sollen, daß Haare, Hautpartikel und Fasern das Spurenbild beeinträchtigen, macht sich das Team auf die mühsame Suche. „Die Spezialisten haben nach Spuren aller Art, Fasern, Fusseln, Hautschuppen und Blutresten gesucht", sagt Norbert Feldmann. Die Gifhorner „Moko“ hätte die Männer angefordert, weil das BKA über Spezialgerät und Methoden verfüge, „das wir nicht besitzen.“

Zudem sollen die Experten feststellen, ob sich Spuren finden lassen, die möglicherweise anderen Delikten zugeordnet werden können. Die Auswertung der gefundenen Teile könne noch Wochen dauern, erläutert der Polizeisprecher. Die genauen Aufträge der Männer aus Wiesbaden könne er aber nicht benennen. „Je konkreter die Wünsche, desto schneller das Ergebnis“, so sein einziger Kommentar. Auch sonst gibt Feldmann keine neuen Erkenntnisse preis. Offen bleiben die Fragen nach dem Motiv und wie Ruth Buchelt am 28. Februar von ihrem Mörder getötet und anschließend zerstückelt wurde.

Der Text ist am 17. März 1999 im Original in der Celleschen Zeitung erschienen. Wir haben lediglich die gefetteten Zwischenzeilen hinzugefügt. 

 

Von Cellesche Zeitung