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Warum ein 18-jähriger Celler die Mode aus den Goldenen Zwanzigern liebt

Der 18-jährige Schüler Ole Kuhtz kleidet sich gern im Stile des frühen 20. Jahrhunderts. Damit erregt er oft die Aufmerksamkeit seiner Mitmenschen.

  • Von Marie Nehrenberg-Leppin
  • 09. Dez. 2022 | 06:55 Uhr
  • 09. Dez. 2022
  • Von Marie Nehrenberg-Leppin
  • 09. Dez. 2022 | 06:55 Uhr
  • 09. Dez. 2022
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Celle.

Wenn Ole Kuhtz unterwegs ist, kann es durchaus vorkommen, dass er alle Blicke auf sich zieht. Während andere Jugendliche darauf achten, möglichst up-to-date und trendy gekleidet zu sein, setzt der 18-Jährige lieber auf Mode der 20er und 30er. Ganz stilecht mit Taschenuhr, Wechselkragen und Weste. Nicht zu vergessen der Zylinder. "Das ist ein originaler Chapeau Claque", sagt er und streicht liebevoll über die Oberfläche des Huts. "Den habe ich erst kürzlich in einem Antiquitätenladen gefunden. Er müsste aus dem frühen 20. Jahrhundert stammen."

 "Mir hat gefallen, dass die Kleidung damals viel hochwertiger war, als die Fast Fashion, die es heutzutage so gibt. Die Kleider haben länger gehalten und wenn mal ein Knopf abgefallen ist, hat man ihn halt wieder angenäht."

Ole Kuhtz

Damals war Mode nachhaltiger als heutige Fast Fashion

So ganz genau sagen, wann und warum er sich eigentlich in die Mode vergangener Zeiten verliebt hat, das kann er gar nicht. Es war vielmehr ein schleichender Prozess, das Interesse an Geschichte begleitet ihn schon lange. "Mir hat gefallen, dass die Kleidung damals viel hochwertiger war, als die Fast Fashion, die es heutzutage so gibt. Die Kleider haben länger gehalten und wenn mal ein Knopf abgefallen ist, hat man ihn halt wieder angenäht", erzählt er. "Das hat mir imponiert und ich finde schade, dass das heutzutage nur noch selten der Fall ist."

Die Hosenträger vom Uropa als heiligstes Teil

Doch nicht nur der Aspekt der Nachhaltigkeit hat den Schüler zu seinem Hobby geführt. "Mir gefällt die Mode tatsächlich auch einfach sehr gut. Ich habe viel recherchiert und erst einmal angefangen zu sparen, denn eine Hose für 150 Euro ist nicht mal eben so drin." Irgendwann kaufte er sich dann sein erstes Stück, seitdem kommt nach und nach immer mal was dazu. Gerne mit Geschichte. "Eines meiner heiligsten Teile sind Hosenträger, die meinem Urgroßvater gehört haben. Das ist natürlich am authentischsten und halt auch noch einen persönlichen Wert. Also ein richtiger Jackpot für mich."

"Eines meiner heiligsten Teile sind Hosenträger, die meinem Urgroßvater gehört haben. Das ist natürlich am authentischsten und halt auch noch einen persönlichen Wert."

Ole Kuhtz

Bei Unterwäsche hört der Spaß auf

Second-Hand-Teile, die damals tatsächlich schon getragen wurden, gefallen Ole Kuhtz am besten. "Solche Schätze zu finden, das macht mir am meisten Spaß", sagt er. Mit einer Ausnahme. "Getragene Unterwäsche würde ich trotz aller Authentizität dann wohl doch eher nicht kaufen und tragen."

Geschichte als Lieblingsfach

Im kommenden Jahr wird der 18-Jährige sein Abitur am Kaiserin-Auguste-Viktoria-Gymnasium machen. Einer seiner Leistungskurse? "Natürlich Geschichte", sagt er lachend. "Aber das, was so auf dem Lehrplan steht, ist mir persönlich nicht tiefgründig genug. Wenn es anfängt richtig interessant zu werden, dann steht schon wieder ein anderes historisches Ereignis an."

Positive Resonanz von Mitschülern

Im Schulalltag trägt er ebenfalls nur die Kleidung, die ihm gefällt. "Klar", meint er. "Das ist mein Stil, auch wenn es ungewöhnlich ist, aber für mich ist es keine Verkleidung." Dass er schon einmal wirklich komisch angeguckt, geschweige denn ausgelacht wurde, daran kann sich der Schüler nicht erinnern. "Natürlich fällt man auf, aber das ist mir bewusst. Die meisten schauen aber eher neugierig und interessiert. Ich habe schon viel positive Resonanz bekommen."

Ausstellung von Zeichnungen im Celle Coffeeshop

Abgesehen von Mode hat Ole Kuhtz noch zwei weitere Leidenschaften, die aber doch irgendwie alle zusammenpassen. Er liebt Schiffe und Zeichnen. "Mein Großvater war Schiffbauingenieur, das hat mich auch schon immer fasziniert. Ich selbst möchte nach der Schule auch eine Ausbildung zum Schiffsbauer machen. irgendwann fing ich an, Schiffe zu zeichnen und Modelle zu bauen", berichtet er. Kürzlich stellte er seine Werke erstmalig im Coffeeshop in Celles Altstadt aus. "Ich zeichne eigentlich, seit ich einen Stift in der Hand halten kann."

Ebenfalls in Arbeit: Ein historischer Roman

Wenn neben Schule, Zeichnen, Modellbau und der Liebe zur Mode noch Zeit übrig bleibt, setzt sich Kuhtz gerne an den Schreibtisch und schreibt. An seinem eigenen Roman. "Das Projekt begleitet mich schon eine Weile, die Idee hatte ich schon vor Jahren. Es dauert und kostet viel Zeit und viel Recherche. Ich will alles genau verstehen und wissen, worüber ich schreibe", sagt er. "Aber bis er mal fertig ist, da wird noch einige Zeit vergehen." Wovon der Roman handelt? Natürlich von längst vergangenen Zeiten, von einem Jungen, der sein Glück auf einem Schiff auf hoher See sucht. Wie könnte es auch anders sein.

Der Text wurde erstmals am 5. April 2022 um 18.01 Uhr auf unser Internetseite veröffentlicht.