Mammutaufgabe

Celler helfen Pfadfindern beim Reifenwechseln

Der Anschlag auf die Autos der Pfadfinder zog weite Kreise. Unbekannte hatten an 92 Autos die Reifen zerstochen. Nun leistete ganz Celle Wiedergutmachung.
  • Von Marie Nehrenberg-Leppin
  • 05. Aug. 2022 | 19:00 Uhr
  • 05. Aug. 2022
  • Von Marie Nehrenberg-Leppin
  • 05. Aug. 2022 | 19:00 Uhr
  • 05. Aug. 2022
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Celle.

Glück im Unglück hatten die 1400 Teilnehmer des Bundesjugendlagers der Christlichen Pfadfinderinnen und Pfadfinder (CPD): Nachdem ein Unbekannter an 92 Autos die Reifen zerstochen hatte, nahm Ortsbrandmeister Stefan Schmidt das Flottmachen der Fahrzeuge koordinierend in die Hand. Denn der ist, wie der Zufall so will, Inhaber eines Autohauses, und er war sofort zur Stelle, als Hilfe Not tat. „Wir wollen gutmachen, was hier in unserem Ort von einem Unbekannten an Schaden angerichtet wurde“, sagte der ehrenamtliche Brandbekämpfer zu seiner Motivation. Und bestellte in einer Hau-Ruck-Maßnahme Ersatzreifen.

Helfer von DLRG, THW, Celler Feuerwehr und viele mehr

„Mehr als 70 Leute aus unserem Bundeslager haben das Angebot angenommen“, erklärten die Pressesprecher des CPD, Franziska Weiß und Felix Langer. Und das sah so aus: Schmidt sorgte nicht nur fürs Material. Er rückte am Freitagnachmittag auf dem Parkplatz am Pferdehof mit Helfern aus Freiwilliger Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und DLRG an. „Die haben sich alle von sich aus bei mir gemeldet“, erklärte Schmidt und hob hervor: „Ohne ein solch großes Team zur Unterstützung ginge gar nichts.“

Auch Celler Autohäuser unterstützen bei Reifenwechsel-Aktion

Die Experten aus mehreren Celler Autohäusern übernahmen, in einer konzertierten Aktion, die spezielle Demontage und Montage des Reifenmaterials. Gruppen aus Spezialisten und ihnen zuarbeitenden Helfern wurden gebildet. Defekte Reifen wurden gestapelt aufgetürmt, Holzblöcke zum Abstützen wurden herbeigetragen und die neuen „Räder“ wurden vom Stapel genommen. Was die Aufgabe erschwerte: Es waren ja Reifen für die unterschiedlichsten Marken und Modelle zu montieren. Aber Lagerleiter Corvin Sieg am Laptop und seine Leute hatten den „digitalisierten Zuordnungsüberblick“.

Pfandfinder überwältigt von Hilfsbereitschaft der Celler

Dem „Pfadfinderchef“ lag es am Herzen, „allen zu danken, die uns hier so toll helfen. Wir haben anfangs ja nicht gewusst, wie wir das Problem in den Griff kriegen könnten.“ Eine solche Reifenwechsel-Aktion, sie kommt einer Mammutaufgabe gleich, hatte Wolfgang Lindmüller noch nie erlebt. Der Mann aus Celle ist Bundesvorsitzender des Technischen Hilfswerks und war nach Bennebostel gefahren, „um mal zu sehen, wie sich meine Leute so machen.“ Über Stefan Schmidt sagte Lindmüller gleich zu Anfang: „Der kriegt das hier hin.“ Der so Gelobte sagte über seinen Gemütszustand am Einsatzort mit Blick auf das Engagement aller Helferinnen und Helfer: „Zwischendurch bekomme ich manchmal eine Gänsehaut.“

Koordination wird ebenfalls zur Mammutaufgabe

Christoph Glantz aus Westercelle hatte schon vor dem Eintreffen der großen Helfergruppe viel zu tun. Er ist Pfadfinder, und weil er am Ort wohnt, hatte er schon bei der Standortplanung und bei dem Aufbau des Bundeszeltlagers geholfen. Am Freitag war er, mit einem Funkgerät ausgestattet, einer der Koordinatoren der Abläufe auf dem Platz. Er kam, wie viele andere auch, bisweilen ins Schwitzen. Peer-Detlev Schladebusch, Mitglied des Rotary-Clubs „Celle Schloss“, stattete dem CPD am Freitag auf dem Reparatur-Areal einen Besuch ab. „Wir als Club wollen helfen“, erklärte er. Schladebusch ließ sich von Felix Langer die Kontoverbindung der Pfadfinder geben, damit Rotary finanzielle Unterstützung leisten kann.