Leiche im Wald vermutet

Hellseher in Vermisstenfall eingeschaltet

Mandy Müllers Familie schaltete den bekannten Hellseher Michael Schneider ein. So berichtete die Cellesche Zeitung am 31. Mai 2017.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 31. Mai 2017 | 18:41 Uhr
  • 22. Sept. 2022
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  • 31. Mai 2017 | 18:41 Uhr
  • 22. Sept. 2022
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Celle.

Als Thomas Krüger in ein Waldstück südlich von Winsen kommt, wird ihm ganz komisch. Dem 43-Jährigen läuft plötzlich ein kalter Schauer über den Rücken. „Irgendwas muss da sein“, sagt Krüger. Er ist der Cousin von Mandy Müller, die vor acht Jahren auf mysteriöse Weise in Celle verschwand. Auch Mandys Tante Waldtraut Schmidt berichtet unabhängig davon von einem „gruseligen Gefühl“, als sie den Wald zum ersten Mal betritt. Im November hatte sie den bekannten Hellseher Michael Schneider eingeschaltet. Er ist sich sicher: „Hier liegt Mandys Leiche.“

Hellseher bereits im Time Kraus Fall erfolgreich

Schneider, der einige Jahre als Polizeireporter für mehrere TV-Sender gearbeitet hat, geht seit 2006 „nur“ noch seiner Berufung nach, vermisste Menschen und Tiere aufzuspüren. Ehrenamtlich und unentgeltlich unterstützt er Angehörige bei der Suche. Auf seiner Homepage listet er die Kriminalfälle auf, in denen er die richtige Eingebung hatte. Zuletzt hatte er der Polizei im Fall des HSV-Managers Timo Kraus drei Tage nach dessen Verschwinden den Tipp gegeben, dass sie bei den Landungsbrücken 6 in der Elbe tauchen sollten. „Auch wenn der von mir vermutete Fundort ein paar Hundert Meter vom Auffindeort entfernt liegt, so wurde er freischwimmend in der Fahrrinne entdeckt, was bedeutet, dass er bei Ebbe und Flut hin- und hertransportiert wurde“, so Schneider. „Und zudem stimmte mein beständiges Insistieren auf einer weiteren Suche an den Landungsbrücken, während die Polizei den Suchradius zwischen Nordsee und Hamburg so groß fasste, dass sie eine weitere Suche ausschloss, was sich retrospektiv als Fehler herausstellte.“

Zwei mögliche Orte im Wald zwischen Winsen, Oldau und Wietze identifiziert

Schmidt war durch den Fall der ermordeten Joggerin in der Nähe von Freiburg im November 2016 auf Schneider aufmerksam geworden. Hier soll der Hellseher der Polizei den Fundort bereits 30 Stunden nach dem Verschwinden auf 200 Meter genau mitgeteilt haben. Zudem soll er richtig vorhergesagt haben, dass das Opfer weder vergraben wurde noch im Wasser liege. „Ich habe mich bei Orten auch schon mal getäuscht“, gibt Schneider zu. „Aber ich lag auch schon oft richtig – einen Versuch ist es daher wert.“ Wie bei anderen Vermissten hat der Seher im Fall „Mandy Müller“ nur ein Foto und den Namen sowie die Informationen, dass sie aus Nienburg kommt und in Celle verschwunden ist, bekommen. „Ich bin mir sehr sicher, dass sie tot ist“, sagt Schneider, der anhand einer Karte den Ort koordinatengenau lokalisiert hat, wo Mandys Leiche liegen soll – im Wald zwischen Winsen, Oldau und Wietze. Der Familie hat er in diesem Waldstück allerdings noch einen zweiten möglichen Ort genannt. Die beiden Stellen liegen 690 Meter auseinander. Schneider will damit erreichen, dass die Leiche auch gefunden wird, wenn er ein paar hundert Meter daneben liegt. „Die genauen Koordinaten anhand von Karten festzulegen, ist sehr schwer“, sagt Schneider, der nicht selbst vor Ort war. Dass Mandys Leiche in Adelheidsdorf, wo ihr Handy am 14. September 2008 letztmalig geortet wurde, vergraben wurde, schließt der Seher dagegen kategorisch aus. Die Polizei hatte hier 2010 zweimal gegraben. „Neben meiner subjektiven seherischen Sicht sprechen dagegen auch rationale Gründe“, so Schneider.

Verzweifelt: Meinung von Christopher Menge

Seit über acht Jahren fehlt von der damals 18-jährigen Mandy Müller jede Spur. Seitdem läuft die Suche nach der berühmten Nadel im Heuhaufen – erfolglos. Die Mordkommission der Polizei Celle/Nienburg ist längst aufgelöst, die Staatsanwaltschaft Celle hat die Akte im September 2011 geschlossen. Seitdem gilt Mandy „nur“ noch als vermisst. Man muss aber kein Hellseher sein, um mit fast hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit sagen zu können, dass Mandy nicht mehr lebt. Das gibt auch Seher Michael Schneider zu, den die Familie eingeschaltet hat. Es ist nachvollziehbar, dass die Angehörigen nach diesem letzten Strohhalm greifen. Zumal Schneider für seinen Tipp keine Belohnung oder ein Honorar verlangt. Doch rational betrachtet, spricht für die benannte Stelle im Wald südlich von Winsen genauso viel wie für jedes andere Waldstück im Umkreis von Celle – oder halt genauso wenig. Es wäre den Angehörigen zu wünschen, dass der Fall endlich gelöst wird, damit sie abschließen können. Doch dass ein Hellseher nach so langer Zeit – ohne Kenntnisse zum Fall – durch Tippen auf eine Karte den Ort lokalisieren kann, wo Mandys Leiche liegt – dafür fehlt mir der Glaube.

Von cz