Landtagswahl

Für Manuela Mast steht der Mensch im Fokus

Der Wunsch, gegen rechte Bewegungen in der Gesellschaft einzustehen, brachte Manuela Mast zu Ihrer Partei. Für Die Linke will sie nun in den Landtag einziehen.

  • Von Jana Wollenberg
  • 23. Sept. 2022 | 09:31 Uhr
  • 23. Sept. 2022
  • Von Jana Wollenberg
  • 23. Sept. 2022 | 09:31 Uhr
  • 23. Sept. 2022
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Celle.

Der Celler Hafen ist für Manuela Mast ein Ort, an dem sie Zeit mit ihrem Sohn verbringt und eine Auszeit vom Alltag nimmt. Zugleich ist die dortige Baustelle aber auch ein Platz, der zeigt, was sich in der Wohnungsbaupolitik ändern muss: Die Mieten seien zu hoch, sagt sie, es gebe zu wenig sozialen Wohnungsbau. Viele Cellerinnen und Celler, die eine bezahlbare Wohnung suchen, hätten hier das Nachsehen gegenüber wohlhabenden Menschen. Am 9. Oktober will die 40-Jährige aus dem Wahlkreis Celle für Die Linke in den niedersächsischen Landtag einziehen.

Überzeugte Nicht-Autofahrerin

Der Wunsch, sich gegen rechte Bewegungen zu engagieren, brachte Mast vor rund einem Jahr zu ihrer Partei. Sie wurde zur stellvertretenden Vorsitzenden des Kreisverbands der Celler Linken und zur Beisitzerin im Landesvorstand gewählt. „Es wird in der Politik oft mehr auf wirtschaftliche Punkte geachtet als auf den Menschen“, sagt die 40-Jährige. „Ich sehe immer öfter, dass einfache Bürgerinnen und Bürger sich nicht mehr von der Politik vertreten fühlen. Da muss sich etwas ändern.“ Auch, weil es für rechte Parteien und Gruppen einfach sei, genau die Menschen, die sich nicht gehört fühlen, für sich zu gewinnen. Einstehen will Mast für Vielfalt in der Gesellschaft, egal ob bei Herkunft, sexueller Orientierung, Geschlechtsidentität, der gelebten Familienform oder körperlichen und geistigen Einschränkungen. Aus diesem Antrieb heraus gründete sie Anfang des Jahres das Aktionsbündnis für gelebte Demokratie mit, das sich gegen „Querdenker“ stellt, mit.

Ein weiteres Thema, das Mast im Landtag voranbringen will, ist die Umstrukturierung und der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. „Es ist nicht mehr die Frage, ob es passiert, sondern eine Frage des Wann“, sagt sie. „Der Autoverkehr nimmt zu viel Raum ein.“ Öffentliche Verkehrsmittel seien eine ökologische und soziale Alternative. Daher müsse es für die Menschen attraktiv werden, auf das Auto zu verzichten. Die 40-Jährige hat selbst keinen Führerschein und bezeichnet sich selbst als überzeugte Nicht-Autofahrerin.

Manuela Mast hofft auf Zweitstimmen für Die Linke

Durch ihr ehrenamtliches Engagement in der Kultur hat Mast auch die Situation der Kulturschaffenden im Blick. „Die Branche hat unter Corona sehr gelitten“, sagt sie, in Folge der Energiekrise seien nun weitere Einbußen zu befürchten. Vor Kurzem wurde in Niedersachsen ein Kulturförderungsgesetz beschlossen. „Es wird sich jetzt zeigen müssen, wie das in die Realität umgesetzt wird.“ Gegebenenfalls könnten Nachbesserungen nötig werden. Nicht zuletzt geht es der 40-Jährigen um die Gleichstellung von Frauen, auch beim Gehalt, und den Kampf gegen sexuellen Missbrauch. „Dafür braucht es mehr Beratungsstellen“, fordert sie.

Mit ihrer Kandidatur kämpft Manuela Mast auch um den Wiedereinzug ihrer Partei in den Landtag: 2017 verfehlte die Linke die Grenze mit 4,6 Prozent knapp. „Als Direktkandidatin einzuziehen, halte ich für nicht perspektivisch“, sagt sie selbst. Ob der Listenplatz 15 ausreicht, wird sich am Wahltag am 9. Oktober zeigen.

Fünf Fragen an ...

... Manuela Mast.

 

Soll angesichts der Energiekrise Fracking oder der Bau von Windenergieanlagen stärker verfolgt werden?

Fracking lehne ich total ab, denn mit dieser Technik entstehen Grundwasserschäden und Erdbeben. Niedersachsen besitzt viel Windkraft, andere regenerative Energien (Sonne, Wasser und Biomasse) können auch lokal noch ausgebaut werden.

 

Wie wollen Sie dem Problem begegnen, dass es zu wenige Lehrende, Erziehende und zu wenige Pflegekräfte im Land gibt?

Insgesamt braucht es in allen drei Berufen mehr Einstellungen mit einem angemessenen Bedarfsschlüssel und tariflicher Bezahlung. 

 

Was ist wichtiger: Bau von Ortsumgehungsstraßen oder Ausbau des Radnetzes?

Als entschiedene Nicht-Autofahrerin und halbe Niederländerin bevorzuge ich ganz klar den Ausbau des Radnetzes. Die Niederlande lebt das schon viele Jahrzehnte vor, dass ein gutes Radnetz zu weniger Autoverkehr führt.  

 

Wie wollen Sie das Busfahren attraktiver machen?

Taktstark, entgeltfrei, einfach – ohne Tarifzonenchaos, auch zu Tagesrandzeiten können Nutzerinnen und Nutzer von der Stadt ins Dorf gelangen. Beleuchtete und barrierefreie Haltestellen mit nahen Fahrradständern erleichtern die Verbindung von ÖPNV und Rad. 


Mit welcher Partei oder welcher Gruppierung würden Sie am liebsten regieren?
Ehrlich gesagt – diese Frage stellt sich mir nicht. Denn die Linke ist bekannt für ihre überaus kritische Oppositionsarbeit und stellt viele für die Regierungsparteien unangenehme Anfragen.