Landtagswahl

AfD-Kandidat Daniel Biermann: Auch mal "rote Linien" ziehen

"Eigene Prinzipien nicht aus den Augen verlieren": Daniel Biermann will im Wahlkreis Celle für die AfD in den Landtag. Der Jurist blickt unter anderem auf Verkehrsthemen – und hat ein windiges Hobby.

  • Von Marius Klingemann
  • 23. Sept. 2022 | 09:42 Uhr
  • 23. Sept. 2022
  • Von Marius Klingemann
  • 23. Sept. 2022 | 09:42 Uhr
  • 23. Sept. 2022
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Celle.

„Immer Lösungen finden“ wolle er, sagt Daniel Biermann, und das „eher rational abwägend als aus dem Bauch heraus“. Das komme ihm sowohl in seinem Job als Rechtsanwalt zugute – die Kanzlei in Bergen führt er gemeinsam mit Vater Dietrich Biermann, ehemaliger Richter am Oberlandesgericht – wie auch bei der politischen Arbeit. 2017 ist der mittlerweile 46-Jährige schon einmal für die AfD bei der Landtagswahl angetreten und hat in „seinem“ Celler Wahlkreis so viele Stimmen geholt, dass er unter den Direktkandidaten den dritten Platz belegte. „Das halte ich auch dieses Mal für realistisch“, sagt Biermann nun. Über die AfD-Landesliste ist er dabei allerdings nicht abgesichert: „Ich nehme es, wie es kommt.“

Zu Privatem will der gebürtige Celler mit Wohnsitz in Hehlentor beim CZ-Gespräch nicht allzu viel erzählen. Immerhin: Die Herzogstadt sei, obwohl beruflich eben im Nordkreis unterwegs, „ganz klar mein Zentrum“. Weg war er nur zum Studium in Würzburg – und ist es heute ab und zu hobbymäßig, wenn es ans Segeln auf Elbe oder Ostsee geht. „Es ist interessant, ohne Motor und nur durch Wind voranzukommen“, erklärt Biermann. Aber, und da wird es gleich wieder politisch: „Man kann sich nicht immer sicher sein, dass der Wind auch ausreichend weht.“

AfD-Kandidat Biermann: Eigene Prinzipien nicht aus Augen verlieren

Das Konzept der aus seiner Sicht „sogenannten“ erneuerbaren Energien hält der AfD-Kandidat für nicht ausgereift, bezeichnet in diesem Zusammenhang das Abschalten des Atomkraftwerks Emsland in Lingen zum Jahresende als „großen Fehler“. „Man sollte zudem versuchen, Nordstream 2 zu öffnen.“ Neben der „Erneuerbaren-zentrierten“ Energiepolitik sieht Biermann auch beim Thema Migration eine „rote Linie“, wenn es um die Kompromissbereitschaft seiner Partei geht: „Auch in der Zusammenarbeit mit anderen sollte man seine eigenen Prinzipien nicht aus den Augen verlieren.“

Verkehr in Celle: "Teilnehmer nicht gegeneinander ausspielen"

Dass die AfD sich für solch eine Zusammenarbeit nicht unbedingt überall bewirbt, ist kein Geheimnis. In Celles Stadtgemeinschaft und der Polit-Szene empfindet sich Biermann aber nicht als Außenseiter: „Es funktioniert parteiübergreifend, das wird einem hier auch nicht schwer gemacht.“ Dennoch seien vor Ort Probleme anzupacken, etwa im Bereich Verkehr: „Es kann nicht sein, dass etwa Radler und Autofahrer gegeneinander ausgespielt werden.“

Biermanns aktuelles Stichwort ist die Wittinger Straße, den dort nun entstandenen Fahrradschutzstreifen samt Parkplatz-Wegfall bemängelt er. Auch die Situation in der Innenstadt, wo er „gerne spazieren“ gehe, sich aber gleichzeitig „kritisch umschaut“, müsse betrachtet werden: „Hier werden häufig Fahrräder gestohlen, die Polizei sollte noch mehr Präsenz zeigen.“

Daniel Biermann: AfD ist "wie Union in den 70ern und 80ern"

Der Ortsratsherr (Hehlentor) und Kreisverbands-Vize, vorher in der CDU unterwegs, ist als Gründungsmitglied seit 2013 in der AfD. Die Partei sieht er nicht als extrem, sondern „wie die Union in den 1970ern und -80ern“. Einen Rechtsruck mache er insgesamt nicht aus: „Vielleicht treten manche AfD-Spitzenleute mittlerweile einfach kerniger auf.“

Fünf Fragen an...

... Daniel Biermann.

 

Soll angesichts der Energiekrise Fracking oder der Ausbau von Windenergie stärker verfolgt werden?

Beim Strom war Deutschland bislang auf Erdgas angewiesen, weil Wind als unbeständiger „Flatterstrom“ nicht grundlastfähig ist. Daran ändert auch ein massiver Ausbau nichts. Die Bundesregierung wird beim jetzigen Russland-Kurs das Fracking-Thema aufmachen müssen. 

 

Wie wollen Sie dem Problem begegnen, dass es zu wenige Lehrer, Erzieher und zu wenige Pflegekräfte im Land gibt?

Neben einem Stopp der Massenzuwanderung, die Einrichtungen und Personalressourcen völlig überfordert, ist die Stärkung der Familienstrukturen bei Kinderbetreuung und Versorgung von Senioren das Wichtigste. Wir haben zudem Millionen von Arbeitslosen, bei denen Kräfte gewonnen werden könnten, wenn sich Arbeit in Deutschland wieder für jeden lohnen würde. 

 

Was ist wichtiger: Bau von Ortsumgehungsstraßen oder Ausbau des Radnetzes?

Durchgangsverkehr lässt sich nur durch Ortsumgehungen fernhalten. Es ist aber auch wichtig, das Fahrradnetz in gutem Zustand zu erhalten und – ohne den Kfz-Verkehr zu behindern – auszubauen.


Wie wollen Sie das Busfahren attraktiver machen?

Busfahren kann immer nur eine Option sein. Um es attraktiver zu machen, müssen Busse sauber sowie technisch einwandfrei sein und die Belästigung von Fahrgästen konsequent geahndet werden. 

 

Mit welcher Partei oder welcher Gruppierung würden Sie am liebsten regieren?

Mit der AfD.