Landtagswahl

Kirschstein will Direktmandat

Mit dieser Nominierung wurde die politische Konkurrenz überrascht. Martin Kirschstein will für die Celler Grünen direkt in den Landtag einziehen.

  • Von Gunther Meinrenken
  • 23. Sept. 2022 | 10:07 Uhr
  • 23. Sept. 2022
  • Von Gunther Meinrenken
  • 23. Sept. 2022 | 10:07 Uhr
  • 23. Sept. 2022
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Celle.

Der Kampf um das Direktmandat für den Landtag war bisher eine Angelegenheit zwischen den Kandidaten von CDU und SPD. Bei der Wahl am 9. Oktober dürfte es zum ersten Mal ein Rennen zwischen drei Bewerbern geben. Mit der Nominierung des ehemaligen Chefarztes der AKH-Kinderklinik, Professor Dr. Martin Kirschstein, ist den Celler Grünen ein Coup gelungen, mit dem sie den etablierten Parteien ernsthaft Konkurrenz machen. Kirschstein, der durch seine berufliche Tätigkeit nicht nur große Popularität, sondern auch großes Vertrauen in der Bevölkerung genießt, ist sich seiner Chancen durchaus bewusst. "Ich will direkt in den Landtag einziehen", so der Mediziner, der nicht über die Landesliste abgesichert ist.

Schon seit Studium steht Kirschstein den Grünen nahe

Kirschstein sympathisiert schon seit Jahren mit den Grünen. "Ich komme aus einem intellektuellen SPD-Haushalt. Schon im Studium fühlte ich mich eher den Grünen näher", sagt der 65-Jährige, der vor ein paar Monaten in Rente gegangen ist. Bereits vor vier Jahren habe er sich gefragt, was er einmal machen wolle, wenn er nicht mehr arbeite. "Politisch war ich schon immer aktiv. Während meiner Tätigkeit als Chefarzt übte ich über Jahre zahlreiche führende Posten in Ärztevertretungen aus. Von daher weiß ich, wie Landespolitik funktioniert. Ich habe Erfahrung mit Ministerien und Politikern, war an vielen Verhandlungen und Prozessen aktiv beteiligt."

Ehemaliger AKH-Chefarzt erst Ende 2021 bei Grünen eingetreten

Seit 2018 beteiligte sich Kirschstein in der Grünen-Landesarbeitsgemeinschaft Gesundheit und Pflege, "ohne dass ich Mitglied war", berichtet Kirschstein. Ende vergangenen Jahres sei er dann von den Celler Grünen gefragt worden, ob er nicht für den Landtag kandidieren wolle. Und Kirschstein will.

Fachgebiet Gesundheitspolitik

"Es ist klar, dass ich jetzt nicht der Spezialist für die Linden in der Breiten Straße bin. Mein Fachgebiet ist die Gesundheitspolitik", so Kirschstein. Natürlich kenne er sich mit den Grünen-Positionen anderer Bereiche aus, "aber mein Schwerpunkt liegt auf der Verbesserung der ärztlichen Versorgung im Land", erklärt er. Ein Anliegen sei es, die Kliniken in Green Hospitals umzuwandeln. "4,4 Prozent der CO2-Emissionen kommen aus dem Gesundheitsbereich, das ist mehr, als der Flugverkehr verursacht."

Medizinische Versorgung in Fläche verbessern

Weiteres Problem: der Fachkräftemangel. "Wir müssen in der Pflege die Zahl der Ausbildungsplätze erhöhen und mehr Studienplätze für Medizin anbieten. Zudem müssen ausländische Abschlüsse schneller anerkannt werden", fordert Kirschstein. Zur medizinischen Versorgung in der Fläche möchten die Grünen regionale Versorgungszentren schaffen. Doch wie bekommt man die Ärzte dazu, in ländlichen Regionen zu arbeiten? Kirschstein: "Man könnte sie verpflichten, für eine gewisse Zeit auf dem Land zu arbeiten. Ansonsten muss das stärker über die Kassenärztliche Vereinigung gesteuert werden, sprich, die Kassensitze müssen anders verteilt werden."

Fünf Fragen an ...

... Martin Kirschstein.

 

Soll angesichts der Energiekrise Fracking oder der Bau von Windenergieanlagen stärker verfolgt werden?

Windenergie ist die stärkste Kraft unter den erneuerbaren Energien, während Fracking klimaschädliches Erdgas fördert. Um bis 2035 klimaneutral zu werden, soll der Bau von Windenergieanlagen deutlich gesteigert werden. Ebenfalls brauchen wir einen deutlichen Schub bei der Solarenergie: Solaranlage auf jedes geeignete Dach.

 

Wie wollen Sie dem Problem begegnen, dass es zu wenige Lehrer, Erzieher und Pflegekräfte im Land gibt?

Zahl der Ausbildungsplätze erhöhen, duale Berufsausbildung verbessern, Quereinsteiger für den Lehrerberuf qualifizieren, Erwachsenenbildung stärken, ausländische Bildungsabschlüsse schneller anerkennen. Stärkere Wertschätzung der Lehrkräfte und des Pflegeberufs. A13-Besoldung auch in der Grundschule. Bessere Bezahlung in den Pflegeberufen.

 

Was ist wichtiger: Bau von Ortsumgehungsstraßen oder Ausbau des Radnetzes?

Der Ausbau des Radwegenetzes.

 

Wie wollen Sie das Busfahren attraktiver machen?

Mit Ridepooling, buchbaren Rufbussen, flächendeckender Barrierefreiheit in Bussen und Bahnen sowie einem preisgünstigen Klimaticket für den Nahverkehr.


Mit welcher Partei oder welcher Gruppierung würden Sie am liebsten regieren?
Mit der SPD. Hier gibt es in Niedersachsen die meisten Schnittmengen. Gespräche und Koalitionen mit anderen demokratischen Parteien schließe ich nicht aus.

Videos zu den Kandidaten
online unter www.cz.de