Landtagswahl

Nächster Anlauf für Siebold

Erst ist noch jung, aber es ist bereits sein vierter großer Wahlkampf. Philip Siebold tritt bei der Landtagswahl für die Freien Wähler an.

  • Von Gunther Meinrenken
  • 23. Sept. 2022 | 09:21 Uhr
  • 23. Sept. 2022
  • Von Gunther Meinrenken
  • 23. Sept. 2022 | 09:21 Uhr
  • 23. Sept. 2022
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Celle.

Diese Beharrlichkeit ist bemerkenswert. Bereits zum vierten Mal wird Philip Siebold für die Freien Wähler zu einer großen Wahl als Direktkandidat antreten. Der gerade einmal 23 Jahre alte Student war bereits 2017 und 2021 zur Bundestagswahl und 2017 zur Niedersachsenwahl nominiert worden – mit Ergebnissen, die weit ab davon lagen, in den Landtag beziehungsweise Bundestag einzuziehen. Doch das kümmert Siebold wenig. Der Altenhäger ist von seinen Freien Wählern überzeugt und möchte die Ideen des Zusammenschlusses von Wählergemeinschaften platzieren.

Ideen in demokratischem Prozess platzieren

So denkt Siebold auch überhaupt nicht daran, das politische Lager zu wechseln, auch wenn sich andere Parteien über einen so engagierten Nachwuchspolitiker freuen würden. Ganz im Gegenteil. Siebold, Fraktionsgeschäftsführer der WG im Stadtrat, möchte für die Freien Wähler weiter Aufbauarbeit leisten. "Wir haben eine Jugendorganisation gegründet, die Mitgliederzahlen wachsen. In den nächsten fünf Jahren wollen wir den inneren Zusammenhalt weiter stärken. Unser Ziel ist es, über die 5 Prozent zu kommen", sagt Siebold, der die Freien Wähler als sachpolitische Kraft präsentieren möchte. Gerade der Wahlkampf sei eine gute Gelegenheit, am demokratischen Prozess teilzunehmen. "Man konnte schon sehen, dass andere Parteien unsere Ideen aufgegriffen haben", behauptet Siebold.

Angehender Gymnasiallehrer mit Schwerpunkt Bildungspolitik

Als angehender Gymnasiallehrer für Geschichte und Deutsch – Siebold schreibt gerade seine Bachelorarbeit – liegt ein Schwerpunkt seiner Arbeit auf der Bildungspolitik. Erster Kritikpunkt von Siebold: "Die Ausstattung der Schulen wird vielerorts vernachlässigt. Manchmal hat man das Gefühl, dass Prestigeprojekte wichtiger sind und eher finanziert werden als der ganz normale Bürobedarf."

Grundschullehrer werden von Politik als minderwertig behandelt

Siebold hält die Stellenplanung für die Schulen für verfehlt. "Es gibt jede Menge pädagogische Fachkräfte, um tolle Schulen aufzubauen. Gerade im Übergang von der vierten zur fünften Klasse besteht hier ein hoher Bedarf. Aber die Leute werden einfach nicht eingestellt", sagt Siebold, der dafür eintritt, dass alle Lehrer gleich bezahlt werden. "Die Arbeit an Grundschulen wird von der Politik als minderwertig behandelt", stellt Siebold fest.

Oberschulen reformieren

Generell beklagt der Kandidat der Freien Wähler eine Überakademisierung der Berufswelt. "Viele Berufsfelder bauen auf ein Studium auf, auch wenn das gar nicht notwendig ist. Das treibt die Schüler auf die Gymnasien, auch wenn sie dafür nicht geeignet sind. Wir sollten eher den Schwierigkeitsgrad der Gymnasien wieder erhöhen, die Oberschulen reformieren, den Schülern eine bessere Berufsorientierung bieten, auch die Chancen im Handwerk aufzeigen und in einigen Bereichen wieder den mittleren Dienst einführen", so die Position von Siebold, der auch kein richtiges Rezept hat, mehr Lehrer dafür zu begeistern, auch in die Fläche zu gehen. "Wir müssen mehr Lehrer ausbilden. Im Augenblick haben wir so wenig Lehrer, dass es keine Konkurrenz gibt."

 

 

Fünf Fragen an ...

Videos zu den Kandidaten
online unter www.cz.de

... Philip Siebold.

 

Soll Fracking oder der Bau von Windenergieanlagen stärker verfolgt werden?

Fracking ist umweltschädlich und nicht wirtschaftlich, da wir vor der Amortisierung aus fossilem Gas als Energieträger ausgestiegen sein müssen, um unsere Klimaziele zu erreichen! Windkraft muss stark ausgebaut werden, da wir, um unser Stromnetz zukunftsfähig zu gestalten, mehr Leistung aus erneuerbaren Energien bereitstellen müssen.

 

Wie wollen Sie dem Problem begegnen, dass es zu wenige Lehrer, Erzieher und zu wenige Pflegekräfte im Land gibt?

Wir brauchen attraktivere Arbeitsbedingungen und Ausbildungen. Lehrer müssen unabhängig von der Schulform bezahlt werden, Arbeitsbedingungen für Erzieher und Pflegekräfte durch öffentliche Trägerschaften verbessert werden.

 

Was ist wichtiger: Bau von Ortsumgehungsstraßen oder Ausbau des Radnetzes?

Ortsumgehungen verringern den Verkehr in Innenstädten und schaffen somit Platz für andere Verkehrsteilnehmer. Wir brauchen mehr echte Radwege anstelle von Schutzstreifen und Fahrradstraßen.


Wie wollen Sie das Busfahren attraktiver machen? 

Bedarfsgerechte Angebote (hohe Frequenz zu Stoßzeiten) und bezahlbare Fahrkarten. Wir müssen erreichen, dass Individualverkehr ressourcenschonender stattfinden kann, indem wir Carsharing, E-Lastenräder und Fahrradverkehr stärker fördern.

 

Mit welcher Partei oder welcher Gruppierung würden Sie am liebsten regieren?

Bündnis90/Die Grünen.