Kooperation geplant

Allerland und Stadtwerke wollen günstigen Strom für Mieter in Celle

Mieterstrom-Modelle liefern günstigen Strom und haben positive Auswirkungen für den Klimaschutz. In Celle denken die Stadtwerke und die Allerland über eine Kooperation nach.

  • Von Gunther Meinrenken
  • 28. Dez. 2022 | 18:00 Uhr
  • 29. Dez. 2022
Bei einer Kooperation von Stadtwerken und Allerland könnten die Mieter der städtischen Wohnungsbaugesellschaft in den Genuss von günstigem Strom vom "eigenen" Dach kommen.
  • Von Gunther Meinrenken
  • 28. Dez. 2022 | 18:00 Uhr
  • 29. Dez. 2022
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Celle.

Die Idee ist einfach, genial und wird in Celle schon praktiziert. Die Allerland Immobilien GmbH stattet Neubauten oder Bestandsbauten mit Photovoltaikanlagen aus und mit dem daraus gewonnenen Strom werden Geothermieanlagen oder Luft-Wärme-Pumpen versorgt sowie die allgemeinen Verbrauchsquellen wie etwa das Treppenhauslicht. Ein guter Weg, um bis 2045 die Klimaneutralität zu erreichen. Doch es gibt einen großen Hemmschuh, der der optimalen Nutzung im Wege steht.

Vom Dach in die eigene Wohnung

Der Überschuss wird für ein nur geringes Entgelt ins Stromnetz eingespeist, denn die Mieter profitieren von dem günstigen Strom, der auf ihrem Dach erzeugt wird, nicht. „Hier gibt es immer noch administrative und steuerliche Nachteile für die Wohnungswirtschaft. Ich hoffe sehr, dass auf politischer Ebene im nächsten Jahr ein Durchbruch erzielt wird“, sagt Manfred Lork, Geschäftsführer der Allerland. Allerdings führt die städtische Tochter Gespräche innerhalb des Konzerns Stadt mit den Stadtwerken Celle, „um den Mieterstrom, da hinzubekommen, wo er auch hergestellt wird“, sagt Lork.

Kooperation noch nicht spruchreif

„In Deutschland gibt es bereits einige Wohnungsunternehmen und Immobilienkonzerne, die aus strategischen Gründen eine Energiegesellschaft gegründet haben“, sagt Lork. In Celle könnte es in eine andere Richtung gehen. Möglicher Plan: Die Stadtwerke würden die geeigneten Dächer von der Allerland pachten und mit Photovoltaikanlagen ausrüsten. Für die Allerland hätte dies einen großen Vorteil. Mit einem Partner im Boot, der sich um diesen Aspekt kümmert, kann sich das Wohnungsbauunternehmen auf die Sanierung der Gebäude konzentrieren – eine Aufgabe, die eh schon enorme Millionensummen verschlingt. Spruchreif ist die Kooperation allerdings noch nicht.

"Wir führen Gespräche, um den Mieterstrom, da hinzubekommen, wo er auch hergestellt wird."

Manfred Lork, Geschäftsführer Allerland

Stadtwerke Celle könnten schon 2023 loslegen

„Wir könnten in den nächsten sechs bis acht Jahren auf allen geeigneten Dächern der Allerland Photovoltaikanlagen installieren. Im nächsten Jahr könnten wir mit den ersten Häusern beginnen“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Thomas Edathy. Der dort erzeugte Strom würde dann der Allerland und den Mietern angeboten und das zu einem Preis, „der unter den üblichen Marktpreisen läge“, geht Edathy ins Detail.

Für Stadtwerke schwer zu kalkulieren

Für die Stadtwerke ist das neue Geschäftsfeld allerdings nur schwer zu kalkulieren. Das liegt in erster Linie daran, dass die Mieter natürlich Kunden der Stadtwerke werden müssten, „aber jeder Mieter hat die freie Wahl. Wir gehen zwar davon aus, dass sich viele dafür interessieren werden, weil es günstiger für sie ist, aber die Mieter müssen nicht zu uns wechseln, sondern können sich ihren Stromanbieter selbst aussuchen“, erläutert der Stadtwerke-Geschäftsführer. Die Verträge würden immer für ein Jahr abgeschlossen und zudem gäbe es durch Umzüge immer eine gewisse Fluktuation. „Eine 100-prozentige Planungssicherheit wird es für uns nicht geben“, so Edathy.

2000 Kunden könnten profitieren

Passieren könne es zudem, dass nach Abzug des Allgemeinstroms und der Versorgung der Heizungsanlagen nicht genug übrig bleibt, um alle Mieter zu versorgen. „Wir werden das genau durchrechnen. Am Ende gilt, wer zuerst kommt, mahlt zuerst“, sagt Edathy, der nach bisherigen Kalkulationen der insgesamt möglichen Strommenge davon ausgeht, dass bis zu 2000 Kunden in den Genuss des Mieterstroms kommen könnten. Ein nicht unerheblicher Beitrag für den Klimaschutz. Doch es gibt noch weitere Vorteile. „Mieterstrom wird dezentral erzeugt und ist damit krisensicher“, sagt Lork.