Kommentar Landtagswahl

Wählerinnen und Wähler suchen Krisenmanager

Die Landtagswahl wurde dominiert von der Angst der Wählerinnen und Wähler vor Wohlstandsverlust. Ein Kommentar von CZ-Chefredakteur Ralf Leineweber.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 09. Okt. 2022 | 23:35 Uhr
  • 09. Okt. 2022
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  • 09. Okt. 2022 | 23:35 Uhr
  • 09. Okt. 2022
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Celle.

So wichtig ein Thema wie Straßenausbaubeiträge und die Frage, ob diese künftig komplett aus dem Landeshaushalt finanziert werden oder nicht, für die Menschen vor Ort auch ist – diese Landtagswahl wurde dominiert von der Angst der Wählerinnen und Wähler vor Wohlstandsverlust. Gesucht wurden deshalb vor allem Krisenmanager. Dass viele diese Fähigkeit ausgerechnet den Populisten der AfD zutrauen, ist besorgniserregend. Genauso wie die einmal mehr enttäuschende Wahlbeteiligung.

Beim Blick auf die Ergebnisse für den Landkreis Celle fällt auf, dass der ländliche Bereich weiter fest in CDU-Hand ist. So gewann Jörn Schepelmann den Wahlkreis Bergen zum zweiten Mal in Folge klar, und auch bei den Zweitstimmen lagen die Christdemokraten dort trotz deutlicher Verluste vorn. Die SPD jeweils auf Platz zwei ist keine Überraschung, sehr wohl aber die AfD als dritte Kraft noch vor den Grünen. Im Bereich der Stadt Celle sowie der Gemeinden Wietze und Hambühren blieb es am Abend wie vor fünf Jahren lange spannend. Am Ende hatte der bisher nur auf kommunaler Ebene politisch engagierte Alexander Wille im Kampf um das Direktmandat die Nase vorn und folgt auf Thomas Adasch, der sich nach drei Legislaturperioden als Landtagsabgeordneter nicht wieder zur Wahl stellte. Man darf gespannt sein, ob und welche Akzente der Celler in seinem neuen Amt setzen kann.

Wille lag vor dem ebenfalls erstmals auf Landesebene angetretenen Sozialdemokraten Christoph Engelen und dem als Geheimfavorit gehandelten Grünen-Kandidaten Martin Kirschstein. Der erreichte zwar ein sehr achtbares Ergebnis, war aber letztlich chancenlos. Und seine Bekanntheit konnte nicht verhindern, dass auch in diesem Wahlkreis die AfD bei den Zweitstimmen vor den Grünen lag. Besonders enttäuscht sein dürfte man bei der FDP. Dabei hatten die Liberalen doch auf der Zielgeraden mit ihrem Kampf gegen einen Neubau der Bahntrasse zwischen Hannover und Hamburg den Nerv vieler Wählerinnen und Wähler getroffen – was von der angeblichen Vorentscheidung in dieser Angelegenheit am Ende wirklich bleibt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.

Von von Ralf Leineweber