Keller unter Wasser gesetzt

Celler Jugendherberge: Einbrüche und eingeschlagene Fenster

Seit bald fünf Jahren steht die Celler Jugendherberge leer. Jetzt nimmt der Vandalismus auf dem Grundstück und im Gebäude zu.

  • Von Gunther Meinrenken
  • 22. Jan. 2023 | 09:00 Uhr
  • 22. Jan. 2023
Vor etwa 14 Tagen wurden Scheiben an der ehemaligen Celler Jugendherberge eingeschlagen.
  • Von Gunther Meinrenken
  • 22. Jan. 2023 | 09:00 Uhr
  • 22. Jan. 2023
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Celle.

Der Zaun zur Petersburgstraße ist an mehreren Stellen eingetreten worden, lose Planken liegen auf dem Rasen, im Eingangsbereich ist das Fenster neben der Eingangstür eingeschlagen, gleiches gilt für ein Fenster auf der gegenüberliegenden Seite, unzählige Glassplitter liegen auf dem Boden, auf dem sich zudem eine große Wasserlache ausgebreitet hat – die Celler Jugendherberge ist dem Verfall preisgegeben. Die Immobilie, die seit 2018 leer steht, wird von Vandalen heimgesucht.

Scheiben eingeschlagen

"Der jüngste Vorfall hat sich am 7. Januar ereignet, zumindest ist das das Datum, an dem wir es bemerkt haben", sagt Stephan Stracke. Er ist zusammen mit Jan von Hörsten Geschäftsführer der Winsener Bauwerk GmbH mit Sitz in Stedden, die die Jugendherberge gekauft hat. "Da wurden die Scheiben eingeschlagen, aber wir hatten auch schon andere Vorfälle", so Stracke.

"Im Augenblick halten alle die Füße still. Kein Wunder: Bei vier Prozent Zinsen, wer kann da noch bauen?"

Stephan Stracke, Geschäftsführer Bauwerk GmbH

Keller unter Wasser gesetzt

"Uns wurden Wasserrohre gestohlen. Die wurden unter Druck abgebaut, der ganze Keller hat unter Wasser gestanden", berichtet Stracke. Einmal habe eine aufmerksame Nachbarin Leute bemerkt, die Sachen aus der Jugendherberge getragen hätten. "Sie hat sich das Kennzeichen des Autos aufgeschrieben. Die Polizei hat ermittelt. Gehört haben wir davon allerdings nichts mehr", sagt der Immobilienexperte, der Ärger mit leerstehenden Gebäuden gewohnt ist. "Das ist leider oft so. Wir werden jetzt natürlich die beschädigten Fenster wieder zumachen."

Auf dem Gelände der ehemaligen Jugendherberge wurden die Zäune demoliert.

Celler Polizei verzeichnet zwei Einbrüche

Bei der Polizei sind zwei Einbrüche aus dem vergangenen Jahr aktenkundig. Einer aus dem Oktober und einer aus dem März, bei dem es sich um den von Stracke geschilderten Fall handelt. Die Angelegenheit liegt mittlerweile bei der Staatsanwaltschaft Celle. "Über das Autokennzeichen konnte ein Tatverdächtiger ermittelt werden. Dieser räumte zwar seine Anwesenheit mit dem Pkw im Bereich des Tatortes ein, bestritt aber, den Einbruch begangen zu haben. Im Rahmen einer von der Polizei durchgeführten Wahllichtbildvorlage konnte er nicht eindeutig als Täter identifiziert werden. Die abschließende Bewertung der Ermittlungsergebnisse steht noch aus", so Stefanie Vogler, Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Fragezeichen nach geplatztem Tauschgeschäft

Wie es mit dem Grundstück weitergehen soll, steht in den Sternen. Stracke und von Hörsten hatten die Jugendherberge mit dem Ziel gekauft, dort ein Altenheim zu errichten. Bei den Nachbarn und Ortsratsmitgliedern stieß das auf wenig Gegenliebe. Im November 2021 deutete sich ein Tauschgeschäft an. Die städtische Allerland baut auf dem Jugendherbergsgelände eine neue Kita, im Gegenzug erhält die Bauwerk GmbH von der Allerland in Groß Hehlen ein Grundstück für den Bau eines Altenheims. Doch dieser Deal ist geplatzt.

"Wir nutzen das Objekt zum Taktiktraining."

Jan Wenzel, Pressesprecher Bundesbereitschaftspolizei

Schwierige Planung

"Die Planungen für unser Pflegeheim wurden damit erst einmal zerschossen", so Stracke, der im Augenblick nicht weiß, was auf dem Gelände der alten Jugendherberge geschehen soll. Vielleicht Wohnbebauung? "Ein schwieriges Thema, im Augenblick halten alle die Füße still. Kein Wunder: Bei vier Prozent Zinsen, wer kann da noch bauen?", fragt sich Stracke. Klar ist im Augenblick nur: Die alte Jugendherberge wird auf jeden Fall abgerissen.

Polizei nutzt Haus für Trainingszwecke

Bis dahin dürfte es noch weitere Zerstörungen geben und Jugendliche werden weiterhin das Außengelände und die Treppe vor dem Eingang des Gebäudes für ihre abendlichen Treffen nutzen. Wenn nicht gerade die Polizei vor Ort ist. Nicht, um nach dem Rechten zu sehen, sondern, um in dem Gebäude zu üben. "Wir haben die Immobilie der Feuerwehr und der Bundespolizei zur Verfügung gestellt. Das machen wir immer so", betont Stracke. "Wir nutzen das Objekt zum Taktiktraining", erklärt Jan Wenzel, Pressesprecher der Bundesbereitschaftspolizei in Uelzen.