Jede Menge Luft nach oben

Celles schlimmste Gärten

Schotter, Rasen, Draht und Plastik - das sind beim CZ-„Horror-Garten“-Wettbewerb Bausteine für den Erfolg.

  • Von Michael Ende
  • 07. Aug. 2022 | 07:00 Uhr
  • 07. Aug. 2022
  • Von Michael Ende
  • 07. Aug. 2022 | 07:00 Uhr
  • 07. Aug. 2022
Anzeige
Celle.

Sie sind so ehrlich, Fehler einzugestehen, so mutig, damit in die Öffentlichkeit zu gehen und so positiv eingestellt, dass sie Schlechtes in Gutes verwandeln wollen – Hut ab vor allen Teilnehmern des „Horror-Garten“-Wettbewerbs im Rahmen der CZ-Aktion „Celle blüht auf“. Mehrere Dutzend Celler haben sich gemeldet und Impressionen aus ihren „Gärten mit Luft nach oben“ eingesandt. Heute präsentieren wir eine kleine Auswahl von „Horror-Ecken“, aus denen sich etwas machen ließe. Die ist ausdrücklich keine Vorauswahl im Wettbewerb. Eine Jury wird sich sämtliche Einsendungen ganz genau ansehen und dann entscheiden, wer in die Endrunde der schlimmsten Gärten kommt, die dann vor Ort auf Lebensfeindlichkeit in all ihren Auswüchsen geprüft werden. So werden die Gewinner ermittelt.

Rasen und Schotter

Nachdem wir im vergangenen Sommer die schönsten und artenreichsten Gärten im Celler Land gesucht und prämiert haben, drehen wir jetzt den Spieß um: Gesucht werden nun Celles ödeste und artenärmste Gärten. Natürlich sollen die nicht so bleiben: Zusammen mit den Besitzern und den Preisgeldern, die sie gewinnen, wollen wir zum Beispiel Schotterwüsten in blühende Oasen verwandeln. Während öde Rasenflächen legal sind, sind „Schottergärten“ laut Niedersächsischer Bauordnung verboten. Die Stadt Celle möchte am liebsten nicht die „Behördenkeule“ gegen Bürger schwingen, die vielleicht einfach nur gedankenlos seien, heißt es aus dem Rathaus.

3000 Euro zu gewinnen

„Wir wollen den Leuten zeigen, wie es besser geht“, sagt Jens Hanssen, der als Fachbereichsleiter im Rathaus für alles zuständig ist, was grünt und blüht. Er hat auch die Preise für die Gewinner organisiert: „Wir bieten eine gärtnerische Fachberatung an und unterstützen dann bei der Umgestaltung Ihres Gartens.“ Dafür gibt es auch Geld: Der schlimmste Garten bekommt ein Budget von 1500 Euro, der zweite Platz 1000 Euro und der Dritte 500 Euro. „Damit kann man dann auch wirklich schon etwas machen“, sagt Hanssen, der darauf setzt, dass die Gartenbesitzer selbst mit anpacken: „Was man mit eigenen Händen geschaffen hat, weiß man dann auch zu schätzen.“

Ideen und Ahnung gesucht

Anja und Thorsten Balk aus dem Hehlentorgebiet richten sich gerade auf ihrem Grundstück ein und machen beim Wettbewerb mit: „Nach langer Wartezeit ist endlich unsere Terrasse fertig. Leider ist dabei auch viel Garten übrig geblieben. Viel Rasen, einige Bäumchen, Buchsbaum, ein laaanger Gartenzaun, an dem noch so viel Platz nach oben wäre, wenn man die richtigen Ideen und Ahnung hätte. Leider mangelt es uns an beidem.“

Kinder sollen es schöner haben

Sie denke, die eingesendeten Bilder sprächen Bände, meint Jessica Meler: „Wir sind eine vierköpfige Familie, haben das Haus mit Garten vor zwei Jahren so gekauft, und uns fehlen einfach die Zeit und das Geld: Wir wollen es vor allem für die Kinder schöner haben.“

Rasen allein ist nicht genug

„Wir nominieren den rechten Teil unseres Vorgartens als schlimmsten und artenärmsten Garten“, so Sarah Hauschulz und Rüdiger von Massow: „Dort wächst nur etwas Rasen und dieser ist noch nicht einmal sonderlich gepflegt.“ Die beiden hätten ihr Haus im Sommer 2020 gekauft und wollten den Vorgarten schon länger umgestalten: „Da uns der Umweltschutz sehr am Herzen liegt, natürlich auch so, dass die Tierwelt etwas davon hat. Leider sind wir aus zeitlichen und finanziellen Gründen bisher nicht dazu gekommen und seither fristet er dieses trostlose Dasein. Hier soll eine nützlingsfreundliche Fläche entstehen.“

Kleiner Garten mit viel Potenzial

Lea Lambrecht und Marcel Gensecke präsentieren ihren „Vorgarten mit sehr viel Luft nach oben“: „Vor einem Jahr sind wir eingezogen in den Neubau. Seitdem hat sich einiges getan, und so langsam muckeln wir auch im Garten vor uns hin. Was den Vorgarten aber angeht – nun ja: Der ist eine traurige, brache Fläche. Der Rasen tut sich schwer zu wachsen, geschweige denn saftig grün zu werden.“ Die beiden wünschten sich für den Vorgarten eine bunte, blühende, artenfreundliche Gestaltung: „Unser Garten an der Terrasse ist recht klein, sodass wir dort nicht allzu viel angepflanzt haben. Aus diesem Grund wollen wir als Ausgleich den Vorgarten den Insekten und Tieren zur Verfügung stellen.“ Als junge, frischgebackene Gartenbesitzer könnten sie jegliche Hilfe und reichlich Anleitung wirklich gut gebrauchen: „Wir würden uns riesig darüber freuen, wenn ihr unseren Garten als jenen mit besonders hohem Aufwertungspotenzial auswählt, denn so langsam können wir dieses traurige Stück Erde vor unserem Haus nicht mehr ertragen.“

Garten-Frust

Marc Matthesius hat vor zwei Jahren ein Fachwerkhaus mit einem 550 Quadratmeter großen Garten gekauft: „Den Innenbereichen des Hauses habe ich komplett saniert. Jetzt beginnt der 2. Sommer für mich in meinem Eigenheim, aber mein Garten ist immer noch nicht der Ort, wo ich mich gerne nach einem stressigen Alltag zurückziehe. Wo soll ich mich auch hinsetzen? Ich habe nicht mal mehr eine Terrasse, aber dafür ganz viel Sand.“ Matthesius ist überzeugt, dass sein Garten das Zeug zu einem Platz auf der „Nicht-so-richtig-super“-Hitliste habe: „Wie viele Pflanzen in meinem Garten wachsen? Gar keine. Es gibt nichts Grünes! Warum das so ist? Ich sage nur eins: Es ist gar nicht mal so leicht, einen Garten umzugestalten beziehungsweise neu anzulegen.“ Dazu brauche man Zeit und vor allem einen Plan: „Tja und jetzt lebe ich hier in meinem Fachwerkhaus mit einem leblosen Garten, der mich doch echt frustriert.“

Möge der Schlechteste gewinnen

Im Rathaus freut sich Jens Hanssen jetzt auf die Auswertung der Einsendungen: „Es ist klasse, dass so viele Celler mitmachen. Allein das zeigt, dass sie etwas für den Artenschutz tun wollen. Schottergärten sind out. Wir wollen an ein paar Beispielen zeigen, was jeder für einen artenreichen Garten tun kann.“ Jetzt werden die Wettbewerbsbeiträge unter die Lupe genommen und die Finalisten nominiert. Dann heißt es: Möge der Schlechteste gewinnen.