Info-Veranstaltung

Celler nehmen Neubau-Pläne der Bahn auseinander

Bestands-Ausbau statt Trassen-Neubau: Bei den Expansionsplänen der Bahn wollen die Celler ein Wörtchen mitreden.

  • Von Michael Ende
  • 25. Jan. 2023 | 19:00 Uhr
  • 27. Jan. 2023
Gegen Neubaustrecke und für Bestandausbau mit extra Lärmschutz: (von links) Heiko Gevers, Volker Thürk und Christian Ceyp.
  • Von Michael Ende
  • 25. Jan. 2023 | 19:00 Uhr
  • 27. Jan. 2023
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Celle.

Der von der Bahn favorisierte und geplante Neubau der Strecke zwischen Hamburg und Hannover im Raum Celle ist nicht nötig. Auch mit einem Ausbau der Bestandsstrecke könnte man die Leistungsfähigkeit dieser wichtigen Nord-Süd-Verbindung erhöhen und sie zukunftsfähig machen – das ist die Hauptaussage des "Celler Stadtgesprächs", zu dem die CDU in die Partyscheune Lehmann eingeladen hatte. "Der volle Saal zeigt, dass das Interesse in der Bevölkerung riesengroß ist", so CDU-Stadtverbandsvorsitzender Christian Ceyp: "Wir werden die Argumentation der Bahn zum Neubau auseinander nehmen und zeigen, wie man die Strecke und den Bahnhof minimalinvasiv ausbauen kann."

Was läuft da schief?

Diesen Job übernahm Volker Thürk, der 48 Jahre lang im operativen Betriebsdienst bei der DB in Celle, Uelzen und in der Betriebszentrale für Norddeutschland in Hannover tätig war und 2014 zu den Mitinitiatoren der sogenannten "Alpha-E"-Variante zählte. Diesen Streckenausbau-Kompromiss, der Lärmschutz ermögliche, die Landschaft nicht verschandele und dessen regionale Belastung den Nutzen nicht übertreffe, habe die Bahn einfach über Bord geworfen, so Thürk: "Ich habe den Eindruck, bei der Bahn ist etwas schiefgelaufen – ich bin bitter enttäuscht."

So berechnet, dass es passt

Die Bahn rechne einen Ausbau der Bestandsstrecke künstlich teuer, um einen Neubau mitten durch Landschaftsschutz- und Naturschutzgebiete als günstigste Lösung dastehen zu lassen, so Thürk: "Das ist eine ganz linke Angelegenheit. Umweltbelange und die Betroffenheit von Menschen fallen bei dieser Rechnung völlig raus – wir fordern, dass diese Aspekte mit berücksichtigt werden." Sollte die Neubaustrecke kommen, dann brächte sie ICEs, die im Halbstundentakt an Celle vorbeirauschten: "Und nachts schickt uns die Bahn dann Güterzüge auf den Hals."

Rauschen ICEs bald an Celle vorbei?

Ausbau der Bestandsstrecke würde funktionieren

Prognosen zufolge werde der Schienenverkehr bis 2030 um 87 Prozent zunehmen, so Thürk. Dieser zusätzliche Verkehr sei auch mit einem Ausbau der Bestandsstrecke abzuwickeln, wobei man nicht unbedingt auf der gesamten Strecke mehrere neue Gleise bauen müsste: "Das könnte Schritt für Schritt gebaut werden – sozusagen unter dem rollenden Rad, wie es im Bahnjargon heißt." Thürks Vorschlag: mehrgleisiger Ausbau auf freier Strecke nördlich von Celle und abseits von Wohnbebauung, erheblich verstärkter Lärmschutz bei Wohnbebauung und die Veränderung von Kurvenradien, die so auch für Schnellzüge befahr sein sollten. Dabei könnte man punktuell auch mit kleinen Tunneln arbeiten, so Thürk, der an der Karte zeigte, wie es funktionieren könnte: "Das ist machbar, das geht. Platz wäre genug da – auch im Celler Bahnhof." Er habe diese Idee schon einem Bahnplaner vorgestellt: "Aber der hat gesagt, er habe den Celler Bahnhof noch nie gesehen – und solche Leute planen das jetzt."

Der Celler Bahnhof könnte ausgebaut werden.

Und das alles für 13 Minuten?

Boyes Ortsbürgermeister Heiko Gevers (CDU) sagte, dass Naturschutzbelange für die Bahn eher lästig und nur "sekundär" seien: "Wenn ich mir vorstelle, was hier in Celle passiert, wenn drei Eichen gefällt werden, dann bin ich sehr gespannt darauf, was los sein wird, wenn hier für eine neue Bahnstrecke durch Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiete Zigtausende Bäume gefällt werden – und das alles nur, damit man 13 Minuten schneller von Hamburg nach Hannover kommt."

"Das kann alles noch sehr lange dauern"

Die ehemalige Celler SPD-Bundestagsabgeordnete Kirsten Lühmann war auch Mitglied des Aufsichtsrates der Deutschen Bahn. Sie sagte, früher habe es geheißen, die neue Strecke solle 2036 fertig sein, wenn die Planung 2020 fertig sei. Davon sind man weit entfernt: "Es könnte also auch 2038 werden oder 2040 – und da sind Klagen noch gar nicht eingerechnet. Das kann alles noch sehr lange dauern." Die Entscheidung, was wann wo gebaut werde, liege beim Bundestag. Noch könne man darauf Einfluss nehmen, so Lühmann: "Durch Protest kann man die Bahn an den Tisch holen, einen Dialog starten und dann einen Kompromiss finden."

Petition läuft

Wer mit protestieren möchte, kann dies tun, indem er sich auf einer Unterschriftenliste verewigt, die im Internet unter www.trassenabsage.de zu finden ist. Laut Christian Ceyp haben dort bereits 17.000 Bürger die Petition gegen die Neubau-Pläne unterschrieben: "Und es werden jeden Tag mehr."