Hamburger Unternehmen geht an 77er-Straße

B.O.C. kommt nach Celle - lokale Fahrradhändler sehen Discounter als Bedrohung

Die Celler Fahrradhändler bekommen mit B.O.C. starke Konkurrenz. Das sind ihre Befürchtungen, so wollen sie sich aufstellen.

  • Von Gunther Meinrenken
  • 17. Jan. 2023 | 14:00 Uhr
  • 18. Jan. 2023
Sascha Will (links), Geschäftsführer von Fahrrad Brand, ist nicht begeistert über die neue Konkurrenz, die den Celler Fahrradhändlern durch die Ansiedlung von B.O.C. erwächst.
  • Von Gunther Meinrenken
  • 17. Jan. 2023 | 14:00 Uhr
  • 18. Jan. 2023
Anzeige
Celle.

Diese Nachricht sorgte bei den alteingesessenen Celler Fahrradhändler für Verdruss: B.O.C. kommt nach Celle. Das Hamburger Unternehmen mit 41 Standorten in Deutschland wird an der 77er Straße im ehemaligen Autohaus Dürkop noch in diesem Jahr eine Filiale eröffnen. "Ein Discounter ist immer eine Bedrohung", sagt Sascha Will, einer von zwei Geschäftsführern von Fahrrad Brand.

Stadt Celle sind Hände gebunden

Im Dezember hatte sich die Neuigkeit in Celle verbreitet, die Fahrradhändler waren verärgert. Vor allem von der Stadtverwaltung hätte man erwartet, dass die seit Jahrzehnten ansässigen Geschäfte besser geschützt werden. Auch das würde doch wohl zu den Aufgaben einer Wirtschaftsförderung gehören. Ein Gespräch zwischen Stadtmarketing und einigen Händlern brachte Aufklärung. Tenor: Der Stadt sind die Hände gebunden.

"Hinsichtlich einer planungs- und bauordnungsrechtlichen Bewertung dieses Ansiedlungswunsches war für uns ein Verträglichkeitsgutachten zwingend, denn wir wissen das unternehmerische Engagement der ortsansässigen Fahrradhändler sehr zu schätzen."

Myriam Meißner, Sprecherin Stadt Celle

Genehmigung muss erteilt werden

"Da es sich hier sowohl um ein privates Grundstück, als auch um ein Objekt in Privatbesitz handelt, hat die Verwaltung lediglich zu prüfen, ob das Vorhaben planungs- und bauordnungsrechtlich genehmigungsfähig ist. Wenn das, wie im vorliegenden Fall, zutreffend ist, haben wir keinen Spielraum, die Genehmigung zu versagen", erklärt Stadtsprecherin Myriam Meißner.

Spannungsfeld zwischen Neuansiedlung und Bestandspflege

Dennoch wollte die Stadt nicht so ohne Weiteres das Vorhaben absegnen. "Hinsichtlich einer planungs- und bauordnungsrechtlichen Bewertung dieses Ansiedlungswunsches war für uns ein Verträglichkeitsgutachten zwingend, denn wir wissen das unternehmerische Engagement der ortsansässigen Fahrradhändler sehr zu schätzen", fährt Meißner fort. Jede Neuansiedlung wirke sich auf den Wettbewerb in der betreffenden Branche aus. Ein Spannungsfeld, in dem sich eine Verwaltung branchenunabhängig zwischen Neuansiedlungen und Bestandspflege hinsichtlich ihrer Genehmigungen immer bewege.

Kaufkraft fließt nach Hannover ab

Das Gutachten brachte B.O.C. bei. Das Unternehmen hatte sowieso den Markt in Celle analysiert, um zu bewerten, ob der Kuchen groß genug für einen weiteren Händler sei. "Im Kern brachte das Gutachten zum Ausdruck, dass der Handel mit Fahrrädern/E-Bikes ein Wachstumsmarkt sei und dass Celle und sein Einzugsgebiet in diesem Markt ein gutes Teil an Kaufkraft vor allem an Hannover abgibt, da dort ein noch breiteres Spektrum an (großen) Anbietern anzutreffen ist. Celle weist hier noch Defizite auf und möchte mehr Kaufkraft vor Ort binden", fasst Meißner die Expertise zusammen.

Walter Jacoby vom Fahrradhaus Jacoby setzt auf Service, um gegen die neue Konkurrenz durch B.O.C. zu bestehen.

Rabattaktionen bei Zubehör

"Jetzt müssen wir abwarten, wie sich das entwickelt", sagt Walter Jacoby vom gleichnamigen Fahrradhaus. B.O.C. sei dabei immer noch das kleinere Übel. "Besser die als Stadler oder Lucky Bike, die verramschen die Fahrräder regelrecht, denen geht es nur um den Preis", so Jacoby. Nach Auskunft von Händlern in anderen Städten, würde B.O.C. Rabattaktionen vornehmlich bei Zubehör lancieren. "Das kennen wir schon aus dem Internet. Da werden teilweise Sachen zu Preisen angeboten, für die wir die nicht einmal einkaufen können", erklärt Jacoby.

Mit gutem Service dagegen halten

Der Fahrradhändler möchte vor allem mit einem guten Service die Kunden bei der Stange halten. "Wir reparieren alle Fahrräder, auch die, die nicht bei uns gekauft wurden. Da sind auch immer wieder Leute dabei, die ihr Rad bei B.O.C. in Hannover gekauft haben", bestätigt Jacoby, dass einige Celler eh schon zum Fahrradkauf in die Landeshauptstadt gefahren sind.

"B.O.C. hat ganz andere Möglichkeiten beim Einkauf, auch bei den Herstellern, die wir führen."

Sascha Will, Geschäftsführer Fahrrad Brand

Andere Möglichkeiten beim Einkauf

Das Stichwort Service treibt auch Sascha Will um, allerdings unter einem anderen Aspekt. Fachkräfte, gerade im Werkstattbereich, sind auch in der Fahrradbranche rar. "Ich hoffe sehr, dass mein Team so loyal ist und bei uns bleibt", sagt Will. Er befürchtet zudem, dass er zwei oder drei seiner Marken, die er bei Fahrrad Brand über Jahre aufgebaut hat, austauschen muss. "B.O.C. hat ganz andere Möglichkeiten beim Einkauf, auch bei den Herstellern, die wir führen", sagt Will, dem zu Ohren gekommen sei, dass es gerade zu Beginn einer Neueröffnung zu Preisschlachten komme.

Keine Schließung in Lüneburg

Bleibt die Frage nach den langfristigen Folgen. Ist der Kuchen in der Fahrradbranche wirklich vor allem durch E-Bikes so stark gewachsen oder wird B.O.C. Celler Fahrradhändler vom Markt verdrängen? B.O.C.-Geschäftsführer Bernd Heumann hatte behauptet, dass unter den Neueröffnungen etwa in Lüneburg (2017) keiner der dortigen Fahrradhändler habe leiden müssen. Boris Gleditzsch von CityCycles in Lüneburg: "Der Umsatz ist für alle in den vergangenen Jahren angestiegen, der Kuchen ist größer geworden. Von daher ist der Einfluss von B.O.C. schwer zu beurteilen, aber geschlossen hat hier keiner."