Gärtner im Dauereinsatz

So kämpft Stadt Celle gegen Trockenheit

Die andauernde Dürre stellt auch die Stadt Celle vor Probleme. Die Gärtner wässern täglich, mit über 20.000 Litern Wasser pro Tag. Genug ist das jedoch nicht.
  • Von Marie Nehrenberg-Leppin
  • 03. Aug. 2022 | 07:00 Uhr
  • 03. Aug. 2022
  • Von Marie Nehrenberg-Leppin
  • 03. Aug. 2022 | 07:00 Uhr
  • 03. Aug. 2022
Anzeige
Celle.

Immer mal wieder ein bisschen Regen, der am Ende im wahrsten Sinne nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Längst stellt die anhaltenden Dürre auch den städtischen Grünbetrieb vor Probleme. Schließlich müssen Grünflächen, darunter besonders Straßenbäume, Parkanlagen, Verkehrsgrün und Spielplätze trotzdem ihr dringend benötigtes Wasser bekommen.

Zehn Tanks Wasser reichen nicht aus

Franz Kurpiela ist am Dienstagmittag mit seinem Multicar unterwegs. Der Tank, der auf dem Fahrzeug befestigt ist, fasst rund 2000 Liter Wasser. Sein Einzugsgebiet ist ganz Celle. "An einem gewöhnlichen Tag mache ich den Tank bis zu zehn Mal voll und selbst das reicht nicht", erzählt er. Gerade kümmert er sich am Spielplatz an der Hasenbahn um ein paar Magnolien, denen man die Trockenheit bereits ansieht. "Magnolien brauchen viel Wasser. Die sind teilweise schon ganz braun."

Wo gewässert wird entscheidet er selbst

Der gelernte Landschaftsgärtner weiß genau, wo seine Wasserrationen am dringendsten gebraucht werden. Einen Plan, wo er an welchem Tag hin muss, den bekommt er für gewöhnlich nicht. "Ich habe das im Kopf", erzählt er. "Ich schaue von Tag zu Tag und gucke, wo es besonders trocken ist." Gerade in den vergangenen Wochen ist der 56-Jährige dabei stark gefordert. "Momentan fahre ich die Touren alleine, da die Kollegen krank oder im Urlaub sind. Das ist schon anstrengend, vor allem, wenn es so heiß ist." Die Klimaanlage in seinem Fahrzeug nutzt er nämlich nie: "Davon erkältet man sich nur, wenn man die ganze Zeit ein- und aussteigt."

Drei Fahrzeuge transportieren Wasser durch Celle

Insgesamt wässern die städtischen Grünbetriebe mit drei Fahrzeugen. Ein Multicar, ein 7,5-Tonner und ein 12-Tonner. "Dabei kommen Wasserfässer von 500 bis 4000 Liter zum Einsatz", sagt Stadtsprecherin Myriam Meißner. "Zusätzlich wird von den Grünpflegekolonnen in den Anlagen mit Hilfe von Hydranten bewässert, andere Flächen sind mit einer unterirdischen Beregnungsanlage versehen."

Priorität liegt bei Neuanpflanzungen und Parkanlagen

Bewässert werden damit überwiegend Neuanpflanzungen, zum Beispiel Straßenbäume, Strauchpflanzungen, Bodendecker und Stauden sowie insbesondere Pflanzkübel in der Innenstadt, Straßenbäume mit Bewässerungssäcken und durch die Bodenbeschaffenheit schnell austrocknende Flächen. "Besondere Priorität wird auf neu angepflanzte Straßenbäume gelegt, aber auch auf Parkanlagen wie den Französische Garten, den Schlosspark oder die Triftanlagen, um das touristische Erscheinungsbild zu erhalten", so Meißner. Auf den Friedhöfen werden keine Rasenflächen bewässert, sondern nur neu angepflanzte Bäume und Bäume in halbanonymen Themengrabfeldern.

Bewässerungssäcke sollen Wasser einsparen

Um künftig noch besser für trockene Sommer gewappnet zu sein, überlege man stetig, was man verbessern könne. Es gebe eine von der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz (GALK) gesammelte Straßenbaumliste, auf der trockenheitsresistenten Bäumen benannt sind. "Standortverbesserungen für Neupflanzungen werden zum Teil durch vorherige Bodengutachten verbessert, um die Wasserhaltefähigkeit zu erhöhen", sagt Markus Poensgen, Garten-Landschaftsbau-Techniker der Stadt. "Wasser sparen lässt sich beispielsweise durch den Einsatz von Bewässerungssäcken um Bäume sowie PVC-Gießringen um Baumscheiben bei Neupflanzungen." Auf den Grabstätten könne man auf Steingartenstauden setzen. Diese sind resistenter gegen Sonne, Hitze und Trockenheit. "Das kann man unter anderem am halbanonymen Grabfeld mit Steingartenstauden auf dem Waldfriedhof sehen."

Profi-Tipps für den Garten daheim

Für den Garten daheim hat Poensgen dann gleich auch noch ein paar Tipps parat. "Neugepflanzte Pflanzen sollten durchdringend und regelmäßig gewässert werden", sagt er. "Es empfiehlt sich den Garten in den kühlen Nachtstunden oder am frühen Morgen zu wässern, am effizientesten ist der Einsatz von stationären automatisierten Bewässerungsanlagen und, wo möglich, der Einsatz von Zisternen, um das Regenwasser aufzufangen, das beginnt mit einer Regentonne bis hin zu Unterflurwasserspeichern."