Faktor Krise

Celler Haushalt mit vielen Unbekannten

Haushaltsplanung in Krisenzeiten. Mit diesen Widrigkeiten kämpft die Stadt Celle für den Etat des kommenden Jahres.

  • Von Gunther Meinrenken
  • 21. Nov. 2022 | 17:10 Uhr
  • 21. Nov. 2022
Dunkle Wolken über dem Neuen Rathaus. Die künftige Erste Stadträtin und Kämmerin, Nicole Mrotzek, geht für das kommende Jahr von einem Defizit für den Celler Haushalt aus.
  • Von Gunther Meinrenken
  • 21. Nov. 2022 | 17:10 Uhr
  • 21. Nov. 2022
Anzeige
Celle.

Hohe Energiepreise, gestiegene Baukosten, anziehende Zinsen – die durch den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine ausgelöste Inflation stellt nicht nur die Bürger vor große Probleme, sondern auch die Kommunen vor große Herausforderungen. Die Aufstellung des Haushalts ist eine Gleichung mit vielen Unbekannten geworden. Im Neuen Rathaus geht die designierte Kämmerin Nicole Mrotzek davon aus, dass die Stadt für das kommende Jahr wieder mit einem Defizit planen muss.

Haushalt wird im Dezember in Celler Rat eingebracht

Ursprünglich wollte die Finanzverwaltung im Oktober den Etat für 2023 der Politik vorlegen. Doch zu dieser Zeit waren die Zahlen in einigen Bereichen noch mit zu vielen Unwägbarkeiten behaftet. Jetzt soll der Haushalt am 8. Dezember in den Celler Rat eingebracht werden, die Verabschiedung ist für Februar kommenden Jahres geplant.

"Wir werden daher die Haushaltskonsolidierung fortführen, werden wieder ein Konzept erstellen, in dem etwa auch der Verkauf der Rathsmühle enthalten ist."

Nicole Mrotzek, künftige Erste Stadträtin

Energiekosten mehr als verdoppelt

"Die Kostensteigerungen werden sich sowohl auf den Ergebnis-, als auch auf den Investitionshaushalt auswirken", sagt Mrotzek, derzeit noch Leiterin Finanzen im Neuen Rathaus. Beispiel Energiepreise. Der Versorgungsvertrag der Stadt läuft zum Ende des Jahres aus. Bei der Ausschreibung für einen neuen Energieanbieter hat Celle erstmals den Service der Kommunalen Wirtschafts- und Leistungsgesellschaft, die das Einkaufsvolumen von interessierten Städten und Gemeinden bündelt, in Anspruch genommen. "Nach jetzigen Stand rechnen wir mit etwas mehr als einer Verdoppelung der Energiepreise jeweils für Strom und Gas. Aktuell zahlen wir für Strom durchschnittlich 22 Cent pro Kilowattstunden und für Gas 6 Cent pro Kilowattstunde. Insgesamt werden unsere Energiekosten von 1,7 Millionen Euro auf rund 3,6 Millionen Euro ansteigen", rechnet Mrotzek vor.

Das könnte Sie auch interessieren

Stadt Celle will weiter in Schulen investieren

Die steigenden Baukosten werden sich bei Neubauten und Instandhaltungen im Investitionsprogramm der Stadt niederschlagen. In welchem Ausmaß lasse sich bei den sich ständig ändernden Preisen nicht sagen. "Wir wollen auf jeden Fall weiter in die Schulinfrastruktur investieren", sagt Mrotzek. Da mit der Kommunalaufsicht eine Nettoneuverschuldung von null Euro vereinbart sei, würde man das Programm für die Schulen "gerne getrennt von den anderen Investitionen darstellen. Darüber wollen wir mit der Kommunalaufsicht sprechen", so Mrotzek.

"Wir haben aber noch günstige Finanzierungsmöglichkeiten über die NBank oder die Kreisschulbaukasse."

Nicole Mrotzek, künftige Erste Stadträtin

Künftige Kämmerin denkt an Bausparverträge

Steigende Zinsen belasten die städtischen Finanzen bei der Neuaufnahme von Krediten. "Wir haben aber noch günstige Finanzierungsmöglichkeiten über die NBank oder die Kreisschulbaukasse", sagt die künftige Erste Stadträtin. Außerdem könne die Stadt auf die Konzernfinanzierung zurückgreifen. Gleichwohl schaut Mrotzek nach neuen Wegen. "Wir prüfen derzeit die Möglichkeit von Bausparverträgen."

Minus trotz höherer Gewerbesteuereinnahmen

Insgesamt möchte Mrotzek Vorsicht walten lassen. "Wir rechnen zwar mit höheren Gewerbesteuereinnahmen in niedriger zweistelliger Höhe, das bedeutet aber auch höhere Abgaben an den Landkreis und weniger Zuschüsse vom Land." Überschüsse, wie sie die Stadt seit 2018 erzielt, werden im kommenden Jahr dennoch nicht zu erwarten sein, Mrotzek geht von einem Minus aus. "Wir werden daher die Haushaltskonsolidierung fortführen, werden wieder ein Konzept erstellen, in dem etwa auch der Verkauf der Rathsmühle enthalten ist."