Energiekrise

K(l)eine Eiszeit in Celles Bädern

Wer's längst schon tut, ist fein raus: Celles Schwimmbäder müssen Energie sparen.
  • Von Michael Ende
  • 06. Aug. 2022 | 07:00 Uhr
  • 15. Aug. 2022
  • Von Michael Ende
  • 06. Aug. 2022 | 07:00 Uhr
  • 15. Aug. 2022
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Celle.

Die Energiepreise explodieren – alle müssen sparen. So senken auch vielerorts in Deutschland Schwimmbäder ihre Wassertemperatur. In Celle wird das nicht überall so gehandhabt: Während im Badeland an der 77er Straße die Wassertemperaturen leicht reduziert werden, hat man das im Freibad Westercelle gar nicht nötig. Eine Eiszeit im Schwimmbecken müssen Wasserratten nirgendwo befürchten.

Ein paar Grad weniger im Badeland

In den verschiedenen Bereichen des Badeland-Hallenbades herrschen unterschiedliche Temperaturen – von 28 Grad im großen Mehrzweckbecken bis hin zu 35 Grad in den Hot Whirlpools. Im Freibad war das Wasser bisher 24 Grad warm. Jetzt habe man die Regler ein wenig herunter gedreht, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Thomas Edathy: "Wir haben bereits die Wassertemperaturen um 1,5 bis 2 Grad gesenkt und sparen Erdgas. Die Temperaturen der einzelnen Schwimmbecken sind höchst unterschiedlich. Einige Stammgäste haben natürlich gleich gemerkt, dass das Wasser jetzt etwas kälter ist."

Brrrrrrrr...

Zu den Kunden, die den Unterschied registriert haben, zählen Lara Gerberding und Fabienne Bahls. Sie sagen, sie könnten den Sinn der Senkung der Temperatur im Außenbecken verstehen – so richtig begeistert sind sie von der noch etwas kühleren Abkühlung an Hitzetagen jedoch nicht. Bahls: "Es ist für meinen Geschmack einfach zu kalt. Vor allem, wenn man aufgeheizt ins Wasser geht, kann man höchstens fünf Minuten bleiben und muss dann wieder raus."

300.000 Kilowattstunden Einsparung

Immerhin: Die Stadtwerke sparen durch die paar Grad weniger richtig Geld, sagt Edathy: "Das Absenken der Wassertemperatur spart rund 300.000 Kilowattstunden Erdgas pro Jahr." Das ist schon mal eine Hausnummer.

Unverändert weiter betrieben werde die Saunaanlage im Badeland: "Das liegt daran, dass der Strom für die Sauna aus den beiden Blockheizkraftwerken kommt, die sowieso laufen, da ja alle Becken weiter beheizt werden."

Uelzen vor Schließung

Den Menschen in Uelzen stehen hingegen womöglich Monate ganz ohne Hallenbad bevor. Markus Schümann, Geschäftsführer der Uelzener Stadtwerke, die das "Badue" in der Hansestadt betreiben, sieht derzeit angesichts der Energie-Krise keine Möglichkeit für eine Öffnung des Hallenbades in dieser Herbstsaison.

Schlaue Lösung in Westercelle

Während andere noch darüber nachdenken, wie man sich mit moderner Technik aus der Energiekostenfalle befreien könnte, hat man im Freibad Westercelle gut Lachen – denn dort ist dies schon längst geschehen. Das Schwimmbecken wird während der Badesaison auf mindestens 23 Grad geheizt – und der Vorsitzende des Freibad-Fördervereins, Sönke Brockmann, sieht keinen Anlass, dies nicht auch weiterhin zu tun: "Der Grund dafür ist, dass wir unser warmes Wasser aus der Solaranlage auf unserem Dach beziehen."

Die habe man vor Jahren installiert, um Kosten zu sparen. Auf dem Dach fließt das aus dem Becken hochgepumpte Wasser durch schmale, insgesamt 40 Kilometer lange Kunststoffrohre, so genannte Solarabsorber. Dabei heizt die Sonne das Wasser auf. Nun zahle sich das besonders aus, so Brockmann: "Jetzt sparen wir teure Energie. Für unser Wasser müssen wir keine Kohle verheizen – das ist einfach toll."

Stadt Celle äußert sich nicht

Das Westerceller Bad wird von den Stadtwerken, die eine städtische Tochter sind, unterstützt. Wie sieht es im Mutterhaus aus? Wie will die Stadtverwaltung Energie einsparen? Stichwort Wasser: Will die Stadt Celle zum Beispiel wie jetzt schon die Stadt Wolfsburg ihre öffentlichen Brunnen abstellen? Die sind ja ohnehin oft defekt und verursachen in der Regel mehr Reparatur- als sonstige Kosten. Also Brunnen ausschalten? Diese einfache Frage will die städtische Pressesprecherin Myriam Meißner nicht beantworten: "Zu möglichen Einsparmaßnahmen werden wir noch Stellung nehmen und von daher aktuell keine Einzelmaßnahmen herausgreifen." Es gebe einen "Runden Tisch Energie" – im August.