Die nächste Herausforderung nach Corona

So kämpft die Celler Veranstaltungsbranche gegen die Energiekrise

Gäste sollen bei Veranstaltungen in der CD-Kaserne und der Congress Union in Celle nicht frieren müssen. Also müssen an anderer Stelle Energiekosten gespart werden. Auch die Veranstaltungen stehen auf dem Prüfstand. Was Besucher wissen müssen. 

  • Von Jana Wollenberg
  • 18. Okt. 2022 | 13:20 Uhr
  • 18. Okt. 2022
Gäste sollen bei Veranstaltungen in der CD-Kaserne und der Congress Union nicht frieren müssen. Also müssen an anderer Stelle Energiekosten gespart werden. 
  • Von Jana Wollenberg
  • 18. Okt. 2022 | 13:20 Uhr
  • 18. Okt. 2022
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Celle.

In dieser kalten Jahreszeit wird nicht nur das Heizen in der eigenen Wohnung zur finanziellen Belastungsprobe – auch an Konzerten und Tagungen möchte wohl niemand mit Schal und dicker Jacke teilnehmen. Nach der Coronakrise treffen nun die Energiekosten die Veranstaltungsbranche. Bleiben Celles Konzert- und Veranstaltungssäle vorerst kalt?

Abwägen, welche Räume genutzt werden

"Für uns geht es darum zu überlegen, ob eine Veranstaltung noch wirtschaftlich ist", sagt Kai Thomsen, Geschäftsführer der CD-Kaserne. In einigen Hallen des Kulturzentrums bleibt die Heizung in der Regel aus, bis eine Veranstaltung ansteht. "Die Kosten für unsere Halle 16 haben sich verdreifacht", erzählt er. Daher gehe es nun vor allem darum abzuwägen, welche Räume genutzt werden. Ist der Saal ausgebucht, lohne es sich nicht mehr unbedingt, weitere Tickets zu verkaufen und die Veranstaltung in der weitaus größeren Halle 10 auszurichten. Diese beispielsweise für 300 Menschen zu öffnen, sei im Moment nicht wirtschaftlich. "Für 700 Leute lohnt sich das wieder." Es müsse jedes Mal wieder im Einzelfall entschieden werden. "Wir haben da noch keine Lernkurve", sagt Thomsen.

"Für uns geht es darum zu überlegen, ob eine Veranstaltung noch wirtschaftlich ist."

Kai Thomsen, Geschäftsführer der CD-Kaserne

Darüber, Veranstaltungen abzusagen, spreche man im Moment nicht, so der Geschäftsführer. "Die Kosten werden teilweise von verschiedenen Fördertöpfen getragen", erklärt er, daher würden diese Angebote unabhängig von den entstehenden Kosten stattfinden. Etwas anders verhält es sich, wenn Räume von Externen angemietet wurden. Hier müsse das Kulturzentrum die Energiepreise an die Veranstalter weitergeben – was in den kommenden Monaten unter Umständen zu Absagen und damit zu finanziellen Einbußen für die CD-Kaserne führen könnte.

Beim Sparen geht es auch um Kleinigkeiten

Eine geringere Temperatur in den Hallen, und damit die Gefahr, dass einige der Gäste frieren müssen, wäre für Thomsen indes keine Option. "Es würde niemand mehr kommen", glaubt er. "Alle Räume werden regelmäßig genutzt", fügt der Geschäftsführer hinzu, und verursachen dementsprechend auch Kosten. Die Heizungen dort abzudrehen, würde auch bedeuten, Angebote einschränken zu müssen – für ihn ist das ebenso nicht denkbar. "Einige Dinge sind für und tabu", sagt Thomsen. "Es ist zum Beispiel wichtig, dass der Jugendtreff auf bleibt", betont er, besonders, nachdem Kinder und Jugendliche schon durch Corona in vielem eingeschränkt waren.

Kai Thomsen

"Wir haben geschaut, was wir wirklich brauchen. In Thaer's Wirtshaus verzichten wir zum Beispiel auf die Wärmestrahler draußen."

Betriebsleiter Bryan Johnston

In der Congress Union in Celle werde derzeit an vielen Ecken Energie gespart, erzählt Betriebsleiter Bryan Johnston: So erkennen Bewegungs- und Präsenzmelder, wo sich im Gebäude Menschen aufhalten. Wo niemand ist, geht das Licht aus. "Auch die Notbeleuchtung wird heruntergefahren", sagt Johnston. "Wir haben geschaut, was wir wirklich brauchen. In Thaer's Wirtshaus verzichten wir zum Beispiel auf die Wärmestrahler draußen." Oftmals gehe es beim Sparen auch um Kleinigkeiten, wie das Licht in den Kühlschränken, das nun vorerst aus bleibt. Regelmäßig werde im Moment geprüft und überlegt, wo Energie gespart werden kann. "Vieles davon bedeutet erstmal Investitionen", meint der Betriebsleiter. Die neuen Fenster, die einer der Säle bekommen soll, würden zum Beispiel langfristig dazu beitragen, Heizkosten zu sparen.

Wohlfühltemperatur muss sinken

Bei der Temperatur habe man indes bereits Hand angelegt, berichtet Johnston. Im Sommer habe die Klimaanlage die Räume der Congress Union nur noch auf 24 statt wie vorher üblich auf 21 Grad gekühlt. "Und jetzt haben wir die Heizleistung heruntergefahren." Die "Wohlfühltemperatur" von 23 bis 24 Grad wird in dieser Heizperiode nicht erreicht werden.

"Wir erheben keine Energiepauschale, wie es vielerorts diskutiert wird", betont der Betriebsleiter. Mit dieser versuchen bereits einige Hotels und Restaurants, einen Teil ihrer Mehrkosten an Kundinnen und Kunden weiterzugeben. Eine Anpassung der Raummieten ist in der aber durchaus ein Thema. Die Gefahr, dass die Mieter angesichts der höheren Kosten ihre Veranstaltungen absagen könnten, dürfte daher nicht nur für die CD-Kaserne bestehen.

Bryan Johnston