Demokratie leben

Diese Projekte wurden in Celle umgesetzt

145.000 Euro hat der Bund der Partnerschaft für Demokratie in Celle zur Verfügung gestellt. Diese Projekte wurden in diesem Jahr umgesetzt.

  • Von Christopher Menge
  • 09. Dez. 2022 | 18:00 Uhr
  • 10. Dez. 2022
Bei der Jugendkonferenz in der CD-Kaserne kommen die jungen Menschen aus Stadt und Landkreis Celle zu Wort.
  • Von Christopher Menge
  • 09. Dez. 2022 | 18:00 Uhr
  • 10. Dez. 2022
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Der AWO-Kreisverband Celle veranstaltete einen Tanzworkshop für Frauen und Mädchen mit Migrationsgeschichte.
Celle.

So bunt die Celler Gesellschaft ist, so vielfältig ist auch die Partnerschaft für Demokratie in der Stadt. Im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend der Stadt Celle Fördermittel in Höhe von 145.000 Euro zur Verfügung gestellt. „Wir freuen uns, dass dank der Förderung ganz unterschiedliche Projekte realisiert werden konnten“, sagt Gerd Janke aus der Koordinierungs- und Fachstelle. Hier einige Beispiele.

Der AWO-Kreisverband Celle veranstaltete einen Tanzworkshop für Frauen und Mädchen mit Migrationsgeschichte. Ziel des Workshops war es, das Vertrauen in sich selbst, aber auch in andere zu stärken. Die Referentin Ellen Vollmer, die zeitgenössischen Tanz in England studiert hat, zeigte den Teilnehmerinnen mithilfe von Vertrauens- und Tanzübungen, wie sich der Körper bewegen kann und wie dadurch das Selbstbewusstsein sowie das Selbstwertgefühl gesteigert werden. Wichtige Bestandteile des Workshops waren vor allem der Zusammenhalt der Gruppe, Akzeptanz aller Menschen sowie der wertschätzende Umgang miteinander. „Besonders schön war, dass wir auch etwas von den teilnehmenden Frauen lernen konnten und verschiedene Kulturen entdecken durften“, so Vollmer.

Lernfüchse: AWO bietet Hausaufgabenbetreuung

Der AWO-Kreisverband initiierte außerdem das Projekt „Die Lernfüchse“ im Stadtteil Neustadt/Heese. Dabei boten drei geschulte ehrenamtliche Kräfte einmal pro Woche kostenlose schulische Unterstützung für Schüler und Schülerinnen der ersten bis vierten Klasse an. Das Angebot umfasste die Hausaufgabenbetreuung, individuelle Hilfen und Tipps und Tricks in allen Fächern. „Unser Projekt leistet einen großen Beitrag zur Integration und Inklusion von Kindern, insbesondere auch mit Fluchterfahrung und/oder Migrationshintergrund“, sagt Rebana Rehl, die das Projekt gemeinsam mit Olivia Daniluk betreut. „Es bedarf weiterer Anstrengung, die Lebens- und Bildungsqualität dieser Kinder zu erhöhen.“

"Einige Teilnehmerinnen kamen mit großem seelischen Gepäck."

Sinja Jaskulla (Mädchenarbeitskreis)

Zu einer Mädchenfreizeit luden der Mädchenarbeitskreis und die CD-Kaserne 16 Mädchen im Alter zwischen 12 und 14 Jahren ein, die zusammen mit drei Teamern in ein Seminarhaus in Wittfeitzen im Wendland fuhren. Das Programm beinhaltete neben einem Impro-Theater-Workshop unter anderem auch eine Einheit zum Thema „Girl Power“. In einem Gespräch erzählte Sinja Jaskulla, Betreuerin der Mädchenzeit der CD-Kaserne, dass einige der Teilnehmerinnen „mit großem seelischen Gepäck“ kamen. Dieses Gepäck beinhaltete Dinge wie Schicksalsschläge oder auch Mobbing, über das in der Gruppe oder auch in Einzelgesprächen mit den Teamern gesprochen wurde. Auch über Probleme, die während der Corona-Zeit entstanden sind oder verstärkt wurden, wurde geredet. So fühlten sich einige Teilnehmerinnen mit dem Homeschooling überfordert und erhielten von Eltern und von den Schulen nicht genügend Unterstützung. Für viele war die Freizeit auch eine Gelegenheit, mal rauszukommen, abzuschalten und den Leistungsdruck des Alltages hinter sich zu lassen.

Jugendkonferenz in der CD-Kaserne

Dass es für junge Menschen im Landkreis Celle einiges an Verbesserungspotenzial gibt, hat die Jugendkonferenz in der CD-Kaserne gezeigt. Einen Vormittag lang diskutierten die Jugendlichen aus Stadt und Landkreis darüber, welche Wünsche, Anliegen und Sorgen sie haben – von Kultur und Freizeitgestaltung bis hin zum Thema Mobilität. Die Ergebnisse der Veranstaltung sollen nun zusammengefasst, veröffentlicht und allen Stadtrats- und Kreistagsmitgliedern zur Verfügung gestellt werden.

Die Ausstellung „Heim weh(en)“ im Atelier 22 thematisierte Heimat als Sehnsucht, aber auch als schmerzliches Vermissen. Der Künstler Said Baalbaki gestaltete das Thema vielfältig mit verschiedenen Kunsttechniken. Schüler und Lehrer von der Oberschule Heese beschäftigten sich außerdem mit dem Thema. Heimat ist nicht nur ein Ort, sondern ein Gefühl, ein Wohlbefinden. Zudem las Felix Meyer Gedanken von Herta Müller über ihre Erfahrung, sich in Deutschland eine neue Heimat aufzubauen.

Felix Meyer las Gedanken von Herta Müller über ihre Erfahrung, sich in Deutschland eine neue Heimat aufzubauen.

In Vorwerk trafen sich spielbegeisterte Kinder im Alter von 5 bis 13 Jahren unter dem Motto „Fairplay ist ein Kinderspiel“ zum gemeinsamen Spielen von Brett- und Gesellschaftsspielen in der Grundschule. Im Fokus standen dabei der Spaß am Spiel, faires Miteinander und der Aufbau von neuen Kontakten und Freundschaften. Vorab hatten die Schülerinnen und Schüler mit viel Freude und Ideenreichtum im Klassenrat Spielwünsche und Ideen gesammelt, sich ausgetauscht und abschließend über die Anschaffungen demokratisch abgestimmt. Im Laufe des Jahres wurde ein neuer Spieleschrank ausgestattet.

Zu einem Zeitzeugen-Gespräch lud das Mehrgenerationenhaus ein. Das Ehepaar Manuela und Gerd Keil berichtete über ihre Erlebnisse in der ehemaligen DDR. Gerd Keil wurde selbst politisch verfolgt und war Strafmaßnahmen der DDR-Staatssicherheit ausgesetzt. Er wurde verraten, verhaftet und von der Bundesrepublik freigekauft. Manuela Keil wuchs in einem Wochenkinderheim auf und erfuhr schon als Kleinstkind eine sozialistische Erziehung. Den Jugendlichen und jungen Erwachsenen beantworteten die beiden Buchautoren gerne ihre Fragen zur DDR-Diktatur.

Wanderausstellung in der Volkshochschule Celle

In der Volkshochschule wurde die Wanderausstellung „Freiheit und ich“ gezeigt, die aus einem neuen Blickwinkel auf die Freiheitsrechte sieht. Sie zeigt den Wert der Freiheit, wirft aber auch Fragen auf, in deren Auseinandersetzung allen Besucherinnen und Besuchern die Möglichkeit geboten wurde, die eigene Vorstellung der Freiheit zu beschreiben.

Best-practice-Beispiele wurden bei der Impulsveranstaltung zu kultureller Vielfalt des Albert-Schweitzer-Familienwerks Hermannsburg präsentiert. So ist die temps GmbH Malereibetriebe beispielsweise schon seit 2015 führend darin, Geflüchtete zu Malern und Lackierern auszubilden und zu unterstützen. Zeitweise waren über 50 Prozent der rund 60 Auszubildenden Geflüchtete. Auch ukrainische Flüchtlinge hat temps bereits eingestellt. Sie werden von russisch- und ukrainischsprachigen Kollegen eingearbeitet und besuchen zusätzlich Sprachkurse des Unternehmens. Als am 14. Oktober ukrainischer Nationalfeiertag war, wurde das Ausbildungszentrum kurzerhand zum ukrainischen Kulturzentrum umfunktioniert.

Weitere Informationen unter www.dl-celle.de